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EU-Klimapläne „Zu risikoreicher Weg“: Autoindustrie warnt vor Jobverlust bei schärferen Klimavorgaben

Die deutsche Automobilindustrie will klimaneutral werden – aber technologieoffen und ohne verschärfte Zwischenziele. VDA-Präsidentin Müller attackiert die Kommission.
14.09.2020 - 17:39 Uhr 3 Kommentare
Autoindustrie fürchtet Deindustrialisierung bei verschärften Vorgaben Quelle: Paul-Langrock.de
VW-Werk

Die Autoindustrie gehört zu den deutschen Schüsselbranchen.

(Foto: Paul-Langrock.de )

Berlin Die deutsche Automobilindustrie übt Kritik an den Plänen der EU-Kommission, die Klimaziele zu verschärfen, und warnt vor einer Deindustrialisierung Europas. „Europa geht mit diesem neuen Vorhaben, der kurzfristigen massiven Verschärfung der CO2-Ziele, einen zu risikoreichen Weg“, sagte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, dem Handelsblatt.

Die Automobilindustrie strebe die Transformation an. „Aber dirigistische Eingriffe, die die Erreichung von Unternehmenszielen unmöglich machen, gehen nicht ohne zusätzliche, schmerzhafte Arbeitsplatzverluste einher“, sagte Müller. „Darüber muss es eine ehrliche Diskussion geben, dafür trägt dann die Politik die Verantwortung.“

Sie könne nicht erkennen, „wie die EU-Kommission den Kontinent zu einem Leitmarkt entwickeln will, der Klimaschutz und Industriepolitik verbindet“, sagte die Verbandschefin weiter. Wenn die EU sich auf bestimmte Antriebsarten beschränke oder eine Vielzahl von starren Zielvorgaben erlasse, „dann passt die Regulierung irgendwann nicht mehr zusammen und schadet dem Industriestandort massiv“.

An diesem Dienstag wird der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, die Klimaschutzpläne der EU-Kommission offiziell im Europäischen Parlament vorstellen. Tags darauf wird Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Idee vom Green Deal konkretisieren. Er sieht vor, dass die CO2-Emissionen EU-weit bis 2030 um 55 Prozent sinken.

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    Bisher liegt das Ziel bei einem Minus von 40 Prozent. 2050, so der Plan, soll Europa der erste klimaneutrale Kontinent sein. Bislang sollten die CO2-Emission um 80 bis 95 Prozent sinken. Die Verschärfung hat vor allem Folgen für den Verkehrssektor. Diesem fällt es seit Jahren schwer, die absoluten Emissionen angesichts steigender Mobilität zu senken – auch wenn die Energieeffizienz der Fahrzeuge zunimmt.

    Nun sehen die EU-Pläne vor, die Grenzwerte, die die Hersteller für ihre neu verkauften Autoflotten einhalten müssen, noch einmal anzupassen. So sollen die Emissionen bis 2030 nicht wie bisher geplant um 37,5 Prozent sinken, sondern sogar um die Hälfte im Vergleich zu 2021.

    „Dirigistische Eingriffe, die die Erreichung von Unternehmenszielen unmöglich machen, gehen nicht ohne zusätzliche, schmerzhafte Arbeitsplatzverluste einher.“ Quelle: AFP/Getty Images
    VDA-Chefin Hildegard Müller

    „Dirigistische Eingriffe, die die Erreichung von Unternehmenszielen unmöglich machen, gehen nicht ohne zusätzliche, schmerzhafte Arbeitsplatzverluste einher.“

    (Foto: AFP/Getty Images)

    Dies dürfte nur gelingen, wenn die Premiumhersteller vornehmlich Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben verkaufen. Die EU-Kommission spricht von einem „realistischen Szenario“, da die Produktion und der Verkauf von E-Autos zunähmen und Wasserstoff eine Perspektive für schwere Nutzfahrzeuge biete. Zugleich solle in Bus und Bahn investiert sowie eine Maut auf Straßen fällig werden und smarte Mobilitätsangebote den Umstieg auf klimaneutrale Verkehrsmittel erleichtern.

    Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Pläne der Kommission seit Längerem begrüßt, übte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Kritik. „Es muss die Balance gehalten werden zwischen Vernunft und Verschärfung“, forderte er.

    Es brauche ehrgeizige Ziele, weil sie Innovation brächten, aber: „Ich glaube, wenn man jetzt mit überzogenen Werten die falschen Signale in die Welt setzt, würde man Verunsicherung bei der Wirtschaft auslösen.“ Es bringt nichts, „wenn ein Unternehmen die Werkstore schließen und Tausende von Arbeitsplätzen streichen muss.“

    Automobil-Präsidentin Müller verwies darauf, dass die Branche als Leitindustrie bereits „mit sehr ambitionierten Klimazielen in Form der Flottengrenzwerte ausgestattet“ sei. Es gehe nicht darum, die Verantwortung für den Klimaschutz auf andere Wirtschaftssektoren abzuschieben.

