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Erderwärmung Der Paris-Effekt: Wie der Klimavertrag die Weltwirtschaft umgestaltet

Der am Mittag beginnende EU-Gipfel soll auch eine Entscheidung über ein neues Klimaziel bringen. Ein Bericht zeigt, dass der Umbau der Wirtschaften bereits in Gang ist.
10.12.2020 - 08:47 Uhr 1 Kommentar
Viele Unternehmen nehmen Klimaneutralität in den Blick. Quelle: dpa
Emissionen eines Braunkohlekraftwerks

Viele Unternehmen nehmen Klimaneutralität in den Blick.

(Foto: dpa)

Berlin Nach Berechnungen der Vereinten Nationen steuert die Welt derzeit auf eine Erwärmung von drei Grad Celsius zu – und würde so die Ziele des Pariser Klimaabkommens verfehlen. Das sieht vor, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Dazu bräuchte es Treibhausgasneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts.

Ein heute veröffentlichter Bericht des britischen Thinktanks Systemiq zeigt nun, dass der Umbau der Weltwirtschaft bereits so weit angeschoben ist, dass umweltfreundliche Technologien zunehmend wettbewerbsfähig werden und bis 2030, so die Prognose, 70 Prozent der klimaschädlichen Emissionen weltweit abdecken könnten. Heute sind es 25 Prozent.

Gründe für diese Entwicklung sind unter anderem die rapide sinkenden Kosten von Solar- und Windenergie, wodurch Investitionen in fossile Energien unattraktiver werden. Mehr als 1500 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 12,5 Billionen Doller, so Systemiq, verfolgen inzwischen das sogenannte Netto-Null-Ziel, ebenso eine steigende Zahl von Staaten weltweit. Das treibt den Umbau der Volkswirtschaften voran. Auch die EU hatte angekündigt, bis 2050 klimaneutral wirtschaften zu wollen.

Netto-Null heißt nicht, dass keine Emissionen mehr anfallen. Netto-​Null bedeutet, dass alle  verursachten Treibhausgas-​Emissionen durch Reduktionsmaßnahmen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden, entweder durch natürliche Kohlenstoffsenken wie Wälder oder durch den Einsatz von Technik.

Systemiq rechnet mit bis zu 35 Millionen möglichen neuen Arbeitsplätzen bis 2030. Der frühere Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, warnt davor, den Wandel verzögert anzugehen. Das hätte kostspielige Folgen, kommentiert Stern den neuen Bericht. Der 74-jährige Brite lehrt heute an der London School of Economics und ist seit Langem ein Verfechter einer entschlossenen Klimapolitik. Um bei künftigem Wachstum und Wohlstand dabei sein zu können, müsse jetzt verstärkt in kohlenstoffarme Lösungen investiert werden, so Stern.

Selbst in emissionsstarken oder bislang nur schwer dekarbonisierbaren Branchen gibt es Fortschritte. So gibt es laut Systemiq allein im Schifffahrtssektor 66 Netto-Null-Emissions-Pilotprojekte. Die Reederei Maersk beispielsweise ist ebenso wie die Mercedes-Benz AG und weitere sieben global agierende Großunternehmen Teil der Initiative „Transform to Net Zero“, um den Weg in eine klimaneutrale Zukunft zu beschleunigen.

Gelingt es Deutschland, die EU auf ein neues Klimaziel zu verpflichten?

An diesem Donnerstag wollen sich die Staats- und Regierungschefs der EU auf ein neues Klimaziel 2030 einigen. Im Gespräch ist eine Verschärfung von heute 40 auf 55 Prozent. Das würde bedeuten, dass die EU ihre klimaschädlichen Emissionen bis Ende 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren müsste. Ob und vor allem wie das gelingt, ist unklar. 

„Der Europäische Rat entscheidet stets einstimmig, weshalb es darauf ankommt, wie man Polen, Ungarn und Tschechien an Bord bekommt“, sagt Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Diese Länder hätten im Vorfeld nicht darauf gedrängt, die angedachte Zielhöhe abzusenken, sondern eher darauf, günstige Sonderregeln im europäischen Emissionshandel und bei der Lastenverteilung zu erreichen.

Streit gibt es aber auch um das eigentliche Ziel: Einige Mitgliedstaaten, vor allem die nordischen Länder, drängen auf mehr als 55 Prozent, das Europäische Parlament auf 60 Prozent Minderung. Investoren hatten sich wiederholt für ein Klimaziel von mindestens 55 Prozent ausgesprochen, die Stiftung 2 Grad und mit ihr eine Reihe von Unternehmen ebenfalls. Die Bundesregierung unterstützt die Anhebung auf 55 Prozent, äußert sich mit Verweis auf ihre Ratspräsidentschaft aber zurückhaltend. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuletzt zu verstehen gegeben, dass mehr als 55 Prozent nicht machbar seien.

