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Energiewende Netzbetreiber warnen vor Stromausfall bei schnellem Kohleausstieg

Ein rascher Kohleausstieg könnte die Versorgungssicherheit gefährden. Der Druck auf die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission wächst.
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Der Betrieb wird zunehmend unwirtschaftlich. Quelle: dpa
Kohlekraftwerk

Der Betrieb wird zunehmend unwirtschaftlich.

(Foto: dpa)

BerlinEnde November veröffentlichte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) eine „Zahl der Woche“: Im laufenden Jahr seien sieben Steinkohle-Blöcke mit einer Leistung von 1,4 Gigawatt aus wirtschaftlichen Gründen vom Netz gegangen, teilte der Verband mit. Die Blöcke hätten 2017 über drei Milliarden Kilowattstunden Strom produziert und somit eine Million Haushalte mit Strom versorgt.

Solche „marktgetriebenen Stilllegungen sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Erreichung des Klimaziels 2020“, schrieb der BDEW weiter. Der Energiewirtschaft werde es bis dahin voraussichtlich gelingen, ihre Gesamtemissionen um annähernd 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.

Die ungeschriebene Botschaft dahinter: Der Kohleausstieg ist bereits in vollem Gange, er muss nicht künstlich beschleunigt werden. Tatsächlich liegen bei der Bundesnetzagentur etliche Anträge auf Stilllegungen von Kraftwerken vor. Ihr Betrieb lohnt sich oftmals nicht mehr, weil die erneuerbaren Energien sie aus dem Markt drängen.

Hinzu kamen zuletzt deutliche Preissteigerungen für Emissionszertifikate. Sie machen den Betrieb von Kohlekraftwerken oft unwirtschaftlich.

Und so rutscht Deutschland bereits jetzt in eine Situation, die eine weitere Beschleunigung des Kohleausstiegs auch aus Sicht der Netzbetreiber in den nächsten Jahren gefährlich erscheinen lässt: „Beim Thema Versorgungssicherheit dürfen wir den Bogen nicht überspannen“, sagte Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung des Netzbetreibers 50Hertz, dem Handelsblatt.

Das gelte insbesondere auf kurze Sicht. „Wenn wir bereits in den kommenden fünf oder sechs Jahren in erheblichem Umfang Kohlekraftwerkskapazitäten stilllegten, ohne die Gewissheit zu haben, dass parallel neue gesicherte Leistung etwa in Form von Gaskraftwerken entsteht, laufen wir in schwer kalkulierbare Situationen. Dies alles sollte vor finalen Stilllegungen genau analysiert werden“, warnte Schucht.

Danach allerdings bestünden „durchaus recht große Freiheitsgrade hinsichtlich eines Fahrplans für einen Kohleausstieg, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, ergänzte der 50Hertz-Geschäftsführer. Auch andere Übertragungsnetzbetreiber hatten bereits vor Gefahren für die Versorgungssicherheit gewarnt, falls der Kohleausstieg zu schnell erfolgt. Die Netzbetreiber tragen einen Hauptteil der Verantwortung dafür, eine störungsfreie Stromversorgung zu gewährleisten.

Die Versorgungssicherheit gehört zu den Themen, mit denen sich auch die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission befasst. Sie will bis Anfang kommenden Jahres einen konkreten Fahrplan für die Abschaltung von Kohlekraftwerken erarbeiten. Klimaschützer fordern rasche Abschaltungen möglichst noch vor 2020, spätestens aber bis 2022.

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