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E-Fuels

E-Fuels werden mittels Strom aus Wasser und Kohlendioxid hergestellt. Es handelt sich um sogenannte „synthetische Kraftstoffe“.

(Foto: dpa)

Energiewende Länder wollen grüne Kraftstoffe fördern

Synthetische Kraftstoffe können eine Schlüsselrolle im Klimaschutz spielen. Die Bundesregierung hält sich zurück. Nun machen die Bundesländer Druck.
  • Klaus Stratmann
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BerlinErst in der vergangenen Woche einigten sich die EU-Umweltminister auf die Grundzüge der künftigen CO2-Regulierung für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Demnach sollen die CO2-Emissionen der Pkw-Flotten bis 2030 um 35 Prozent reduziert werden. Nun müssen sich Europaparlament, Kommission und Rat im Trilog-Verfahren noch zu einer gemeinsamen Position durchringen.

Aus Sicht mehrerer Bundesländer ist das der geeignete Zeitpunkt, um die CO2-Flottenregulierung um einen weiteren Aspekt zu ergänzen: Die Länder sprechen sich dafür aus, den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen, die mittels Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt sind, bei der Flottenregulierung CO2-mindernd anzurechnen.

Das Thema wird Gegenstand der Verkehrsministerkonferenz der Bundesländer, die am Donnerstag und Freitag stattfindet. In einem Beschlussvorschlag des Landes Schleswig-Holstein, der dem Handelsblatt vorliegt, wird die Bundesregierung aufgefordert, sich im Trilog-Verfahren dafür einzusetzen, eine Anrechnungsmöglichkeit der Emissionsminderungen, die durch synthetische Kraftstoffe entstehen, zu schaffen. Bislang ist das nicht vorgesehen.

Die Bundesregierung tut sich in dieser Frage im Moment noch schwer. In den Bundesministerien für Umwelt, Verkehr und Wirtschaft gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Rolle man synthetischen Kraftstoffen beimessen sollte. Bislang, hatte es zuletzt geheißen, gebe es dazu noch keine abgestimmte Meinung.

Im Beschlussvorschlag Schleswig-Holsteins heißt es, im Fokus der Flottenregulierung müsse die Senkung der CO2-Emissionen stehen „und nicht die Erzwingung eines Wechsels der Antriebstechnologie“. Das spielt darauf an, dass die Hersteller mit dem Einsatz batteriebetriebener Fahrzeuge ihre Flottenemissionswerte senken können, mit synthetischen Kraftstoffen aber nicht. Maßstab müsse Technologieneutralität sein, heißt es in dem Beschlussvorschlag weiter. Die bislang vorliegenden Regulierungsvorschläge erfüllten diesen Anspruch nicht.

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„Ob sich Batteriefahrzeuge tatsächlich auf breiter Front durchsetzen ist völlig offen und muss Ergebnis eines Technologiewettbewerbs sein. Synthetische Kraftstoffe können schnell und effektiv die CO2-Emissionen der großen Flotte der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor senken“, sagte der schleswig-holsteinische Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Buchholz dem Handelsblatt.

Buchholz sieht in dem Thema große wirtschaftliche Potenziale. Es würde „ein neuer Industriezweig entstehen, mit vielen neuen Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in Deutschland“. Man könne so dazu beitragen, den Technologievorsprung heimischer Hersteller bei synthetischen Kraftstoffen zu sichern und sie in eine gute Ausgangsposition für einen absehbar entstehenden, riesigen weltweiten Markt bringen, sagte Buchholz.

Nicht nur Schleswig-Holstein setzt sich für die synthetischen Kraftstoffe ein. „Es reicht nicht, beim Thema CO2-Reduktion erst beim Fahrzeug anzusetzen. Die CO2-Reduktion beginnt beim eingesetzten Kraftstoff“, sagte Uwe Lahl, Ministerialdirektor im baden-württembergischen Verkehrsministerium, dem Handelsblatt.

E-Fuels sind Alleskönner

Die Berücksichtigung von synthetischen Kraftstoffen bei der CO2-Flottenregulierung stelle „einen gangbaren Weg dar, um das Thema voranzutreiben“, sagte Lahl. Die Zustimmung reiche von den Automobilherstellern bis zur Mineralölwirtschaft. „Die Bundesregierung sollte das als Chance begreifen und eine Regulierung schaffen, mit der sich die Potenziale heben lassen“, sagte Lahl.

Er regt an, den Einsatz von E-Fuels auch bei der Treibhausgas-Minderungsquote im Kraftstoffbereich zu steigern. „Würde man diese Quote kontinuierlich steigern, entstünde eine Nachfrage nach E-Fuels. Damit gäbe es verlässliche Investitionsbedingungen für die Schaffung von Produktionskapazitäten“, sagte Lahl.

Einige Bundesländer, darunter neben Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg auch Niedersachsen, sind von den Vorzügen synthetischer Kraftstoffe überzeugt. Synthetische Kraftstoffe, die auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt werden, auch E-Fuels genannt, sind wahre Alleskönner: Sie können Autos, Lastkraftwagen, Schiffe oder Flugzeuge antreiben, Heizkessel oder Kraftwerksturbinen befeuern.

Auch als Rohstoff in der Industrie sind sie einsetzbar. E-Fuels sind gasförmige oder flüssige Kraftstoffe (Wasserstoff, Methan, synthetische Otto- und Dieselkraftstoffe inklusive Kerosin), die auf der Basis von Strom hergestellt werden. Dahinter stecken Technologien, die auf dem erprobten Verfahren der Elektrolyse basieren. Wenn der Strom, der für die Elektrolyse benötigt wird, aus erneuerbaren Quellen stammt, entstehen klimaneutrale Kraftstoffe.

Der große Nachteil der E-Fuels: Die Umwandlung von Strom in Kraftstoff kostet Energie. Die direkte Stromnutzung ist wesentlich effizienter. Doch dieser Nachteil wird durch einige Vorteile aufgewogen. Batterien etwa scheiden in bestimmten Anwendungsfällen aus, etwa im Schwerlastverkehr, in der Luft- und Seeschifffahrt. E-Fuels sind in diesen Fällen die einzige CO2-neutrale Lösung. Außerdem können vorhandene Infrastrukturen weiter genutzt werden – von der Tankstellen bis zur Gasnetzinfrastruktur.

Die Branche unterstützt die Initiative der Bundesländer. Die Anerkennung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen auf die zukünftigen Emissionsgrenzwerte stelle eine Möglichkeit dar, einen Strukturbruch in der Automobilindustrie mit enormen volkswirtschaftlichen Folgen zu vermeiden, sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbandes, Werner Diwald, dem Handelsblatt. Synthetische Kraftstoffe könnten unmittelbar einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten, sagte er. „Nur mit synthetischen Kraftstoffen ist die Zeit des Nichthandelns der deutschen Automobilindustrie zu kompensieren“, sagte er.

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