Erneuerbare Energien Viele Wege führen zur Energiewende – Länder kommen unterschiedlich schnell voran

Eine Studie belegt, dass es mit der Umsetzung der Energiewende in den Bundesländern sehr unterschiedlich vorangeht. Hessen, Berlin und das Saarland hinken hinterher.
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Unterschiedlich große Fortschritte von Bundesland zu Bundesland. Quelle: dpa
Windkraft

Unterschiedlich große Fortschritte von Bundesland zu Bundesland.

(Foto: dpa)

BerlinWenn die Agentur für erneuerbare Energien (AEE) in Kürze die aktuelle Ausgabe ihres Reports zum Status der Energiewende in den Bundesländern vorlegt, wird das in Hessen kein Anlass zum Jubel sein. Das Land belegt – vor dem Saarland und Berlin – den drittletzten Platz im Bundesländer-Vergleich beim Ausbau erneuerbarer Energien. Und das, obwohl in Hessen seit Januar 2014 mit Tarek Al-Wazir ein Grüner Minister für Wirtschaft und Energie ist.

Die Grünen haben die Energiewende zwar in den Genen, bei der Umsetzung übernehmen sie jedoch nicht unbedingt eine Führungsrolle. So liegt Mecklenburg-Vorpommern auf Platz zwei des Rankings, obwohl die Grünen in Schwerin nie an der Regierung beteiligt waren. Der Spitzenplatz für Baden-Württemberg im Bundesländer-Ranking spricht dann allerdings wieder für die Theorie, dass es mit den Grünen schneller vorangeht.

Eine große Rolle spielen allerdings Faktoren, die von den Ländern nicht direkt beeinflusst werden können. Aktuell ringt etwa die Bundesregierung noch um eine Lösung für die im Koalitionsvertrag in Aussicht gestellten Sonderausschreibungen für Wind- und Photovoltaikanlagen.

Vieles deutet darauf, dass das erforderliche Gesetz noch auf sich warten lassen wird. Auch könnten die Ausschreibungen zeitlich gestreckt werden. In den Ländern sorgt das für Unmut.

Längst sucht jedes einzelne Land seinen eigenen Weg bei den ehrgeizigen Zielen zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Die AEE schaut seit 2012 genau hin. Die Agentur, die sich aus Beiträgen der Wirtschaft und aus Geldern von Bundesministerien finanziert, hat ihren Status-Report in den vergangenen Jahren mehrfach aktualisiert und wird die neueste Version, die dem Handelsblatt vorliegt, in Kürze vorstellen.

„Es macht Mut, dass sich alle Bundesländer, völlig unabhängig von der politischen Farbe ihrer Regierung, dem Energiewende-Weg verschrieben haben“, sagte AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer dem Handelsblatt. Noch ermutigender sei es, dass durchaus unterschiedliche Wege zum gemeinsamen Ziel der Treibhausgasreduktion gegangen würden. „So können sich die besten Ansätze durchsetzen und alle Beteiligten können voneinander lernen“, sagte Vohrer.

Länderkoordination gefragt

Dieser Überlegung trugen die für das Thema zuständigen Landesminister Rechnung, indem sie sich vor wenigen Tagen zu einer Energieministerkonferenz trafen. Bislang habe der Austausch der Länder eher bilateral oder unter parteipolitischen Vorzeichen stattgefunden, hieß es unter den Ministern. Das Thema sei jedoch so bedeutend, dass eine Länderkoordination wichtig sei. Der Bund hatte in den vergangenen Jahren immer wieder moniert, jedes Land betreibe seine eigene Energiewende, es fehle an Koordination.

Nicht alle Konzepte, die in den Ländern entwickelt werden, tragen Früchte. Manche sind sogar spürbar kontraproduktiv. Beispiel Bayern: Seit dem 17. November 2014 gilt im Freistaat die sogenannte „10-H-Regel“. Demnach muss der Abstand eines Windrads von Wohnungen mindestens zehnmal so weit sein, wie die Anlage hoch ist. Bei einem 200 Meter hohen Windrad – das ist heutzutage Standard – sind das zwei Kilometer.

Bayerns Energieminister Franz Josef Pschierer (CSU) weist zwar darauf hin, 2014 und 2015 habe es einen Rekordzubau an Windrädern gegeben. Er räumt aber zugleich ein, in den nächsten Jahren werde der Ausbau „nicht mehr diese hohe Geschwindigkeit aufweisen“. In der Gesamtwertung steht Bayern im Moment noch auf Platz drei.

Nach Einschätzung der AEE fällt die Zwischenbilanz zur Energiewende „prinzipiell positiv“ aus. Allerdings gebe es große Herausforderungen. So gehe es im Stromsektor darum, den Ausbau auch unter dem geltenden Ausschreibungssystem adäquat fortzuführen, sowohl hinsichtlich der Ausschreibungsmengen als auch im Hinblick auf die regionale Verteilung. Im Wärmesektor gebe es eher einen Stillstand beim Beitrag erneuerbarer Energien. Größtes Sorgenkind ist aus Sicht der AEE der Verkehrssektor.

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1 Kommentar zu "Erneuerbare Energien: Viele Wege führen zur Energiewende – Länder kommen unterschiedlich schnell voran"

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  • Energiewende? Gerne aber bitte OHNE Biogas:
    Der Anbau von GENmais und die damit verbunde DÜNGUNG und der Einsatz von PESTIZIDEN führt dazu, dass
    das TRINKWASSER mit Nitraten VERSEUCHT wird und auch mit anderen Giften wie Glyphosat und dass
    die NAHRUNGSMITTELPRODUKTION von den betroffenen Agraflächen VERDRÄNGT wird.

    Merkel weiß das und tut nichts, weil Seehofer für seine Klientel und Klientelpolitik die bayrischen Bauern nicht verärgern mag.

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