Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Energiewende Offshore-Windkraft: Der Platz im Meer wird knapp

Die Stromproduktion in Nord- und Ostsee soll sich zur tragenden Säule der Energiewende entwickeln. Doch der Kampf um geeignete Flächen wird zum Problem.
21.01.2021 - 13:53 Uhr 2 Kommentare
Im laufenden Jahr wird in Nord- und Ostsee kein neues Windrad ans Netz gehen. Quelle: dpa
Offshore-Windpark in der Ostsee

Im laufenden Jahr wird in Nord- und Ostsee kein neues Windrad ans Netz gehen.

(Foto: dpa)

Berlin Die Große Koalition setzt auf die Offshore-Windenergie: Im vergangenen Jahr hat sie das Ausbauziel für die Stromproduktion in Nord- und Ostsee für 2030 von 15 Gigawatt (GW) auf 20 GW erhöht. Gleichzeitig hat sie ein neues Ziel gesetzt: 2040 soll die installierte Leistung bereits 40 GW betragen. Zur Einordnung: Eine installierte Leistung von 40 GW entspricht der Leistung von 40 großen Kohlekraftwerken.

Die Branche freut sich über die neuen Ziele. Doch sie sieht Probleme bei der Umsetzung. Denn Nord- und Ostsee bieten kein unbegrenztes Flächenpotenzial.

Zwar weisen die Raumordnungspläne nach Angaben des Bundesverbandes der Windparkbetreiber Offshore (BWO) derzeit Vorrang- und Vorbehaltsgebiete aus, die den Bau von 41 GW Offshore-Leistung bis 2040 ermöglichten. Doch die Branche ist skeptisch: Das klinge zwar gut, sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm, es fehle aber der Puffer.

Im Zuge von Umweltverträglichkeitsprüfungen könnte die für die Offshore-Windkraft am Ende tatsächlich nutzbare Fläche deutlich knapper ausfallen, so die Befürchtung Thimms. Er fordert daher von der Politik, weitere Flächenpotenziale zu heben.

Sich abzeichnende Nutzungskonflikte mit Schifffahrt, Marine und Naturschutz müssten pragmatisch gelöst werden, damit das Erreichen der definierten Ziele nicht durch die Hintertür verhindert werde, fordert der BWO.

Die Branche verweist auf das von der EU-Kommission entwickelte Konzept der Ko-Nutzung: Um Nutzungskonflikte zu entschärfen, soll der knappe Meeresraum möglichst von mehreren Akteuren gleichzeitig genutzt werden. „Diese Idee sollte weiterentwickelt werden und auch in Deutschland vermehrt zur Anwendung kommen“, fordert der BWO.

Es sei richtig, dass der Zubau von Windenergieanlagen auf See bestehende Nutzungsformen berücksichtigen und auch naturverträglich erfolgen müsse. „Richtig ist aber auch, dass wir eine Verschiebung oder Verknappung der Lebensräume vieler Arten langfristig nur dann verhindern können, wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllt werden“, argumentiert der BWO. Dazu kann die Windenergienutzung auf dem Meer nach Überzeugung der Branche einen wichtigen Beitrag leisten.

Unternehmen fordern Differenzverträge

Probleme bereitet der Branche außerdem das mit dem Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) im vergangenen Jahr verabschiedete Design der Ausschreibungen für neue Anlagen. Zwar konnte die Branche verhindern, dass bei mehreren Geboten zu null Cent derjenige Bieter den Zuschlag erhält, der in einer zweiten Gebotsrunde bereit ist, einen Aufschlag zu zahlen. Das WindSeeG sieht solche „Eintrittsgelder“ nun nicht vor. Doch der Branche reicht das nicht.

„Wir brauchen Differenzverträge“, sagt Thimm. Der BWO-Geschäftsführer verweist auf Dänemark, Großbritannien, Italien, Frankreich und Polen, wo Differenzverträge eingeführt wurden.

