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Erneuerbare Energien Förderung von Windenergie: Netzbetreiber kritisieren aktuelles Ausbaugebiet

Die Netzagentur begrenzt den Ausbau von Windkraftwerken, um Stromnetze zu schonen. Sie tut das aber an den falschen Orten, sagen die Netzbetreiber.
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Der Ausbau von Windkraftwerken werde an den falschen Stellen begrenzt, bemängeln die Netzbetreiber. Quelle: Oliver Hoffmann / Alamy
Ausbau der erneuerbaren Energien

Der Ausbau von Windkraftwerken werde an den falschen Stellen begrenzt, bemängeln die Netzbetreiber.

(Foto: Oliver Hoffmann / Alamy)

Berlin Mit der Energiewende scheint es die Bundesregierung nicht so eilig zu haben, wie sie angibt. In weiten Teilen Norddeutschlands werden seit zwei Jahren die Ausschreibungen für neue Windkraftwerke gesetzlich begrenzt. Die Bundesnetzagentur will so die Schwankungen im Strom-Übertragungsnetz einschränken. Denn wenn die Windräder mehr Strom ins Netz einspeisen, als das Netz aushalten kann, müssen sie abgeregelt werden.

Ausgerechnet die Übertragungsnetzbetreiber äußern jetzt Unmut und fordern Anpassungen beim sogenannten „Netzausbaugebiet“, in dem die Förderung von Windkraftwerken gedeckelt ist. „Der Teil der Netzausbauregion, der in unserem Arbeitsgebiet liegt, spielt keine wesentliche Rolle, wenn wir die aktuellen Netzengpässe betrachten“, sagt Carsten Lehmköster, Leiter Offshore bei Amprion, wo er bis vor Kurzem für Regulierungsfragen zuständig war.

„Schon die Definition der Region im Jahr 2017 passte nicht zum Bild der abgeregelten Anlagen“, bestätigt Kerstin Maria Rippel, Leiterin Politik bei 50Hertz. Die Gegenden, in denen Erneuerbare-Energie-Anlagen wegen drohender Überlastung des Stromnetzes besonders häufig abgeregelt werden müssen, liegen teilweise in demjenigen Gebiet, in dem der Ausbau begrenzt ist – teilweise aber auch außerhalb davon.

In Niedersachsen wurde 2017 mehr Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen abgeregelt als in Mecklenburg-Vorpommern. Niedersachsen ist aber nur zur Hälfte von den Begrenzungen betroffen, Mecklenburg-Vorpommern komplett. Der Netzbetreiber 50Hertz, der für Mecklenburg-Vorpommern zuständig ist, hält die Begrenzung der Windenergie dort nicht für unbedingt notwendig.

Von Tennet, in Norddeutschland zuständig für das schleswig-holsteinische und niedersächsische Netz, heißt es offiziell nur: „Es ist Aufgabe der Politik, über eine etwaige Zuschnittsänderung des Ausbaugebiets nachzudenken.“

Aus Unternehmenskreisen heißt es jedoch: „Es würde schon Sinn machen, wenn die Bundesnetzagentur in ihren Überlegungen den südlichen Teil Niedersachsens aufnimmt“. Der vierte Netzbetreiber, TransnetBW, regelt keine Netze im Ausbaugebiet.

Gesetzlich festgelegt ist, dass die Bundesnetzagentur am 31. Juli dieses Jahres ihre Entscheidung über das Netzausbaugebiet evaluiert und Anpassungen vornehmen kann. Ein Blick auf die Prognose der Netzbetreiber für die Überlastungen im Jahr 2023 zeigt, dass wohl Änderungsbedarf besteht.

Netz muss Schritt halten können

In Niedersachsen müssen demnach noch deutlich mehr Erneuerbare-Energie-Anlagen abgeregelt werden, Netzengpässe in Mecklenburg-Vorpommern blieben auf einem ähnlichen Niveau.

„Beim Revisionstermin sollte da genauer drauf geachtet werden und außerdem mehr Aspekte in die Bewertung mit einbezogen werden“, fordert Rippel von 50Hertz. Statt Verboten könne man auch mehr auf intelligente Lösungen beim Einspeisemanagement setzen. Es sei geboten, „den Zuschnitt wieder zu betrachten“, heißt es auch von Amprion.

Die Bundesnetzagentur hatte im Februar 2017 zusammen mit dem Wirtschaftsministerium die Regeln für das Netzausbaugebiet festgelegt. Ausschreibungen für Windenergie werden damit aktuell auf 902 Megawatt im Jahr begrenzt. Hintergedanke ist, dass man bei der hohen Geschwindigkeit des Windenergieausbaus beim Ausbau des Netzes Schritt hält.

„Ich bin der Auffassung, dass wir 2017 korrekt gehandelt haben“, sagt Achim Zerres, der die zuständige Abteilung Energieregulierung bei der Bundesnetzagentur leitet. Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie, widerspricht: „Das Netzausbaugebiet ist zu einer reinen Fiktion geworden. Aber manchmal muss man sich politisch an etwas klammern.“

Damit spielt er auf Vorwürfe gegen Wirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur an, man sei mit der Definition des Ausbaugebiets auf den ein oder anderen Wunsch von Abgeordneten für ihren Wahlkreis eingegangen, was auch den Querschnitt mitten durch Niedersachsen erkläre.

„Die Ausbreitung der Ausbauregion war sicherlich ein politischer Kompromiss und hatte nicht nur mit technischer Notwendigkeit zu tun“, heißt es aus Netzbetreiber-Kreisen. Zerres von der Bundesnetzagentur bestreitet das: „Bei mir jedenfalls ist kein Abgeordneter vorstellig geworden.“

Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Grünen, stört sich zudem daran, dass mit „Emsland“ und „Brokdorf“ im Ausbaugebiet noch zwei Atomkraftwerke ins Netz einspeisen. „Während immer mehr Wind- und Solaranlagen wegen Netzauslastung zwangsabgeschaltet werden, laufen die gefährlichen Atomkraftwerke weiter. Das ist ein völlig paradoxer Zustand, der allen Energiewendezielen zuwiderläuft“, sagt sie.

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