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Energiewende Ausbau des Stromnetzes verteuert sich um 19 Milliarden Euro

Nach neuesten Berechnungen müssen die vier Übertragungsnetzbetreiber bis 2030 etwa 19 Milliarden zusätzlich investieren. Bezahlen müssen am Ende die Verbraucher.
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Wegen der Stromerzeugung durch regenerative Energien ist das Stromnetz in Deutschland häufig überfordert. Quelle: dpa
Strommasten

Wegen der Stromerzeugung durch regenerative Energien ist das Stromnetz in Deutschland häufig überfordert.

(Foto: dpa)

BerlinDer Ausbau der Stromnetze wird deutlich teurer als geplant: Noch 2017 ging man von Investitionen ins Übertragungsnetz in Höhe von 33 Milliarden Euro aus. Die Berliner Ratingagentur Scope Ratings kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass die Übertragungsnetzbetreiber 52 Milliarden Euro bis 2030 investieren werden. „Damit ist der erwartete Investitionsbedarf in nur zwei Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen“, heißt es in einer Mitteilung der Agentur.

Allein für die Hochspannungstrasse Suedlink im Versorgungsgebiet der Übertragungsnetzbetreiber Tennet und TransnetBW von Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg werden laut Scope Ratings nun zehn Milliarden Euro veranschlagt.

Zur Einordnung: Noch 2014 hatten die Betreiber einen Betrag „im unteren einstelligen Milliardenbereich“ prognostiziert. Damals hatten Fachleute die Gesamtkosten für den Um- und Ausbau des deutschen Übertragungsnetzes an Land und auf hoher See auf insgesamt gut 40 Milliarden Euro beziffert.

Doch dieser Wert ist nur noch Makulatur. Der Wert von 52 Milliarden Euro, den die Berliner Ratingagentur nun nennt, spiegelt nur den Ausbau des Übertragungsnetzes an Land wider. Investitionen für die Anbindung von Offshore-Windparks auf hoher See, die ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich der Übertragungsnetzbetreiber fallen, sind darin noch nicht enthalten.

Einer der Hauptkostentreiber beim Ausbau ist die Entscheidung der Politik, die Leitungen ganz überwiegend unterirdisch zu verlegen. Zunächst war geplant, sie als Freileitungen zu bauen. Doch die Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung erwiesen sich als zu groß.

Die Übertragungsnetze in Deutschland werde von den vier Unternehmen 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW betrieben. Die Übertragungsnetze haben im System der Stromverteilung die Funktion der „Autobahnen“: Über sie erfolgt die Verteilung großer Strommengen über weite Entfernungen quer durch Deutschland.

Von den Übertragungsnetzen wird der Strom an die Verteilnetze weitergeleitet. Die wiederum bringen den Strom bis zu jedem Hausanschluss. Auch die Anforderungen an die 900 Verteilnetzbetreiber in Deutschland steigen durch die Energiewende massiv. Sie müssen den Strom nicht mehr nur weiterleiten; auf der Verteilnetzebene erfolgt auch die Einspeisung von mittlerweile rund 1,6 Millionen dezentralen Energieerzeugern, etwa Photovoltaikanlagen.

Der Aufwand für den Betrieb und die Steuerung der Verteilnetze steigt daher enorm. Die Verteilnetzbetreiber rechnen daher mit Investitionen im mittleren zweistelligen Milliardenbereich in den kommenden Jahren. Doch diese Investitionen sind in den Berechnungen von Scope Ratings noch gar nicht enthalten.

Der massive Ausbau der Übertragungsnetze wird erforderlich, weil sich die Stromerzeugung in Deutschland komplett verändert. Immer mehr Strom wird in den Windparks im Norden und Nordosten Deutschlands erzeugt. Von dort muss er in die Verbrauchszentren im Süden und Westen der Republik geleitet werden. Während es im Norden ein Überangebot an Strom gibt, ist er im Süden oft knapp.

