Euro-Kredite Deutschland macht 2,9 Milliarden Gewinn mit Griechenland-Hilfe

Deutschland, Zahlmeister Europas? Der Eindruck wird gerne erweckt, aber in Sachen Griechenlandhilfe hat der Bundeshaushalt auch profitiert.
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„Historischer Moment“ – Europartner entlassen Griechenland aus Rettungsprogramm

BerlinDeutschland ist ein großer Profiteur der Milliardenhilfen zur Rettung Griechenlands und hat seit dem Jahr 2010 insgesamt rund 2,9 Milliarden Euro an Zinsgewinnen verdient. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Am Donnerstag treffen sich die Euro-Finanzminister, um über mögliche weitere Schuldenerleichterungen für Athen zu beraten - Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hielt sich hierzu lange bedeckt. Das dritte Hilfsprogramm von bis zu 86 Milliarden Euro läuft im August aus.

Das Treffen könnte mit einer Enttäuschung für den griechischen Finanzminister Euklid Tsakalotos enden. Vor allem Bundesfinanzminister Olaf Scholz sträubt sich gegen allzu weitgehende Zugeständnisse. Zur Debatte steht das zweite Griechenland-Hilfsprogramm mit einem Gesamtvolumen von 130,9 Milliarden Euro.

Bisher ist abgemacht, dass Hellas diese Kredite bis 2056 an den Euro-Rettungsfonds zurückzahlt. Mit Zinszahlungen und Tilgung beginnen muss Griechenland nach bisheriger Planung im Jahr 2023. Im Gespräch ist nun, diese Termine nach hinten zu schieben – und zwar um bis zu 15 Jahre. Doch Deutschland stehe auf der Bremse und sei damit in der Euro-Gruppe nicht allein, sagen EU-Diplomaten.

Der Regierungsantwort zu Folge gab es seit 2010 vor allem Gewinne aus Ankäufen griechischer Staatsanleihen im Rahmen des „Securities Market Programme“ (SMP) der Europäischen Zentralbank (EZB), die bei der Bundesbank anfielen und dem Bundeshaushalt überwiesen wurden. Auch die Bundesbank kaufte in großer Zahl die Staatspapiere.

Frühere Vereinbarungen sahen vor, dass Griechenland bei Erfüllung aller Spar- und Reformauflagen die SMP-Gewinne anderer Staaten ausbezahlt werden sollen. Der Antwort zufolge wurde aber nur 2013 ein Gesamtbetrag von zwei Milliarden Euro an Griechenland transferiert. 2014 gingen rund 1,8 Milliarden Euro auf ein Sperrkonto des Euro-Rettungsschirms ESM.

Bei der Bundesbank wurden bis 2017 der Antwort zufolge rund 3,4 Milliarden Euro an Zinsgewinnen aus den SMP-Käufen erzielt. Nur 2013 und 2014 wurden Gewinne abgeführt an den ESM und an Griechenland. 2013 wurden rund 527 Millionen Euro und 2014 rund 387 Millionen zurücküberwiesen, was unter Strich einen verbleibenden Gewinn von rund 2,5 Milliarden Euro bedeutet. Hinzu kommen Zinsgewinne von 400 Millionen Euro aus einem Darlehen der Staatsbank KfW.

Grüne fordern Schuldenerleichterung für die Griechen

Der Grünen-Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler forderte wegen der Gewinne Schuldenerleichterungen für Athen. „Entgegen allen rechten Mythen hat Deutschland massiv von der Krise in Griechenland profitiert“, sagte Kindler. „Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung mit Milliarden an griechischen Zinsgewinnen den deutschen Haushalt saniert“, kritisierte er. Griechenland habe hart gespart und seine Verpflichtungen eingehalten: „Jetzt muss die Eurogruppe ihr Versprechen auch einhalten.“ Deutschland und Europa stünden im Wort, um Athen unter die Arme zu greifen, so Kindler.

