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Equal Pay Day Frauen verdienen im gesamten Berufsleben weniger als die Hälfte der Männer

Lohnunterschiede werden häufig mit Führungspositionen und verschiedenen Branchen begründet. Doch das führe zu kurz, sagt die Bertelsmann-Stiftung.
17.03.2020 - 00:01 Uhr Kommentieren
Frauenministerin Giffey pocht darauf, die Frauenquote für Aufsichtsräte deutlich auszuweiten. Quelle: mauritius images / Caia Image
Frauen in Führungspositionen

Frauenministerin Giffey pocht darauf, die Frauenquote für Aufsichtsräte deutlich auszuweiten.

(Foto: mauritius images / Caia Image)

Berlin Zum Equal Pay Day wird auf das herrschende Lohngefälle zwischen Männern und Frauen aufmerksam gemacht, so auch in diesem Jahr. Bis zu diesem Dienstag hätten Frauen im Schnitt umsonst gearbeitet, wenn man davon ausginge, dass Frauen und Männer in Deutschland den gleichen Stundenlohn bekämen. Männer wären hingegen schon seit dem 1. Januar bezahlt worden. „Die Zeit der ungleichen Bezahlung muss ein Ende haben“, forderte Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD). Noch gebe es zwischen Männern und Frauen 20 Prozent Lohnunterschied und 53 Prozent Unterschied bei der Rente. Der Kampf um Gleichberechtigung müsse weitergehen.

Nun wird seit Längerem von Experten vorgerechnet, dass der „Gender Pay Gap“, also die Lücke in den Bruttostundenlöhnen zwischen Frauen und Männern, dadurch zustande kommt, dass Frauen häufig in anderen Branchen und Berufen arbeiten als Männer, seltener Führungspositionen einnehmen und öfter in Teilzeitbeschäftigungen oder Minijobs tätig sind. Das erklärt rund zwei Drittel der Lohnlücke. „Nur“ sechs Prozent lassen sich nicht erklären.
Das ganze Ausmaß der Ungleichheit bildet der „Gender Pay Gap“ aber ohnehin nur unzureichend ab. Das legt zumindest eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung nahe. Auf das gesamte Erwerbsleben gerechnet, verdienen Frauen demnach weniger als die Hälfte der Erwerbseinkommen der Männer – und dass, obwohl sie den Männern hinsichtlich ihres Bildungsniveaus in nichts nachstehen. Deutschland nutze nicht sein volles Arbeitskräftepotenzial, was auf eine „gesamtwirtschaftliche Ineffizienz“ hinweise, so das Fazit.

Konkret rechnet Ökonom Timm Bönke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Freien Universität Berlin im Auftrag der Stiftung vor: Das durchschnittliche Lebenserwerbseinkommen der 1985 geborenen westdeutschen kinderlosen Frauen liegt rund 13 Prozent unter dem der westdeutschen Männer, also bei rund 1,3 Millionen Euro. In Ostdeutschland haben sich hingegen bei kinderlosen Frauen die Lebenserwerbseinkommen‧ der jüngeren Kohorten ab 1975 an die durchschnittlichen Lebenserwerbseinkommen der Männer weitgehend angeglichen.

Mütter haben indes das Nachsehen: Kinder bedeuten deutliche Gehaltseinbußen. Mütter, die heute Mitte 30 sind, können mit einem Lebenserwerbseinkommen von rund 580.000 Euro (Westdeutschland) beziehungsweise 570.000 Euro (Ostdeutschland) rechnen. Damit verdienen sie voraussichtlich rund 62 beziehungsweise 48 Prozent weniger als Männer. Die Lücke scheint robust, denn es gibt keine nennenswerten Unterschiede zwischen Müttern älterer und jüngerer Jahrgänge. Auf das Einkommen der Väter wirken sich Kinder indes so gut wie nicht aus.

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    Was dagegen tun?

    Frauen trügen noch immer die Hauptlast bei der Kinderbetreuung und auch bei der Pflege von Angehörigen, so das Resümee der Studie. Sie arbeiteten häufiger in Teilzeit und nähmen mehr Auszeiten am Arbeitsmarkt als Männer.

    Doch was dagegen tun? Mit Blick auf eine Vollzeitbeschäftigung oder vollzeitnahe Tätigkeit von Frauen empfiehlt DIW-Forscher Bönke einen kompromisslosen Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und rät vorsichtig, einen Wechsel vom Ehegattensplitting und der beitragsfreien Familienversicherung hin zu einer Individualbesteuerung zu prüfen. Zudem plädiert er für eine gleichere Aufteilung der Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern, was eines „kulturellen Wandels“ bedürfe.

    Frauenministerin Giffey pochte zum Equal Pay Day darauf, mit ihrem geplanten Gesetz für mehr Frauen in Führungspositionen die Frauenquote für Aufsichtsräte deutlich auszuweiten und eine Mindestzahl von einer Frau bei den Vorständen ab vier Personen durchsetzen zu wollen.

    In einem gemeinsamen Positionspapier, das dem Handelsblatt vorliegt, beklagten die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und die Vereinigung der Führungskräfteverbände (ULA), dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen in den zurückliegenden Jahren zwar gestiegen, doch „ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen auf der Führungsebene längst noch nicht erreicht“ sei.

    Die von der Politik diskutierten Geschlechterquoten halten die Verbände aber für den falschen Weg. „Qualifikation und Leistung sollten die bestimmenden Faktoren für Führungspositionen bleiben“, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer dem Handelsblatt. Gleiche Arbeit müsse bei gleicher Erfahrung beim gleichen Arbeitgeber auch gleich bezahlt werden, unabhängig vom Geschlecht. Dies sei in Tarifverträgen gewährleistet.

    Chancengleichheit auf dem gesamten Karriereweg müsse zudem Teil der Unternehmenskultur werden, etwa durch flexible Arbeitszeitgestaltung, reduzierte Vollzeit, Jobsharing, Kontaktpflege und Weiterbildung auch während der Elternzeit oder Zuschüsse für die Kinderbetreuung.

    Mehr: Frauen wird nicht zu wenig gezahlt – sondern Männern zu viel, meint Tillmann Prüfer.

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