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Erneuerbare Energien Umwandlung in Gas soll Kapazitätsprobleme in Stromnetzen lösen

Eine Studie von Gasunie und Tennet empfiehlt „Power-to-Gas“ als Schlüssel für das Gelingen der Energiewende. Die Politik sieht das skeptisch.
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In Deutschland stammen etwa 40 Prozent des produzierten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Quelle: dpa
Solar-Module

In Deutschland stammen etwa 40 Prozent des produzierten Stroms aus erneuerbaren Quellen.

(Foto: dpa)

Berlin Die Nutzung von Wind und Sonne zur Stromerzeugung geht mit Riesenschritten voran. Derzeit kommen etwa 40 Prozent des in Deutschland produzierten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Bereits 2030 sollen es 65 Prozent sein. Doch der steigende Anteil von Wind- und Sonnenstrom bringt Probleme für das Stromnetz. An wind- und sonnenreichen Tagen stößt die Stromversorgung an ihre Belastungsgrenzen. Das dürfte auch dann der Fall sein, wenn der Ausbau der Netze in den kommenden Jahren an Tempo gewinnt.

Die produzierte Energie lässt sich oft kaum mehr sinnvoll abtransportieren. Aus überschüssigem Strom sollen daher Wasserstoff oder Methan gewonnen werden, empfehlen die niederländischen Energiekonzerne Gasunie und Tennet in einer Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. Alternative Transportlösungen sollen der Schlüssel sein, um der Energiewende zum Erfolg zu verhelfen.

Der Weg dorthin führt nach Überzeugung der Unternehmen über die Umwandlung von Strom in Gas („Power to Gas“, kurz PtG). Für diese Zukunftsvision, heißt es, müssten bereits heute Entscheidungen getroffen werden. Tennet betreibt das Stromübertragungsnetz in den Niederlanden. In Deutschland ist Tennet einer von insgesamt vier Übertragungsnetzbetreibern. In Deutschland ist das Unternehmen für einen großen Teil des Neubaus von Stromübertragungsleitungen verantwortlich. Gasunie ist Ferngasnetzbetreiber in den Niederlanden, aber auch in Deutschland.

„Jetzt ist es an der Politik, die Weichen zu stellen. Das gilt für den Stromnetzausbau, der die Unterstützung von Bund und Ländern braucht, genauso wie für Power-to-Gas-Anlagen“, sagte Manon van Beek, Vorstandsvorsitzende von Tennet, dem Handelsblatt. Han Fennema, CEO von Gasunie, ergänzt: „Um den zunehmenden Schwankungen im Energienetz begegnen zu können, müssen wir unsere Gas- und Strominfrastrukturen nahtlos aufeinander abstimmen.“

Gasunie und Tennet sehen diese Abstimmung nicht als nationales Thema: „Bei der Verzahnung von Gas- und Stromnetzinfrastruktur müssen wir auch über Ländergrenzen hinweg denken. Das steigert die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems und führt zu Kostendegressionen“, sagte van Beek.

Die moderne Power-to-Gas-Methode beruht auf dem seit zweihundert Jahren erprobten Verfahren der Elektrolyse. Der dadurch aus Strom gewonnene Wasserstoff lässt sich direkt nutzen oder in Methan oder synthetische Kraftstoffe umwandeln. Stammt Strom aus erneuerbaren Quellen, ist der gewonnene Brennstoff klimaneutral.

Das auf der Basis von grünem Strom erzeugte Gas kann in die vorhandene Netzinfrastruktur eingespeist werden oder in ebenfalls bestehenden Gasspeichern zwischengelagert werden. Zugleich entstehen neue Anwendungsmöglichkeiten für Wind- und Sonnenstrom: Der in Gas umgewandelte Strom kann auch im Mobilitätssektor, für die Beheizung von Gebäuden oder in der Industrie eingesetzt werden.

In der Studie „Infrastructure Outlook 2050“ von Gasunie und Tennet heißt es, alle Szenarien belegten, dass nicht nur die Stromnetze, sondern auch die vorhandene Gasnetzinfrastruktur sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden eine entscheidende Rolle im Energiesystem der Zukunft spielten.

Strom und Gas seien dabei komplementär zu sehen. Gas müsse insbesondere dort zum Einsatz kommen, wo eine Elektrifizierung schwierig sei. Das gelte etwa für industrielle Prozesse oder auch im Schwerlastverkehr. Das bestehende Gasnetz habe ausreichend Kapazität, um seine künftige Aufgabe zu erfüllen. Lediglich einige technische Anpassungen seien erforderlich.

