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Engelbert Lütke Daldrup BER-Chef vor Flughafen-Eröffnung: „Da hilft nur seriöse Arbeit“

Engelbert Lütke Daldrup galt als Kofferträger des Bürgermeisters. Aber der Stadtplaner hat geschafft, woran andere hochbezahlte Manager gescheitert sind: Er hat den BER startklar gemacht.
26.10.2020 - 09:15 Uhr Kommentieren
„Es gibt keine Party. Wir machen einfach auf.“ Quelle: AFP
Engelbert Lütke Daldrup

„Es gibt keine Party. Wir machen einfach auf.“

(Foto: AFP)

Berlin Der Mann weiß, wo Zurückhaltung angebracht ist. „Es gibt keine Party. Wir machen einfach auf“, sagt Engelbert Lütke Daldrup. Dabei hat der Chef der Berliner Flughäfen geschafft, woran seine Vorgänger gescheitert sind. Er hat das Chaos auf der Baustelle des neuen Großflughafens BER entwirrt und den Airport startklar gemacht.

Am 31. Oktober, wenn Lütke Daldrup 64 Jahre wird, sollen die ersten Maschinen auf dem neuen Berliner Großflughafen landen – gut acht Jahre später als geplant. Alle notwendigen baubehördlichen Genehmigungen lägen vor, alle luftverkehrsrechtlichen Themen seien geklärt, erzählte er jüngst dem Handelsblatt: „Nach menschlichem Ermessen steht der Eröffnung nichts mehr im Wege.“

Dabei standen am Anfang jede Menge Vorurteile. Engelbert Lütke Daldrup: ein Stadtplaner, ein Verwaltungsmensch. Er galt als Kofferträger des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD), von diesem auf den Sessel gehievt.

Der Niederrheiner blickt auf eine lange Behördenlaufbahn zurück. Lütke Daldrup war von 1995 bis 2005 Baustadtrat in Leipzig, später Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Es folgten drei Jahre als Selbstständiger in einer Agentur für Stadtentwicklung in Berlin, bevor er in die Senatsverwaltung zurückkehrte und sich um Wohnungsbau und den Flughafen kümmerte, als Mann für die Detailarbeit.

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    Später saß er im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Als ELD, wie er mitunter genannt wird, im März 2017 den Job als Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) übernimmt, kennt er die Baustelle seit Jahren.

    Das Problem ist nur: Seit dem gescheiterten Eröffnungstermin 2012 wurden so viele Starttermine genannt und wieder verworfen, dass das Misstrauen groß ist. Lütke Daldrup habe „mindestens einen Anteil an den vermurksten Terminen“, heißt es noch zu Beginn im Aufsichtsrat.

    Schmerzhafter Lernprozess für den BER-Chef

    Einige von den gravierenden Problemen waren auch ihm verborgen geblieben, ihm, dem Perfektionisten. Er habe zunächst gedacht, „Ende 2018 bist du fertig“, erzählte er im Februar 2018 bei der Berliner Industrie- und Handelskammer – zwei Monate zuvor hatte er den Starttermin Oktober 2020 genannt. „Auch ich habe einen schmerzhaften Lernprozess hinter mir.“

    Die Haupthalle in Terminal 1 ist fertig – doch die Passagiere fehlen. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
    Flughafen BER

    Die Haupthalle in Terminal 1 ist fertig – doch die Passagiere fehlen.