Weil die Übertragungsnetze im Moment noch nicht entsprechend ausgebaut sind, müssen im Norden häufig Windkapazitäten abgeregelt werden. Der Strom kann dann nicht in den Süden transportiert werden. Hilfsweise müssen im Süden oftmals alte Kraftwerke angeworfen werden, oft muss auch Strom aus dem benachbarten Ausland zugekauft werden.

Die Kosten für diese Ausgleichsmaßnahmen beliefen sich allein im vergangenen Jahr auf rund 1,5 Milliarden Euro. Sie würden entfallen, wenn das Netz besser ausgebaut wären.

Der zusätzliche Finanzierungsbedarf der Netzbetreiber wird nach Einschätzung von Scope Ratings zu einem Anstieg von „grünen“ Wertpapieren führen, sowohl in Form von öffentlichen Anleihen als auch in Form anderer Finanzierungsinstrumente wie Schuldscheindarlehen. „Zahlreiche Investoren auf der Suche nach nachhaltigen Anlagen werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen“, sagt Sebastian Zenk von Scope Ratings. „Der Markt für grüne Schuldtitel dürfte damit einen weiteren Bedeutungszuwachs erfahren“, sagte er.

Bezahlen müssen am Ende die Stromverbraucher. Denn die Kosten der Netznutzung werden in Form der Netzentgelte über die Stromrechnung auf alle Stromkunden umgelegt. Die Netzentgelte sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Mittlerweile haben sie das Niveau der Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien erreicht.

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2 Kommentare zu "Energiewende: Ausbau des Stromnetzes verteuert sich um 19 Milliarden Euro"

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  • "Die Kosten für diese Ausgleichsmaßnahmen beliefen sich allein im vergangenen Jahr auf rund 1,5 Milliarden Euro."
    Diese Zahl stammt aus 2017, nicht aus dem vergangenen Jahr. In 2018 sind die diesbzgl. Kosten wieder gesunken.
    Auch die Zahl von ca. 1,6 Mio. dezentralen Anlagen ist veraltet, inzwischen sind es mehr als 1,8 Mio. Beides nachzulesen im Monitoringbericht der Bundesnetzagentur:
    https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Allgemeines/Bundesnetzagentur/Publikationen/Berichte/2018/Monitoringbericht_Energie2018.pdf?__blob=publicationFile&v=5

  • Alarm und Informations Notstand - warum hören und sehen die Bundesregierung keine entsprechenden NEWS aus Wissenschaft und Forschung? Es gibt längst Alternativen zum Stromnetz mit Stromversorgung aus dem Grosskraftwerk. Wir sind in einem Zeitalter des Wandels zur MOBILEN UND DEZENTRALEN HAUSHALTSVERSORGUNG. 1958 erstmals in der Raumfahrt genutzt entwickelte sich die Photovoltaik anfangs langsam. Von ersten kleinen Anwendungen z. B. in Taschenrechnern in den 70iger Jahren bis zu einer autarken Versorgung ganzer Haushalte vergingen nochmals fast 20 Jahre. Die Photovoltaik begann ihren wirklichen Siegeszug zu Beginn der 90iger Jahre. Heute ist für Jedermann der Solarstrom aus dem sichtbaren Spektrum der Strahlung allgegenwärtig. Und heute steht auch die nächste Evolutionsstufe an. NEUTRINOVOLTAIC!
    Die Neutrino Energy Group entwickelt innovative High-Tech-Werkstoffe auf Basis dotierter Kohlenstoffderivate, um dadurch Mechanismen in Gang zu setzen, die es ermöglichen, das nichtsichtbare kosmische und solare Strahlenspektrum in elektrischen Strom zu wandeln. NEUTRINOVOLTAIC. Gleichsam einer Solarzelle, die auch ohne Licht bei völliger Dunkelheit Energie bereitstellt und die nun die herkömmliche Photovoltaik in Kürze sinnvoll ergänzen wird. Darauf sollte sich unsere Politik und Gesellschaft konzentrieren und INVESTITIONEN in die neue Technologie und unendliche Ressource Neutrino-Energy tätigen.