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Erderwärmung Die Digitalisierung droht den Klimawandel zu beschleunigen

Übernutzte Ressourcen, Erderwärmung und wachsende Ungleichheit in vielen Ländern: Die Digitalisierung muss in vielen Aspekten nachhaltiger werden.
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Erderwärmung: Digitalisierung könnte Klimawandel beschleunigen Quelle: dpa
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Die Digitalisierung verfügt über ein großes Spektrum, die ökologische Transformation der Wirtschaft zu unterstützen.

(Foto: dpa)

BerlinDie Bundesregierung will die Chancen der Digitalisierung nutzen – das hat sie in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt. Nach einem guten Jahr Regierungszeit der Großen Koalition lässt sich sagen: zumindest bei der Bekämpfung der Erderwärmung bleiben die Chancen der Digitalisierung bislang ungenutzt.

Es müsse „nüchtern festgestellt werden, dass die Digitalisierung von Wirtschaft und Alltag sich bislang nur marginal an Nachhaltigkeitsaspekten orientiert“, heißt es in dem Gutachten „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“.

Dieses hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) diesen Donnerstag an Umweltministerin Svenja Schulze und Anja Karliczek, der Ministerin für Bildung und Forschung, übergeben.

Der WBGU rät zum Umsteuern: „Ohne aktive politische Gestaltung wird der digitale Wandel den Ressourcen- und Energieverbrauch sowie die Schädigung von Umwelt und Klima weiter beschleunigen.“ Es müsse gelingen, die digitalen Umbrüche in Richtung Nachhaltigkeit auszurichten. „Digitalisierung droht ansonsten als Brandbeschleuniger von Wachstumsmustern zu wirken, die die planetarischen Leitplanken durchbrechen.“

Es sei darum eine „vordringliche politische Aufgabe“, Bedingungen dafür zu schaffen, die Digitalisierung „in den Dienst nachhaltiger Entwicklung zu stellen“, heißt es in dem Gutachten. Nach Beobachtungen der Wissenschaftler werden digitale Ressourcen bislang überwiegend für konventionelles Wachstum auf etablierten Märkten im internationalen Wettbewerb eingesetzt.

Sinn und Zweck des digitalen Fortschritts sei nicht die Nachhaltigkeit – sondern „Aspekte wie Unterhaltung, Bequemlichkeit, Sicherheit“. Auch finanzielle Gewinne würden den digitalen Fortschritt dominieren. Digitalisierungsprozesse würden somit eher bestehende Trends fördern, auch wenn diese nicht nachhaltig seien.

Damit würden natürliche Ressourcen übernutzt werden, was zu wachsender Ungleichheit in vielen Ländern führen würde. Der WGBU betont, dass es ein Umdenken geben müsse: Schließlich offeriere die Digitalisierung ein ungeheures Spektrum an Möglichkeiten, die ökologische Transformation der Wirtschaft zu unterstützen.

Der Digitalverband Bitkom hatte schon Ende 2017 die Erwartung geäußert, dass digitale Technologien einen wichtigen Beitrag dazu leisten könnten, die deutschen Klimaziele zu erreichen. Die Bundesregierung müsse die enormen Chancen der Digitalisierung für den Klima- und Umweltschutz ganz konsequent nutzen, etwa durch intelligente Verkehrsleitsysteme.

Bislang aber sorgt der Digitalsektor für teilweise erheblich steigenden Energiebedarf und damit verbundene klimaschädliche CO2-Emissionen. Eine Studie des französischen Think Tanks „The Shift Project“ sieht als wichtigen Treiber für den steigenden digitalen Energiebedarf die Explosion von Video-Anwendungen und die zunehmende Neigung zum Kauf von Geräten mit kurzer Lebensdauer.

Den Großteil ihrer Emissionen würden Smartphones nicht bei der Nutzung verursachen, sondern bei der Produktion – und je früher die Geräte ausgetauscht werden, desto schlechter sei das für das Klima. Umweltministerin Schulze erklärte, Digitalisierung sei bis heute „viel zu technologisch diskutiert worden“ und bewertete das Gutachten als „echte Wegmarke“ für die Arbeit der Bundesregierung.

Digitalisierung sei kein Selbstzweck, sondern sollte als Motor für mehr Nachhaltigkeit dienen, sagte die SPD-Politikerin, äußerte sich aber überzeugt, dass Digitalisierung ein „riesiges Potential für den Umweltschutz“ berge. Um dieses auszuschöpfen, brauche Digitalisierung die richtigen Leitplanken: für den Zugang und den Schutz von Daten, für den Umgang mit und die Entsorgung von Rohstoffen, für das Schließen von Stoffkreisläufen.

Schulze kündigte an, das Themas Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2020 machen zu wollen.

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