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Engelbert Lütke Daldrup Berlins Flughafenchef: „Es gibt keine Party. Wir machen einfach auf“

Berlins Flughafenchef Lütke Daldrup spricht über den geplanten Start des BER, finanzielle Schwierigkeiten in der Coronakrise und die künftige Rolle des neuen Airports.
22.09.2020 - 13:11 Uhr Kommentieren
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH hält den Airport-Standort Berlin für diskriminiert. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Engelbert Lütke Daldrup

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH hält den Airport-Standort Berlin für diskriminiert.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Berlin Berlins Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup fordert für den neuen Hauptstadtflughafen BER eine bessere Anbindung an das internationale Flugverkehrsnetz. „Die Bundesregierung muss weitere Flugrechte für Berlin aushandeln“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg GmbH (FBB) dem Handelsblatt. „Dazu zählt für uns eindeutig der asiatische Markt.“

Es sei doch „kurios“, dass Touristen und Geschäftsleute aus China, die nach Berlin wollen, zunächst nach Prag fliegen müssten, um dort nach Berlin umzusteigen. Die Start- und Landerechte werden von der EU und vom Bundesverkehrsministerium vergeben. Über die Aufnahme konkreter Verbindungen entscheiden aber allein die Fluggesellschaften anhand der Marktlage.

Seine Offensive in Richtung der Politik begründete Lütke Daldrup mit der anstehenden Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER am 31. Oktober. Den Berliner Standort sieht er durch das Fehlen mancher Flugrechte „diskriminiert“, wie er sagte. „Jetzt erwartet ganz Ostdeutschland von der Bundesregierung, nicht nur an den nationalen Carrier Lufthansa und seine Interessen zu denken. Wenn Deutschland neun Milliarden in einen Konzern investiert, um die Luftfahrtindustrie in Deutschland und Europa zu erhalten, dann dürfen davon nicht nur die Standorte Frankfurt und München profitieren.“

Sorge bereiten Lütke Daldrup die Corona-Folgen. Zwar habe die Krise die Flughafengesellschaft glücklicherweise zu einem Zeitpunkt ereilt, wo man mit dem BER baulich so gut wie fertig gewesen sei, sagte er. „Aus ökonomischer Sicht ist die Situation aber dramatisch. Wir erleben die größte Luftverkehrskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.“

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    Laut Lütke Daldrup hat die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg, die den Flughafen Schönefeld und über ihre Tochtergesellschaft BFG den Flughafen Tegel betreibt, infolge der Coronakrise im April und im Mai jeden Tag eine Million Euro verloren. Um die Liquidität aufrechtzuerhalten sei weiter staatliche Hilfe notwendig. „Wir werden weitere Hilfe unserer Eigentümer benötigen“, sagte Lütke Daldrup mit Blick auf die drei Eigner der Airport-Gesellschaft, die Länder Berlin und Brandenburg sowie den Bund.

    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Die Handelsblatt-Redakteure Silke Kersting (li.) und Dietmar Neuerer (re.) mit Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (Mitte). Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
    Interview

    Die Handelsblatt-Redakteure Silke Kersting (li.) und Dietmar Neuerer (re.) mit Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (Mitte).

    (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

    Handelsblatt: Herr Lütke Daldrup, was kann den Start des BER noch verhindern?
    Lütke Daldrup: Nach menschlichem Ermessen steht der Eröffnung nichts mehr im Wege. Das Gebäude ist fertig und abgenommen. Es liegen alle baubehördlichen Genehmigungen vor. Auch alle luftverkehrsrechtlichen Themen sind geklärt. Wir haben seit gut viereinhalb Monaten einen sehr gut laufenden Probebetrieb. Wir sind startklar!

    Nun starten Sie in der Coronakrise.
    Die Krise hat uns glücklicherweise zu einem Zeitpunkt ereilt, wo wir baulich so gut wie fertig waren. So gesehen war Corona ein kleines Problem. Aus ökonomischer Sicht ist die Situation aber dramatisch. Wir erleben die größte Luftverkehrskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir haben im April und im Mai jeden Tag eine Million Euro verloren. Wir mussten unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Es gibt einen Einstellungs- und Investitionsstopp. Der Fixkostenanteil bei einem Flughafen ist enorm hoch. Die Offenhaltung der Infrastruktur bei geringem Verkehrsaufkommen ist leider sehr teuer.