    Doch stellte sie klar: „Es ist bedauerlich, dass die EU-Kommission offenkundig in keiner Weise die verschärfte wirtschaftliche Lage der Industrie in Folge der Coronakrise berücksichtigt.“ Die Krise beanspruche die Wirtschaft enorm, die sich zu dem Ziel bekenne, bis 2050 klimaneutral zu sein. „Aber wir müssen auch verantwortlich über die Fähigkeit der verschiedenen Wirtschaftsbereiche reden“, stellte Müller klar. „Wir können die Klimaziele nicht beliebig verschärfen.“

    „Technologieoffenheit nicht aufgeben“

    Vielmehr forderte Müller die Politik auf, ihre eigenen Klimapläne zu untermauern. „Die nationale Politik und die EU-Kommission sind verpflichtet darzulegen, welchen Beitrag sie selbst zum Gelingen der Klimaneutralität leisten.“ So seien etwa im Recovery-Plan der EU-Staaten die Mittel für den Ausbau der Infrastruktur für die Elektromobilität noch einmal deutlich reduziert worden. „Ein anderes Beispiel: Die Politik tut sich schwer mit Gesetzen zum Hochlauf der Ladeinfrastruktur im privaten Bereich.“

    In der Tat diskutiert die Koalition seit Langem, wie etwa Mieter Anspruch auf eine Ladesäule vorm Haus haben oder das Laden bei Arbeitgebern erleichtert wird. Nicht nur die Wirtschaft müsse liefern, auch die Politik, forderte Müller. „Die Politik tut sich national wie international sichtbar schwer, die Umwelt- und Klimapolitik konsistent umzusetzen.“
    Große Sorge bereitet der Automobilindustrie der Umstand, dass sich die Kommission auf den Ausbau der Elektromobilität fokussiert. Es dürfe nicht vergessen werden, „dass es nicht nur bei der Ladeinfrastruktur Engpässe gibt, sondern auch bei den Batteriezellen“, warnte Müller. „Das zeigt: Der politische gewollte Umstieg lässt sich weder technologisch noch mit Blick auf die notwendige Infrastruktur einfach bewältigen.“

    Deshalb forderte Müller: „Wir dürfen die Technologieoffenheit nicht aufgeben.“ Wer die Klimaziele erreichen wolle, brauche eine offene Haltung für moderne Verbrennungsmotoren, für Wasserstoff und E-Fuels. Auch mit Erdgas, LNG und anderen Kraftstoffen könnten die CO2-Bilanzen kurzfristig verbessert werden.

    Die Pläne der Kommission, den Verkehrssektor in den Emissionshandel einzubeziehen, begrüßte Müller im Grundsatz. „Eine marktwirtschaftliche Lösung schafft die besten Voraussetzungen, die CO2-Ziele zu erreichen.“

    Mehr: Wirtschaftsforscher warnt vor Milliardenkosten bei generellem Tempolimit.

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    3 Kommentare zu "EU-Klimapläne: „Zu risikoreicher Weg“: Autoindustrie warnt vor Jobverlust bei schärferen Klimavorgaben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Leider fehlt dem Beitrag jede kritische Distanz.

    • Aus meiner Sicht hat die Autoindustrie ihre Lage selbst verschuldet, indem sie einen Ausweg über einen Betrugsdiesel auswählte, um das CO2 Problem zu lösen. Fakt ist, dass der Klimawandel immer stärker Fahrt aufnimmt. Sehen sie sich die Wildfeuer im Westen der USA an oder die Überflutungen in Louisiana/Florida. Das Stottern des Jet Streams bringt das mit sich, genau wie die Prognosen, das vorhergesagt haben. Die Autoindustrie muss aufhören zu erpressen bzw. Dividenden an Superreiche wie Familien Quandt/Klatten/Piech und Porsche zu zahlen. Sie muss liefern fertig.

    • Wahrscheinlich will die EU besonders die deutsche Autoindustrie treffen, da hier auch viele teurere Fahrzeuge mit viel PS produziert werden. Frankreich und Italien wird da sicherlich weniger getroffen. Vielleicht wäre es mal eine Maßnahme, wenn nicht jedes nachfolgende Fahrzeug dieser Hoch-PS-Fahrzeuge nicht jedes mal noch 30 PS mehr hätte.

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