Das Konzept dahinter: Der Bieter legt mit seinem Auktionsgebot einen Preis fest, zu dem er den Strom aus seinem Offshore-Windpark bei einem Zuschlag verkaufen würde. Liegt der Marktpreis des Stroms unterhalb des bezuschlagten Preises, bekommt der Anlagenbetreiber die Differenz vom Staat ausgezahlt. Liegt der Marktpreis über dem bezuschlagten Preis, müssen die Gewinne an den Staat abgeführt werden. Den Investoren bringt das Sicherheit. Außerdem lassen sich günstigere Finanzierungskonditionen realisieren, was die Projektkosten insgesamt drückt.

Das deutsche System mache Investitionen hierzulande unattraktiv, das Geld fließe bevorzugt in Länder, in denen es Differenzverträge gebe, sagt die Branche voraus. Die nächste Bundesregierung sollte sich nach Überzeugung der Unternehmen der Sache annehmen.

2020 war ein schlechtes Jahr, 2021 wird noch schlechter

Nach Branchenangaben gingen im vergangenen Jahr lediglich 32 Offshore-Windenergie-Anlagen mit einer Leistung von 219 MW erstmalig ans Netz. Insgesamt speisen den Angaben zufolge in der deutschen Nord- und Ostsee 1.501 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 7,8 GW Strom ein. Im zweiten Halbjahr gingen demnach gar keine neuen Anlagen ans Netz. Der „Fadenriss“, vor dem die Branche immer wieder gewarnt hatte, ist damit Realität geworden.

Grund sind Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren, insbesondere eine nicht kontinuierliche Fortsetzung der Ausschreibungen für neue Windparks. Erst Mitte des Jahrzehnts geht es wieder kräftig voran.

„Während sich die langfristigen Rahmenbedingungen für die Offshore-Windindustrie im vergangenen Jahr mit dem ‚Green Deal‘ der EU und den neuen Langfristzielen der Bundesregierung bis 2040 verbessert haben, bleibt die kurzfristige Situation der Branche mit dem sehr schwachen Heimatmarkt herausfordernd“, kommentierten die Branchenorganisationen BWE, BWO, VDMA Power Systems, WAB und die Stiftung Offshore-Windenergie die am Donnerstag veröffentlichten Ausbauzahlen für das vergangene Jahr.

Auch 2021 bleibt die Lage für die Unternehmen auf dem deutschen Markt schwierig: Im laufenden Jahr wird in deutschen Gewässern keine einzige neue Offshore-Windkraftanlage installiert.

Die Branche appelliert an die Politik, den Markt wieder in Bewegung zu bringen. „Es ist sinnvoll, jetzt einen Investitionsschub auszulösen. Das sichert die deutsche Offshore-Wind-Wertschöpfungskette“, sagen die Branchenverbände.

Dafür sei es erforderlich, regulatorische Hemmnisse zu beseitigen und die „Ausbauspitze“ in den Jahren 2029 und 2030 nach vorne zu entzerren. Notwendig sei „ein kurzfristiger Impuls für den kosteneffizienten Zubau“. Mehr Zubau müsse vor dem Ende der Dekade stattfinden. „Jetzt Investitionen vorzuziehen hilft Konjunktur und Klimaschutz gleichermaßen“, sagen die Branchenverbände.

Mehr: Netzbetreiber aus Dänemark und Deutschland verknüpfen Windparks in der Ostsee.

Startseite
Mehr zu: Energiewende - Offshore-Windkraft: Der Platz im Meer wird knapp
2 Kommentare zu "Energiewende: Offshore-Windkraft: Der Platz im Meer wird knapp"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nicht allein das Flächenproblem bleibt. Solar und Windenergie sind grundsätzlich nicht GRUNDLASTFÄHIG. (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: Kommentare sind keine Werbeflächen. https://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Nicht allein das Flächenproblem bleibt. Solar und Windenergie sind grundsätzlich nicht GRUNDLASTFÄHIG. (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: Kommentare sind keine Werbeflächen. https://www.handelsblatt.com/netiquette

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%