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Energiewende Netzbetreiber treiben Power-to-X gemeinsam voran

Tennet, Amprion, Gasunie, Open Grid Europe und Thyssengas reichen ihre Investitionsanträge für Power-to-X-Anlagen bei der Bundesnetzagentur ein.
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Überschüssiger Windstrom könnte zur Gasherstellung verwendet werden. Quelle: dpa
Windenergieanlagen im Landkreis Oder-Spree

Überschüssiger Windstrom könnte zur Gasherstellung verwendet werden.

(Foto: dpa)

Berlin Als der Stromnetzbetreiber Amprion und der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE) im Juni vergangenen Jahres ankündigten, sie wollten eine 100 Megawatt starke Power-to-X-Anlage zur Umwandlung von Strom in Gas in Niedersachsen bauen, war die Skepsis bei der Bundesnetzagentur groß.

Es gehöre nicht zu den Aufgaben von Netzbetreibern, in solche Anlagen zu investieren, hieß es bei der Regulierungsbehörde. Als kurz darauf auch Tennet, Gasunie und Thyssengas ein vergleichbares Projekt vorstellten, das ebenfalls in Niedersachsen umgesetzt werden soll, äußerte sich die Regulierungsbehörde genau so ablehnend.

Doch die Netzbetreiber lassen sich nicht abschrecken. Im Gegenteil: Für die Beantragung der erforderlichen Investitionen schließen sie sich jetzt sogar zusammen – zumindest terminlich: Beide Konsortien reichen die entsprechenden Unterlagen am Freitag bei der Bonner Behörde ein.

Die Pilotanlage „Element eins“ von Tennet, Gasunie und Thyssengas soll schrittweise ab 2022 in Betrieb gehen, die „Hybridge“ getaufte Anlage von Amprion und OGE 2023 vollständig. Mit der zeitglichen Beantragung wollen die Unternehmen ein Zeichen setzen und deutlich machen, dass sie es ernst meinen mit ihren Vorhaben.

Neuland der Energiegewinnung

Die Unternehmen beschreiten mit der angepeilten Größenordnung der Pilotanlagen Neuland. Power-to-X gilt als eine der Schlüsseltechnologien der Energiewende. Das Verfahren beruht auf dem seit vielen Jahrzehnten bewährten Verfahren der Elektrolyse. Mittels Elektrolyse kann Strom in Wasserstoff umgewandelt werden.

Der Wasserstoff wiederum lässt sich beispielsweise in Methan umwandeln. Wenn der Strom, der für die Elektrolyse eingesetzt wird, aus erneuerbaren Quellen stammt, entstehen klimaneutrale, also „grüne“, Brennstoffe. Sie können ins Gasnetz eingespeist werden, in Gasspeichern gelagert, als Kraftstoff im Mobilitätssektor oder in der Industrie eingesetzt werden.

Die Power-to-X-Technologie baut somit eine Brücke von der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen in die Sektoren Mobilität, Wärme und Industrie. Zugleich könnte der in Gas umgewandelte Strom einen Teil des Ausbaus der Stromnetze überflüssig machen. Deutschland verfügt über eine hervorragend ausgebaute Gasnetzinfrastruktur, die mittels Power-to-X vom fossilen Zeitalter in eine grüne Zukunft geführt werden könnte.

Ein energieintensives Verfahren

„Hybridge“ und „Element eins“ wollen den Einstieg in diesen Wandel voranbringen – und außerdem einen Beitrag dazu leisten, überschüssigen Windstrom sinnvoll zu verwenden. Derzeit müssen Windräder im Norden Deutschlands häufig abgeregelt werden, weil das Stromnetz an die Grenze seiner Aufnahmefähigkeit gelangt. Der große Nachteil des Verfahrens: Die Umwandlung von Strom in Gas kostet Energie. Die direkte Stromnutzung ist wesentlich effizienter. Solange man allerdings Strom einsetzt, für den es ohnehin keine sinnvolle Verwendung gibt, verfängt dieses Argument nicht.

Die Bundesnetzagentur sieht die Projekte kritisch. Sie ist der Überzeugung, dass es nicht Aufgabe von Netzbetreibern sei, Strom in Gas umzuwandeln. Die Arbeit der Netzbetreiber ist streng reguliert, sie beschränkt sich auf den Bau und Betrieb der Netze. Doch die Initiatoren lassen sich nicht abschrecken. Sie sind davon überzeugt, dass sich die Projekte in den Regulierungsrahmen einfügen. Sie wollen die Kapazitäten ihrer Anlagen Dritten, also etwa Händlern oder Direktabnehmern, diskriminierungsfrei zur Verfügung stellen.

Während das Bundeswirtschaftsministerium zögert und Power-to-X nur im kleinen Maßstab im Rahmen sogenannter Schaufenster-Projekte für sinnvoll hält, ist die EU-Kommission weiter. Nach Überzeugung der Brüsseler Behörde ist Power-to-X ein zukunftsträchtiges Thema, das in größerem Maßstab vorangetrieben werden sollte.

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1 Kommentar zu "Energiewende: Netzbetreiber treiben Power-to-X gemeinsam voran"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Mir scheint dieses beabsichtigte Vorhaben der Netzbetreiber allemal sinnvoller zu sein, als bei stürmischen Wetter einfach die Windräder aus dem Wind zu nehmen. Die Speicherung überschüssigen Stroms in Batterien, ob nun in Elektroautos oder in Gebäuden, bleibt ja von diesem Vorhaben unberührt.

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