    Die Liquidität des Flughafens war immer ein Thema. Brauchen Sie weitere Staatshilfe?
    Wir werden weitere Hilfe unserer Eigentümer benötigen, ja. Niemand kann heute aber sagen, wann die Reiselust wieder losgehen wird. Selbst mit Impfstoff ist es nicht sicher, dass dann die Freude an unbeschwertem Reisen wieder da ist. Wenn es ab Frühjahr gut läuft, werden wir sehr schnell an alte Zeiten anknüpfen können. Ansonsten wird auch das nächste Jahr für uns ziemlich schwierig. Bis wir das Vor-Corona-Niveau erreicht haben, werden drei bis vier Jahre vergehen, vielleicht auch fünf.

    Die Haupthalle in Terminal 1 ist fertig – doch die Passagiere fehlen. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
    Flughafen BER

    Die Haupthalle in Terminal 1 ist fertig – doch die Passagiere fehlen.

    (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

    Wann gibt es die ersten Gewinne?
    Die Businessplanung vor Corona sah ein positives Ergebnis ab 2025 vor.

    Und jetzt?
    Das ist eine Tausend-Dollar-Frage, die keiner beantworten kann – auch nicht die Fluggesellschaften. Ich kann auch nicht beantworten, welche Airline im nächsten Jahr noch existiert.

    Aber Sie müssen doch eine gewisse Vorstellung haben, was auf den BER zukommt?
    Wir müssen alle, so bitter das ist, zurzeit auf Sicht fahren. Aber die weitere Entwicklung wird stark davon abhängen, wann wirksame Impfstoffe verfügbar sind und in welchen Ländern. So lange haben wir alle in der Luftverkehrsbranche ein gravierendes Problem.

    Welche Rolle wird der Flughafen künftig spielen?
    Wir haben den Anspruch, dass wir im Langstreckenbereich, wo wir als Hauptstadt mit sieben Langstrecken bisher sehr schwach vertreten waren, deutlich zulegen. Das wird begünstigt werden durch Luftverkehrsgesellschaften, die außerhalb der Lufthansa und ihrer Joint Ventures den Berliner Markt bedienen werden, weil wir mit dem BER eine moderne Infrastruktur haben. Mit den beengten Verhältnissen am Flughafen Tegel war das bisher schwierig. Der BER bietet viermal so viel Fläche wie Tegel. Allein daran sieht man, welche Möglichkeiten wir haben.

    Braunes Nussbaumfurnier ist das Material für die Wandvertäfelung, heller Sandkalkstein für den Boden. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
    Warme Farben

    Braunes Nussbaumfurnier ist das Material für die Wandvertäfelung, heller Sandkalkstein für den Boden.

    (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

    Was muss jetzt noch passieren?
    Jetzt erwartet ganz Ostdeutschland von der Bundesregierung, nicht nur an den nationalen Carrier Lufthansa und seine Interessen zu denken. Wenn Deutschland neun Milliarden in einen Konzern investiert, um die Luftfahrtindustrie in Deutschland und Europa zu erhalten, dann dürfen davon nicht nur die Standorte Frankfurt und München profitieren.

    Was erwarten Sie konkret?
    Die Bundesregierung muss weitere Flugrechte für Berlin aushandeln. Dazu zählt für uns eindeutig der asiatische Markt. Es ist doch kurios, dass Touristen und Geschäftsleute aus China, die nach Berlin wollen, zunächst nach Prag fliegen müssen, um dort nach Berlin umzusteigen.

    Werden Sie die Eröffnung feiern?
    Es gibt keine Party, wir machen einfach auf.

    Herr Lütke Daldrup, vielen Dank für das Gespräch.

    Mehr: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Hauptstadtflughafen BER und seiner verspäteten Eröffnung

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