Erneuerbare Energien Röttgen schmettert Röslers Kritik ab

Der Umweltminister weist die Forderung nach einem Systemwechsel bei der Förderung erneuerbarer Energien zurück. Eigentlich ist das eine gute Nachricht für die Solarindustrie – doch der Branche droht neues Ungemach.
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"Atomenergie spielt auch in Zukunft eine Rolle!"

BerlinEine grundlegende Reform der Förderung erneuerbarer Energien kommt für Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nicht in Frage. „Die permanente Verunsicherung durch immer neue Vorschläge hilft nicht weiter“, sagte Röttgen am Mittwoch bei der Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft. Damit nahm Röttgen indirekt Bezug auf Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), der Anfang der Woche im Interview mit dem Handelsblatt einen Systemwechsel gefordert hatte.

Rösler würde die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebenen Einspeisevergütungen am liebsten abschaffen. Als Ersatz will der Minister die Energieversorger verpflichten, einen bestimmten Teil ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen zu liefern. Die Erzeugungsform könnten sie dann selbst wählen. Dieses Mengenmodell werde einen Effizienzwettbewerb auslösen, sagte Rösler.

Doch Röttgen will am aktuellen System festhalten. Er räumte lediglich ein, dass eine „deutliche Reduktion“ des Ausbaus der Photovoltaik nötig sei. Erreichen will der Minister das über weitere Kürzungen der Solarförderung. „Wir brauchen eine Anpassung, darüber rede ich morgen mit der Branche“, sagte der Minister am Mittwoch beim größten Treffen der Energiebranche in Berlin.

Die bereits festgelegten Absenkungsschritte kämen wegen des Preisverfalls bei Solarmodulen nicht mehr hinterher. 2011 gingen Solaranlagen mit 7500 Megawatt neu ans Netz - so viel wie nie zuvor - daher steht jetzt schon fest, dass die Förderung im Juli um bis zu 15 weitere Prozent gekürzt wird. Nun könnte es aber noch mehr werden. Für eine Kilowattstunde Solarstrom vom Hausdach werden derzeit 24,43 Cent je Kilowattstunde gezahlt - an der Strombörse kostet die Kilowattstunde meist fünf bis sechs Cent. Die Differenz zwischen Marktpreis und Vergütungssatz müssen die Verbraucher zahlen.

Rösler: "Die Energiewende ist so schwierig wie die Wiedervereinigung"

Durch den Solarboom können aber auch die Belastungen für die Verbraucher steigen, da sie die Förderkosten per Umlage über den Strompreis zahlen. Ein Durchschnittshaushalt zahlt derzeit etwa 125 Euro pro Jahr. Die Solarförderung frisst derzeit pro Jahr rund acht Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte der gesamten Förderung erneuerbarer Energien. Sie steuert aber nur ein Fünftel des Ökostrom-Mixes bei. Eine neu installierte Leistung von 7500 Megawatt in einem Jahr wie 2011 sei zu viel, allein schon aus technischen Gründen wie der Anbindung an das Stromnetz, sagte Röttgen.

Er betonte zugleich, er wolle ein Überleben der Technologieführerschaft in Deutschland. Immer neue Vorschläge trügen nicht dazu bei, Verlässlichkeit und Planungssicherheit zu schaffen, sagte er mit Blick auf Forderungen nach einer festen Deckelung des Zubaus. Röttgen verfolgt bisher das Modell eines „atmenden Deckels“, der automatische Kürzungen vorsieht, wenn eine bestimmte Anzahl neuer Solaranlagen ans Netz gegangen ist.

"Die energiepolitische Debatte fängt gerade erst an"

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24 Kommentare zu "Erneuerbare Energien: Röttgen schmettert Röslers Kritik ab"

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  • Wo ist das Problem bei einem PV-Zubau in der Größenordnung des letzten Jahres (7500 MW = 7,5 GW)? Die Mehrkosten können es nicht sein, wie eine einfache Abschätzung zeigt: Die bis Ende 2010 installierten 17 GW PV-Anlagen haben etwa 3 % der gesamten Jahresmenge an Strom geliefert, also werden die neu hinzugekommenen 7,5 GW etwa 1,3 % davon erbringen -- und werden auch nur zu etwa diesem Prozentsatz zum Strompreis beitragen. Nimmt man für die Abschätzung einen Strompreis von 20 Cent/kWh, so verursachen diese 7,5 GW also 0,013 mal 20 = 0,26 Cent/kWh. Um etwa diesen Wert müßte die EEG-Umlage zunehmen, d. h. nicht mal die Ziffer vor dem Komma würde sich ändern. In den nächsten Jahren wird die PV-bedingte Erhöhung der EEG-Umlage sowieso geringer ausfallen, da die Vergütung kleiner wird. Und daß die Energiewende nicht zum Nulltarif zu haben ist, sollte jedem klar sein. Röttgen macht das schon ganz richtig so.