Umweltverbände fordern 65 Prozent. Die Höhe ist allerdings gar nicht unbedingt entscheidend, sondern vielmehr, ob das Klimaziel als reines Emissionsminderungsziel und nicht als Nettoziel formuliert wird.

„Netto“ würde bedeuten, dass auch die Emissionseinsparungen über Kohlenstoffsenken aus der Aufforstung von Wäldern mit angerechnet werden dürfen, wodurch der Ausstoß klimaschädlicher Emissionen faktisch weniger als die vereinbarten Prozent reduziert werden müsste. Bisher wurden natürliche Senken nicht in das EU-Klimaziel eingerechnet.

„Die neue Option wurde von der Kommission vorgeschlagen und wird von den allermeisten Mitgliedstaaten gestützt“, so Geden. Auf Basis der heutigen Senkenleistung der Wälder falle das Ambitionsniveau dadurch rund zwei Prozentpunkte niedriger aus.

Umweltverbände kritisieren „Rechentricks“

Umweltverbände wie der WWF oder Greenpeace, aber auch Experten in Thinktanks wie E3G missbilligen das: Die Anrechnung von natürlichen CO2-Speichern wie Moore und Wälder widerspreche der Dringlichkeit der Klimakrise, sagte Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland. „Es darf keine Rechentricks bei dem EU-Klimaziel geben. Wir brauchen ein echtes Emissionsminderungsziel.“

Die Umwandlung in ein Netto-Minderungsziel würde die tatsächlichen Emissionen nur um 51 bis 53 Prozent sinken lassen, so der WWF. Außerdem seien diese Senken nicht dauerhaft und die Berechnungsgrundlage sehr komplex. „Wenn ein Moor vertrocknet oder ein Wald verbrennt, verlieren wir schnell diesen CO2-Speicher.“

Die Kanzlerin müsse sich für eine ehrgeizige CO2-Reduktion einsetzen, die in Branchen wie Verkehr und Energie in eine rasche Transformation weg von Öl, Kohle und Gas anschiebt, forderte Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser. Merkel müsse unbedingt verhindern, dass die fossile Industrie einen Gratiszuschlag bekomme, indem Wälder bei einem Netto-Ziel angerechnet würden.

Was das EU-Ziel konkret für Deutschland heißt, muss allerdings ohnehin separat verhandelt werden. Berater der Boston Consulting Group forderten unlängst eine Emissionsminderung von 65 Prozent für Deutschland, das sei ein angemessener Anteil, hieß es.

Für Brick Medak, Chef des Berliner E3G-Büros, hat die Bundesregierung sowohl beim EU-Gipfel als auch beim anstehenden Klimagipfel der Vereinten Nationen am Samstag eine Schlüsselrolle. Sie müsse sicherstellen, „dass die EU diese Woche ein Klimaziel von mindestens 55 Prozent ohne Buchungstricks verabschiedet“, sagte Medak.

Der Europäische Rat in dieser Woche ist die letzte Gelegenheit für die EU, ein neues Klimaziel zu beschließen, bevor Ende des Jahres offiziell die Frist endet, bis zu der alle Unterzeichner des Pariser Klimaabkommens ihre derzeitigen Klimaziele nachbessern müssen.

2015 war vereinbart worden, dass alle nationalen Klimapläne alle fünf Jahre nachgebessert werden müssen, um der Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad näherzukommen. Es wird gehofft, dass am Samstag eine Reihe von Staaten neue Pläne vorstellen werden. Der britische konservative Premierminister Boris Johnson hatte bereits vergangene Woche eine Reduzierung der Emissionen im Vergleich zu 1990 um mindestens 68 Prozent angekündigt. Durch den Austritt der Briten aus der EU verfolgt das Land jetzt eigene Ziele.

Mehr: Bei Klimaexperten wie UN-Diplomat Achim Steiner kommt Hoffnung auf, dass sich die Erderwärmung begrenzen lässt.

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  • Mit der Innovationen Neutrino Technologie kommt eine emissionsfreie grüne Energienutzung für das Erreichen unserer Klimaziele wie vom Universum bestellt dazu. Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlichte dazu aktuell: "Das ewige Licht - Der Beginn eines neuen Zeitalters" Weltbuch Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-906212-56-2. Die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung mit Strom zu speisen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln. Produktionsstätten, Vermarktung und Wartung der Geräte werden viele neue Arbeitsplätze schaffen.

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