Dahinter steckt die Überlegung, dass das Ziel des Pariser Klimavertrages, bis 2050 eine annähernd kohlenstofffreie Energieversorgung zu erreichen, Erdgas mehr und mehr verdrängen wird. Um so mehr Raum böte die vorhandene Infrastruktur für „grünes Gas“. Auch Erdgasspeicher könnten ihre Rolle als saisonale Speicher beibehalten.

Tennet und Gasunie trommeln seit Monaten für Power to Gas. Die beiden Unternehmen hatten bereits im vergangenen Jahr angekündigt, gemeinsam mit Thyssengas in Niedersachsen eine PtG-Anlage bauen zu wollen. Sie soll ab 2022 schrittweise ans Netz, um so neue Speicherpotenziale für erneuerbaren Strom zu erschließen.

Bundesregierung und Bundesnetzagentur sehen das skeptisch. Sie sind der Auffassung, dass der Betrieb von Power-to-Gas-Anlagen nicht zum Geschäft eines Netzbetreibers gehört. Außerdem, so ihre Argumentation, würden die Anlagen erst ab 2030 wirklich erforderlich.

Trotz der fehlenden Rückendeckung durch die Politik liefern sich die Betreiber von Strom- und Gasnetzen mittlerweile ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Aufbau einer PtG-Infrastruktur. Erst vor wenigen Tagen hatten der Stromnetzbetreiber Amprion und der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE) ihre Pläne für eine entsprechende Anlage konkretisiert.

Aber auch die Betreiber von Gasspeichern forcieren das Thema. So arbeiten Unternehmen wie Uniper, EWE und VNG an Lösungen. Uniper etwa betreibt im brandenburgischen Falkenhagen eine der ersten Demonstrationsanlagen zur Speicherung von Windstrom im Erdgasnetz.

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3 Kommentare zu "Erneuerbare Energien: Umwandlung in Gas soll Kapazitätsprobleme in Stromnetzen lösen"

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  • Wenn die Politik die PtG Stromspeicherung skeptisch sieht ,dann hat sie ausnahmsweise mal recht. Tatsächlich kann man zwar Wasserstoff durch Eletrolyse erzeugen und dann durch Reaktion mit einem kohlenstoffhaltigen
    Medium in CH4 umwandeln.Allerdings geht dabei eine erhebliche Menge Energie zwangweise verloren,der Wirkungsgrad ist bestenfalls 75%.Wenn der Preis des EEG Stroms bei 9 ct/kWh liegt ,erhöht er sich durch die Umwandlung auf 12 ct /kWh ohne die Betriebskosten der Umwandlung,diese müssen noch dazugerechnet werden. Kommt jemand auf die Idee das Gas wieder in Strom umzuwandeln erhöht sich der reine Energiepreis (ohne Betriebskosten ) auf 20ct/kWh,verglichen mit Strom aus Kohle (ca.3-4 ct/kWh.)

  • Power to gas ist längst überfällig. Das die Politik das skeptisch sieht ist klar. Was der Bauer nicht kennt (versteht) frißt er nicht.

  • Sehr schöner Beitrag. Was sehr interessant wäre, sind die Wirkungsgrade von Power to Gas! Also die echten Wirkungsgrade: wie viel Strom muss erzeugt werden und wie viel Gas kann damit beim Endkunden genutzt werden? Gibt es weitere smarte Technologien mit denen unsere Energiewende umsetzbar wird? Oh ja, es gibt weit mehr als Power to Gas: Diese smarten Technologien sollten jedoch dringend beim Verbraucher installiert werden, so kann das Netz massiv entlastet werden. Dezentrale kleinere Kraftwerke die kontinuierlich umliegende Verbraucher versorgen und smarte Speichertechnologie welche die notwendige Regelung übernimmt! Da muss nicht erst weitere 10 Jahre mit Steuergeldern geforscht werden, das ist schon längst passiert, da muss was angepackt werden. Weg von Investitionen die sich in wenigen Monaten amortisieren, diese kurzzeitigen INVESTMENTS gehen immer auf Kosten von irgendwem! KMU oder Bürger sind doch alles Steuerzahler und Stromabnehmer!

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