Erneute Behördenpanne Asylbewerber im laufenden Verfahren abgeschoben

Ein Uigure wurde möglicherweise illegal abgeschoben. Er befand sich mitten im Verfahren. So ein Fehler passiert den Behörden nicht zum ersten Mal.
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Mitten im Asylverfahren wurde der Flüchtling nach China abgeschoben. Menschenrechtsorganisationen befürchten dort massive Menschenrechtsverletzungen für die uigurische Minderheit. Quelle: dpa
Unrechtmäßige Abschiebung

Mitten im Asylverfahren wurde der Flüchtling nach China abgeschoben. Menschenrechtsorganisationen befürchten dort massive Menschenrechtsverletzungen für die uigurische Minderheit.

(Foto: dpa)

MünchenDie bayerischen Behörden haben einen uigurischen Asylbewerber wegen einer bürokratischen Panne trotz laufenden Verfahrens nach China abgeschoben. Der 23-Jährige wurde am 3. April in ein Flugzeug nach Peking gesetzt, obwohl über seinen Asylfolgeantrag noch nicht entschieden war. Das geht aus der Antwort von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Margarete Bause hervor.

Demnach ging bei der zuständigen Ausländerbehörde in München „keine Mitteilung des Bundesamts“ für Migration und Flüchtlinge über den Folgeantrag ein, heißt es in Herrmanns Brief, über den zuerst der Bayerische Rundfunk berichtete. Bause kritisierte den Fall als „skandalösen Fall von Behördenversagen“.

Das Auswärtige Amt müsse den Mann finden und zurückzuholen. „Es geht um Leben und Tod“, sagte Bause. Nach Recherchen des britischen „Economist“ könnten in Xinjiang seit 2016 bis zu eine halbe Million der ethnischen Minderheit der Uiguren in Arbeits- und Umerziehungslagern verschwunden sein.

Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ geht von massiven Menschenrechtsverletzungen aus. Der erste Asylantrag des 23-Jährigen war 2016 abgelehnt worden, weil er nach Einschätzung des Bundesamts legal mit einem gültigen Reisepass aus China ausgereist war und damit mutmaßlich nicht verfolgt.

Erst vor Kurzem hatte der Fall eines Afghanen für Aufsehen gesorgt, der Anfang Juli mit einem Charterflug aus München in sein Heimatland abgeschoben worden war. Zwei Wochen später wurde bekannt, dass der 20-Jährige wegen eines laufenden Verfahrens am Verwaltungsgericht Greifswald zu diesem Zeitpunkt nicht hätte abgeschoben werden dürfen.

Er hatte gegen die Ablehnung seines Asylantrags geklagt. In der Woche nach der Abschiebung hätte der Flüchtling vor Gericht angehört werden sollen.

  • dpa
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