  • @Roland. Lieber eine FDP im Bundestag als die BündisGrünen Ökofaschisten.

    Schönen Gruß aus Kuala Lumpur.

  • Der Röttgen ist ein ausgesprochener Dummkopf, ein Dummkopf wie es bisher noch keinen im Bundestag gab. Der weiss nichts, aber auch gar nichts und weiss nicht einmal dass er nichts weiss. So einer kann natürlich nur in die Politik gehen denn wo anders würde der keinen Fuß auf den Boden bekommen.
    Röttgen ist ein Minister der nicht die Interessen aller vertritt sonder auschließlich um das Wohlergehen einer bestimmten, der Solarbranche besorgt ist. Der spekulier wohl darauf dass er nach der nächsten Wahl, wenn er aus dem Bundestag fliegt in der er überhaupt nicht rein gehörte, einen Fensterplatz - natürlich gut dotiert - bie so einem Unternehmen bekommt, dessen Interessen er vertreten hat.

  • Strom hat ersteinmal überhaupt keinen Wert, solange es keinen Nachfrager gibt! Und wenn der Strom zu fünf Cent verkauft wird, denn hat er genau diesen Wert! Und deshalb ist ihre Argumentation auch quatsch!

    Und wenn Sie mit mir über "Netzfrequenz" diskutieren wollen, so muss ich Ihnen mitteilen, dass PV-Anlagen diese aus technischer Sicht genau so gut stabilisieren können wie jedes konventionelle Kraftwerk auch! Darüber hinaus haben dezentrale PV-Anlagen den Vorteil, dass nicht 1000 MW gleichzeitig wegen eines internen "Problems" vom Netz gehen können, wie es bei Großkraftwerken schon einmal vorkommen kann.

    Das einzige, was im Moment (noch) nicht geht, ist eine 100%ige Stromversorgung mit PV-Anlagen. Aber das will im Moment auch keiner.

  • Woher wissen Sie das? EIKE weigert sich weiterhin, seine Finanzierungsquellen offenzulegen! Und genau diese Information können Sie auch bei LobbyControl finden.

  • Wissenschaftler..Wenn Sie die Informationen von Lobbycontrol zu Eike googlen, werden Sie feststellen, dass Eike max. geringfügige Unterstützung erfährt. Es ist erschreckend, dass wenn die Energieversorgung als Grundlage der heutigen Gesellschaft mit religiösen Dogmen wie einer CO2 Klimahölle, Dämonischen Atomstrahlen, "Ungelösten Endlagerproblemen" in Frage gestellt wird, sich die Europäische Industrie nicht traut kritische Stimmen zu unterstützen. Es ist ein Zeichen mangelnder Zivilcourage.

    Vandale

    PS: In Eike gibt es viele gute, wissenschaftlich starke Artikel, aber meines Erachtens auch ein paar schwache Ausreisser. Ich habe ein paar Artikel für Eike verfasst ohne dafür etwas zu erhalten. Ich hoffe, dass man diese als gut bewertet.

  • Förderungen müssen tatsächlich ergebnisorientiert und nicht politisch- bzw. Lobbyistisch-orientiert nachjustiert werden. Bisher überwiegen jedoch die Vorteile der Förderungen:
    Die komplexen Zusammenhänge aus der Kosten- und Nutzenwirkung erneuerbarer Energien hat das Bundesumweltministerium in einem mehrjährig angelegtem wissenschaftliches Vorhaben durch ein vom Fraunhofer ISI geführtes Projektteam untersuchen lassen.
    Ergebnis: Im Jahr 2008 standen 6 Mrd. Euro für systematische Kosten durch erneuerbare Energien 8 Mrd. Euro Nutzen allein durch vermiedene Umweltschäden gegenüber. Fazit 1: Gäb es nicht die Erneuerbaren hätte unserer Volkswirtschaft nur für Umweltschäden im Jahr 2008 2 Mrd. Euro mehr aufbringen müssen. An der Strombörse haben die Erneuerbaren Vorrang und werden kostenlos eingestellt. Dies wirkt sich kostendämpfend auf den Gesamtpreis des gehandelten Strom aus. Fazit 2: Fehlen die Erneuerbaren geht der Strompreis nach oben.
    Als weiteren Vorteil darf ich auf die Beschäftigungsentwicklung in der Erneuerbaren-Energie-Branche von 1998-2009 zu anderen ausgewählten Branchen hinweisen:
    Elektrizitätsversorgung -17%, Kernenergie -21%, Braunkohlebergbau -35%, Erdgasversorgung -44%, Steinkohlebergbau -63%, Erneuerbare Energien +415%. Dabei gab es 2009 bei den Erneuerbaren Energien bereits ca. 80.000 mehr Beschäftigte als in den anderen Branchen zusammen. Im Jahr 2010 arbeiteten schon 367.400 Menschen im Bereich erneuerbarer Energien. Fazit 3: Wenn wir die nach Hause schicken wird das auch nicht preiswerter.
    Bürger für bezahlbaren Strom gibt es auch in Feldheim in Brandenburg. Mit einer eigenen Energieversorgung kostet der Strom dort 16,6 ct/kWh.
    Fazit: Geht doch!

