Energiewende in Norwegen Wo der Netzausbau mal nach Plan läuft

Norwegens riesige Wasserkraftwerke sollen einspringen, wenn Deutschland seinen Energiebedarf nicht selbst decken kann. Experten loben das Kabel Nordlink als Modell – auch für die langsameren deutschen Stromautobahnen.
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Die Stromtrasse zwischen Norwegen und Deutschland soll beiden Ländern bei der Bewältigung der Energiewende helfen. Mehr als 600 Kilometer Kabel wurden dafür verlegt. Quelle: dpa
Strommasten

Die Stromtrasse zwischen Norwegen und Deutschland soll beiden Ländern bei der Bewältigung der Energiewende helfen. Mehr als 600 Kilometer Kabel wurden dafür verlegt.

(Foto: dpa)

WilsterTonstad und Wilster sind nicht gerade internationale Metropolen, aber unter Fans der Energiewende genießen das norwegische Dorf und das Städtchen in Schleswig-Holstein eine gewisse Bekanntheit. Von Tonstad nach Wilster führt das erste Kabel, das Norwegens Stromnetz mit dem deutschen verbindet. Zum beiderseitigen Gewinn, so ist das jedenfalls gedacht.

An diesem Freitag wird in Wilster das Richtfest gefeiert für die Konverterstation auf der deutschen Seite, wo Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt wird. Das 623 Kilometer lange, Tausende Tonnen schwere und rund zwei Milliarden Euro teure Kabel soll helfen, eines der größten Ökostrom-Probleme überhaupt zu lösen: Den Mangel an Stromspeichern. Strom aus Wind und Sonne ist je nach Wetter mal massig verfügbar, mal knapp, „Dunkelflaute“ heißt das Worst-Case-Szenario.

Nordlink soll Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken nach Deutschland bringen, wenn hier die Windräder stillstehen. Mehr als 3,6 Millionen deutsche Haushalte wird die Super-Trasse mit erneuerbaren Energie versorgen können. Umgekehrt soll der deutsche Windstrom in Norwegen den Bedarf an Wasserkraft senken, das Wasser würde in den Speicherseen verbleiben.

Die Netzbetreiber Tennet und Statnett versprechen dadurch günstigere Strompreise. Denn bisher müssen Windräder im Norden abgeschaltet werden, wenn sie zu viel Strom produzieren – dafür fallen Entschädigungen für die Betreiber an, die auf die Strompreise umgelegt werden. „Diese neue Stromautobahn ist ein gutes Beispiel für die Vorzüge einer engen europäischen Vernetzung“, sagt der Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende, Patrick Graichen.

Durch den Austausch wirke die Leitung „ähnlich wie ein riesiger Stromspeicher - seine Leistung ist in etwa so groß wie die eines Atomkraftwerks.“ Graichen sieht in Nordlink auch einen Ausblick darauf, was die „Stromautobahnen“ Südlink und Südostlink einmal bringen sollen: „Der Strom kann freier fließen und der Strommarkt insgesamt funktioniert besser.“

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1 Kommentar zu "Energiewende in Norwegen: Wo der Netzausbau mal nach Plan läuft"

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  • Norwegen erzeugt nahezu seinen gesamten Strombedarf preiswert in abgeschriebenen Wasserkraftwerken die als Stauseen mit grosser Speicherkapazität konzipiert sind.

    Mit der Umsetzung ökoreligiöser Visionen wird in Deutschland und anderen europäischen Ländern ein erheblicher Teil des Stroms mittels umweltschädlicher Windmühlen und Solaranlagen erzeugt.

    Eine Herausforderung ist, dass im Stromnetz in jedem Augenblick Einspeisung und Verbrauch identisch sein müssen. Umweltschädliche Windmühlen und Solaranlagen speisen den Strom entsprechend der Launen des Wetters, der Tages- und Jahreszeit ein.

    So fährt Dänemark mit der Anbindung an das norwegische Stromnetz vergleichsweise gut. Bei Windflaute erhält Dänemark Strom aus Norwegen für gutes Geld zzgl. hoher Leitungskosten, bei Windüberschuss kann Dänemark den wertlosen, dreckigen Windstrom für Lau nach Norwegen leiten. Das ist zwar recht teuer, der Strompreis ist in Dänemark auch sehr hoch, aber eine Religion hat nunmal seinen Preis.

    Deutschland hat ein zig-fach grösseres Stromnetz als Dänemark so dass dieses Modell nur ein sehr kleiner Teil einer Lösung sein kann. Norwegische Grüne und Politiker haben bereits zu verstehen gegeben dass sie ihre wunderschönen Landschaften nicht für die ökoreligiösen Visionen der Deutschen opfern möchten. Sprich ein weiterer Ausbau der norwegischen Wasserkraft ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.

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