Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Energiewende Ökostrom zieht 2018 erstmals mit Kohlestrom gleich

Mehr Strom aus erneuerbaren Quellen, weniger aus Kohle – Klimaschützern müsste gefallen, wie der deutsche Energiemarkt sich 2018 entwickelt hat.
Kommentieren
Erneuerbare Energien werden bei den Verbrauchern immer beliebter. Quelle: dpa
Ökostrom

Erneuerbare Energien werden bei den Verbrauchern immer beliebter.

(Foto: dpa)

Berlin Die erneuerbaren Energien haben im vergangenen Jahr Experten zufolge in Deutschland erstmals so viel Strom geliefert wie Braun- und Steinkohle. Der Anteil von Wind, Sonne und weiteren Ökostromquellen an der Gesamtproduktion lag 2018 laut der Denkfabrik Agora Energiewende bei 35,2 Prozent – die Kohle kam auf den gleichen Wert. Der Ökoanteil am Stromverbrauch stieg demnach sogar auf 38,2 Prozent. Er liegt etwas höher als bei der Produktion, weil Deutschland auch im vorigen Jahr wieder Strom exportiert hat.

Grund für die Entwicklung ist ein Anstieg der Ökostrommenge und insbesondere des Solarstroms, aber zugleich auch ein deutlicher Rückgang bei der Stromproduktion aus Steinkohle. Die Abnahme der Braunkohleverstromung nennen die Experten dagegen nur „marginal“.

Der Energiewende-Rückblick 2018 wird an diesem Montag in Berlin veröffentlicht, er lag der Deutschen Presse-Agentur vorab vor. Der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) sank im vergangenen Jahr überraschend stark um mehr als 50 Millionen Tonnen oder 5,7 Prozent. Damit war der Treibhausgas-Ausstoß 2018 fast 32 Prozent unter dem Wert von 1990. Ziel Deutschlands ist es, ihn bis 2020 um 40 Prozent zu drücken.

Der Rückgang im vergangenen Jahr sei aber hauptsächlich auf den milden Winter zurückzuführen, in dem weniger geheizt wurde – und auf ein gesunkenes Produktionsniveau bei den energieintensiven Industrien sowie hohe Preise für Diesel und Benzin, heißt es bei Agora.

„Der Emissionsrückgang rückt auf den ersten Blick zwar das Klimaschutzziel 2020 in greifbare Nähe, doch schon der nächste durchschnittlich kalte Winter und kleine konjunkturelle Veränderungen werden die positive Entwicklung wieder zunichtemachen“, warnte der Direktor von Agora Energiewende, Patrick Graichen. Klimaschutz sei bei der Braunkohle, im Verkehr und im Gebäudebereich nötig. Von der Bundesregierung eingesetzte Kommissionen beraten derzeit über den Kohleausstieg und über Klimaschutz im Verkehr.

Obwohl sowohl Wind- als auch Solarstrom zulegten, reicht das Graichen zufolge noch nicht, um ein weiteres Regierungsziel zu schaffen: einen Ökostromanteil von 65 Prozent bis 2030. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss daher beschleunigt werden“, sagte er. Vor allem solle die Regierung die Nutzung von Solaranlagen erleichtern, die auch in der Bevölkerung beliebt seien. Dazu könnten etwa mehr Flächen als bisher für die Bebauung mit Photovoltaikanlagen freigegeben werden.

Nach Berechnungen von Agora Energiewende ist ein Fünftel des eingesparten CO2 auf den Rückgang bei der Steinkohleverstromung zurückzuführen. Den Grund sehen die Experten in den gestiegenen CO2-Preisen in der EU, nachdem das System reformiert worden ist.

Die Stromgewinnung aus Steinkohle wurde damit teurer und sank auf das niedrigste Niveau seit dem Beginn der Erhebungen 1950. Anders sieht es bei der Braunkohle aus: „Auf die Braunkohleverstromung werden die CO2-Preise mittel- bis langfristig keinen Einfluss haben, dazu sind ihre übrigen Kosten zu gering“, erklärte Graichen.

Anfang Januar hatte bereits das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) Daten zur Stromerzeugung 2018 veröffentlicht. Dort kamen die erneuerbaren Energien auf über 40 Prozent. Grund für die Abweichung von den Agora-Zahlen ist eine andere Rechenweise: Das Institut betrachtet die öffentliche Netto-Stromerzeugung und rechnet zum Beispiel die industrielle Stromerzeugung für den Eigenverbrauch dabei nicht mit ein. Laut Agora ist die Brutto-Stromerzeugung, bei der dies einbezogen wird, der gängigere Wert.

Der Handelsblatt Expertencall
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Energiewende - Ökostrom zieht 2018 erstmals mit Kohlestrom gleich

0 Kommentare zu "Energiewende: Ökostrom zieht 2018 erstmals mit Kohlestrom gleich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.