    (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

    Er wisse, der neue Termin strapaziere die Geduld der Menschen in der Region, der Gesellschafter und auch die Geduld der Wirtschaft: „Wir werden den Stress aber gemeinsam aushalten müssen.“ Da helfe kein Weglaufen und kein Meckern, „da hilft nur seriöse Arbeit, dieses verfluchte Terminal endlich fertig zu bauen.“

    Es sei schwer, sich als Aufsichtsrat über die operativen Themen einen Gesamtüberblick zu verschaffen, sagte Lütke Daldrup jüngst dem Handelsblatt. Er habe sich nicht schlecht informiert, „allerdings ist all das, was damals im Aufsichtsrat diskutiert wurde, von ziemlichen optimistischen Einschätzungen geprägt gewesen.“

    Der Mann mit dem vollen rotbraunen Haarschopf gilt als zielstrebig und ehrgeizig, keine schlechten Eigenschaften, um den Flughafen endlich an den Start zu bringen. Aber er gilt auch als verschlossen und kühl. „Nicht so viel quatschen, sondern in die Hände spucken und das Ding fertig bauen“, sagte er einmal.

    Grafik

    Klar in der Sache, unaufgeregt im Ton. Anders als seine Vorgänger baut Lütke Daldrup die Probleme am Airport schrittweise ab – und scheitert auch nicht am Zusammenspiel mit den drei Gesellschaftern Berlin, Brandenburg und dem Bund, anders als seine Vorgänger Hartmut Mehdorn und Karsten Mühlenfeld. Staatssekretären sind politische Grabenkämpfe nicht fremd, sie erleben das regelmäßig. Lütke Daldrup weiß die unterschiedlichen Interessen zu bedienen.

    Präzise, kompetent, konsequent

    Und er nimmt sich die Unternehmen vor, handelt Verträge neu aus, sorgt für Sicherheitspuffer. Er strafft die Organisation. Eine Baustelle nach der anderen räumt er auf, die politische sowieso. Die Glaubwürdigkeit des Mannes, der früher im Aufsichtsrat oft kühl und eher arrogant daherkam, steigt.

    „Er beherrscht das politische Geschäft, und bei allem anderen hat er eine erstaunliche Lernfähigkeit an den Tag gelegt“, heißt es schon früh im Kontrollgremium. Lütke Daldrup gehe mit einer geradezu bestechenden Systematik an die Probleme heran und  arbeitete sie ab. „Lütke Daldrup ist durch und durch sachorientiert“, sagt Philipp Bouteiller, Geschäftsführer von Tegel Projects, der Lütke Daldrup lange kennt. „Er ist präzise, kompetent und konsequent.“

    Sparsam ist er auch. In Lütke Daldrups Büro stehen noch die Möbel seiner Vorgänger. Dass davon das Signal ausgeht, er habe Wichtigeres zu tun, als sich um die Ausstattung seines Arbeitsplatzes kümmern, ist ihm wahrscheinlich auch recht.

    Braunes Nussbaumfurnier ist das Material für die Wandvertäfelung, heller Sandkalkstein für den Boden. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
    Warme Farben

    Braunes Nussbaumfurnier ist das Material für die Wandvertäfelung, heller Sandkalkstein für den Boden.

    (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

    Erst ein gutes halbes Jahr nach Amtsantritt nennt er einen neuen Starttermin: Oktober 2020. Es sei ein „täglicher Kampf“, so ein Havarie-Projekt zu steuern, sagt er später und beklagt das regulatorische Umfeld, das den Umgang mit Großprojekten zunehmend schwieriger mache. Planungsverfahren seien hochkomplex. Deutschland, eine Optimierungsgesellschaft. In jedem Bereich nur das Beste.

    Privates hält er raus aus der Öffentlichkeit. Auf die Frage, ob er noch Zeit für Hobbys habe, antwortet er, der Job sei schon sehr fordernd. Und die 24 Stunden eines Tages seien auch irgendwann zu Ende.

    Dass er den Flughafen inmitten der Coronakrise eröffnen muss, stimmt ihn geradezu ungewöhnlich sentimental. „Mir blutet das Herz, dass ich so wenig Gäste habe zurzeit“, sagt er im September. „Nur 20.000, 30.000 pro Tag, wo ich normalerweise 100.000 die Möglichkeit geben könnte, in die Welt zu fliegen.“

    Mehr: Das waren die peinlichsten Pannen am BER

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