  • Hallo SolPower. Die Sonneneinstrahlung ist auf diesem Planeten unzureichend um diese für eine industrielle Stromversorgung nutzen zu können. Bei nüchterner Analyse wird ein wertloser Zufallsstrom zu einem zig-fachem seines Wertes erzeugt.
    Es mag sein, dass es mit der Verlagerung der Herstellung der umweltschädlichen Solarzellen noch ein Kostensenkungspotential gibt, allerdings übersteigen alleine die Installationskosten dieser Anlagen den Wert des umweltschädlichen Solarstroms.

    Vor etwa 200 Jahren begann die Industrialisierung. Man lernte sich von Wind und Sonneneinstrahlung unabhängig zu machen.

    Eine moderne Stromerzeugung sollte in Deutschland idealerweise auf Kernenergie für die Grundlast und Braunkohle für die Mittellast basieren. Daneben bietet sich Erdgas und Speicherkraftwerke für die Spitzenlast an. Das mag nicht so sexy klingen wie die ökoreligiösen Dogmen von "Erneuerbaren Energien", erlaubt jedoch der Menschheit ein hohes Wohlstandsniveau. Braunkohle gibt es hierzulande für Jahrhunderte. Die Kernenergie ist in der Lage einen steigenden Verbrauch der Menschheit über Millionen Jahre hinweg sehr umweltfreundlich und zu erträglichen Kosten zu decken.

    Vandale

  • Hallo Nicolo, eine kWh Solarstrom hat als Zufallsstrom keineswegs den gleichen Wert wie Grundlaststrom. Der Wert des Solarstroms liegt bei ca. 1c/kWh.

    Die Solarstromeinspeisung erfolgt in Deutschland gem. den Launen des Wetters. Im Stromnetz dagegen muss in jedem Augenblick soviel Strom eingespeist werden wie abgenommen wird. Wenn man regelmässige Netzzusammenbrüche vermeiden möchte müssen Schattenkraftwerke teils warm in Bereitschaft gehalten werden. Demzufolge ist der Wert des Solarstrom max. der Wert des vermiedenen Brennstoffeinsatzes.

    Des weiteren sorgen die rotativen Massen der Turbosätze der Dampfkraftwerke für eine Netzstabilisierung im Sekundenbereich. Solarzellen und deren Wechselrichter leisten dies nicht. Deshalb gibt es immer mehr kurze Frequenzschwankungen die für manche Produktionsprozesse nicht förderlich sind. Hier kommen zusätzliche Kosten auf die Netzbetreiber zu.

    Vandale

  • Quote:
    Die Photovoltaik wird die einzig bedeutende Energiequelle am Ende des Jahrhunderts sein?
    Selten so gelacht! Dann müssen die erst einmal nachts Strom liefern und die Sonne muss auch im Winter scheinen, es darf ausserdem keinen Schnee mehr geben.
    Nein, die Sonne ist kein zuverlässiger Lieferant!
    Unquote
    Ja wie denn sonst, die Sonne sorgt seit Millionen von Jahren dafür und solange die Menschen es nicht schaffen die Erdachse zu drehen, wird die Sonne jeden Morgen auf und abends untergehen. Die Leistung ist damit jederzeit vorhersehbar und läßt sich kalkulieren. Auch bei Wolken und im Winter, sie ist jederzeit berechenbar.
    Natürlich brauchen wir Speicher, nur die aktuellen fossilen "Speicher" (Kohle, Gas, Atom) werden bald erschöpft sein. Und wir brauchen einen Energiemix, aus PV, Wind, Wellen und Biomasse, auch Power2Gas. Wozu haben wir denn Ingenieure, doch nicht nur um Gadgets zu entwicklen.
    Und die Technologie steckt in nur in den PV Modulen, sondern in den Wechselrichtern mit der Fähigkeit fluktuierende Leistung in ein Netz zu integrieren. Damit in der Kombination von Hardware, Software und Dienstleistung, damit bringen wir auch unsere Wirtschaft voran.

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