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Entschädigungen Verkehrsminister will die Rechte von Reisenden bei Verspätungen stärken

Bei Verspätungen haben Reisende oft das Nachsehen, wenn es um Entschädigungen geht. Scheuer verspricht Abhilfe. Verbraucherschützer fordern rasche Verbesserungen.
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Der Verkehrsminister möchte mit seinem Vorstoß die Rechte von Reisenden stärken. Quelle: dpa
Andreas Scheuer

Der Verkehrsminister möchte mit seinem Vorstoß die Rechte von Reisenden stärken.

(Foto: dpa)

BerlinNicht nur Fluggesellschaften, sondern auch die Bahn verkaufen immer mehr Tickets online - wenn es aber zu deutlichen Verspätungen kommt und Reisende einen Antrag auf Entschädigungen stellen wollen, wird es umständlich. Das soll sich nun ändern.

„Wir werden die Fahrgastrechte stärken müssen – bei der Bahn, aber auch im Luftverkehr. Das wäre ein Anreiz für mehr Pünktlichkeit“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Er sei für eine automatische Entschädigung bei Verspätungen. „Darüber sind wir gerade mit dem Justizministerium im Gespräch.“ Scheuer sagte weiter: „Wir wollen, dass die Reisenden zufrieden sind. Und wenn mal etwas schiefgeht, weil ein Zug ausfällt oder es Verspätungen gibt, muss unbürokratisch entschädigt werden.“

Bisher müssen Bahnkunden für eine Entschädigung ein Formular ausfüllen, es in einem Reisezentrum abgeben oder per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte in Frankfurt schicken. Bei der Entschädigung gilt: Kommt der Reisende mindestens eine Stunde zu spät, erhält er auf Antrag ein Viertel des Fahrpreises zurück. Ab zwei Stunden ist es die Hälfte.

Für Flugreisende gilt: Kommt es zu Verspätungen und Flugausfällen, stehen betroffenen Passagieren gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung bis zu 600 Euro zu. Reisende können versuchen, ihre Ansprüche auf eigene Faust geltend zu machen. Oder sie wenden sich an ein Fluggastrechteportal wie Flightright oder EUclaim.

Das ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. Bei erfolgreichem Eintreiben der Entschädigung erhalten die Rechtsdienstleister eine Provision, bei Flightright sind das bis zu 30 Prozent der Entschädigungssumme. Verbraucherschützer fordern deshalb schon lange, dass Geschädigte einfacher zu ihrem Recht kommen.

Umständliche Anträge per Post, Intransparenz bei den Regeln und oft lange Wartezeiten, bis Geld gezahlt werde, sei schon lange inakzeptabel, sagte Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller dem Handelsblatt. „Gerade bei steigenden Unregelmäßigkeiten bei Flug und Bahn ist das ein zusätzliches Ärgernis.“

Scheuers Vorstoß für automatische Entschädigungen bei Verspätungen kommt denn bei Müller auch gut an. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) will nun aber auch rasch Taten sehen. „Eine gesetzliche Regelung zu einem verbraucherfreundlichen digitalen Verfahren muss zügig kommen, am besten deutlich vor dem nächsten Weihnachtsurlaub“, sagte Müller. „Eine Vereinfachung bei Flug- und Bahnentschädigungen ist im digitalen Zeitalter überfällig und wäre für Verbraucher ein echter Fortschritt.“

Müller begrüßte vor diesem Hintergrund die Absicht von Verkehrsminister Scheuer, Reisenden „einfache, digitale automatisierte Abwicklungen von Entschädigungsansprüchen“ zu ermöglichen. „Warum soll ich jedes Ticket per App buchen können, aber bei Verspätungen dann Briefe versenden müssen?“, so Müller. „Es wird höchste Zeit, dass wir im digitalen Servicezeitalter für die Kunden ankommen.“

Die Bahn und auch die Luftverkehrsbranche zeigten sich bereits offen für Veränderungen. „Wir sind uns mit dem Bundesverkehrsminister einig, dass die Information der Kunden und die Abwicklung von Reklamationen vereinfacht werden soll und möglichst unbürokratisch möglich ist“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow, dem Handelsblatt. „In diesem Sinne haben wir auf dem Verspätungsgipfel zugesagt, dafür technische Mittel, wie SMS, Mails und spezielle Apps zu nutzen.“

Angesichts zunehmender Verspätungen und Ausfälle von Flügen hatten Verbraucherministerin Katarina Barley (SPD) und ihr Kabinettskollege Scheuer Anfang Dezember Airlines, Flughäfen und Verbraucherschützer an einen Tisch geholt, um Lösungen auszuloten.

Auch der Bundesrat hatte sich für automatische Entschädigungen bei Verspätungen stark gemacht. Es sei nicht einzusehen, dass Flüge und Züge per App gebucht werden könnten, die Entschädigung dann aber schriftlich auf komplizierten Formularen beantragt werden müsse.

Auch die Bahn will ihren Kunden ermöglichen, künftig bei Verspätungen einfacher und auf digitalem Weg Entschädigungen zu beantragen. „Es ist verständlich, dass das derzeitig praktizierte Entschädigungsverfahren von unseren Kunden als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird und diese sich einfache Lösungen wünschen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn der Nachrichtenagentur dpa. Die Bahn wolle den Entschädigungsprozess vereinfachen und arbeite an notwendigen technischen Voraussetzungen für eine digitale Prozessvariante.

Der bundeseigene Konzern stehe im Kontakt sowohl mit dem Verbraucherschutz- als auch dem Verkehrsministerium. „Die Digitalisierung des Fahrgastrechteprozesses ist allerdings sowohl fachlich wie technisch komplex und erfordert daher noch etwas Zeit.“

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