Insgesamt wurden laut ESM-Chef Klaus Regling Griechenland bisher Kredite über 270 Milliarden Euro gegeben. Ziel ist, Griechenland so zu stützen, dass mindestens bis 2022 alle weiteren Raten an die Euro-Staaten und den Internationalen Währungsfonds (IWF) bedient werden können.

  • dpa
  • rut
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10 Kommentare zu "Euro-Kredite: Deutschland macht 2,9 Milliarden Gewinn mit Griechenland-Hilfe"

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  • So etwa im Handelsblatt zu lesen macht traurig.
    Wenn der Autor 1000 Euro verleiht und bekommt dann 10 Euro Zinsen, dann meint er schon einen "Gewinn" zu haben.
    In der REALEN Welt hat er aber immer noch ein VERLUST-Risiko von 990 Euro und keinen Gewinn von 10 Euro.

  • PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!

    Heute fehlt hier der Hinweis auf Henry Fords Äußerungen bezüglich des Wesensgehaltes von Geld (Würde die Menschheit es verstehen gäbe es schon morgen eine Revolution).

    Verständnis erwecken kann eine Schrift von Karl Walker (kostenlose PDF), die ich empfehlen kann:

    http://docplayer.org/44579910-Karl-walker-das-geld-in-der-geschichte.html

    DIE NIEDRIGZINSPOLITIK ZERSTÖRT UNSERE ERSPARNISSE

  • Ich bin über die Redaktion des Handelsblattes verwundert, dass eine seriöse Zeitung so einen schwachsinnigen Artikel druckt.
    Zinsen sind neben der Risikoprämie vor allem für den Verlust durch die Inflationsrate, die über der des Zinssatzes liegt, vorgesehen.
    Von einem Gewinn für Deutschland zu sprechen ist ebenfalls ein Witz, da die Sparer durch die erzwungene Niedrigzinspolitik Bargeld bzw. in Zukunft Rentenansprüche aus ihren Versicherungen verlieren. Der Staat sowie die Kirchen erhalten übrigens durch die niedrigen Zinsen weniger Steuern.

  • Die Deutsche Bundesbank hat Target2 Forderungen in Höhe zwischen 900 Milliarden und 1 Billion Euro,
    davon je 400 Milliarden gegenüber Spanien und Italien (so wird unser Export in diese Länder zum Teil finanziert, wir bezahlen es praktisch selbst). Deutschland zahlt jedes Jahr 12 Milliarden Nettobeitrag an die EU, Fördergelder von der EU für Griechenland von 1981 bis 2006 ca 51 Milliarden, bis 2018 dürften es zwischen 75 und 80 Milliarden sein (hier kommt auch ein großer Teil aus Deutschland)! Bald dürfen wir dann noch in eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung einzahlen (EU), dann noch die Einlagensicherung der Banken (EU), wo die Deutschen Sparer dann für die faulen Kredite ca 700 bis 800 Milliarden (Banken in Spanien, Italien, Frankreich....) haften sollen. Da sind doch die 2,9 Milliarden Gewinne lächerlich, vor allem dann wenn die Kredite nicht zurückgezahlt werden. Die Kreditrückzahlung wurde auf 30 Jahre gestreckt, die Zinsen für Staatsanleihen im Rahmen des SMP-Programms fließen über Umwege wieder an Griechenland zurück. Mit so einem Artikel kann man die Leser auch für dumm verkaufen!

  • Die Deutsche Bundesbank hat Target2 Forderungen in Höhe zwischen 900 Milliarden und 1 Billion Euro,
    davon je 400 Milliarden gegenüber Spanien und Italien (so wird unser Export in diese Länder zum Teil finanziert, wir bezahlen es praktisch selbst). Deutschland zahlt jedes Jahr 12 Milliarden Nettobeitrag an die EU, Fördergelder von der EU für Griechenland von 1981 bis 2006 ca 51 Milliarden, bis 2018 dürften es zwischen 75 und 80 Milliarden sein (hier kommt auch ein großer Teil aus Deutschland)! Bald dürfen wir dann noch in eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung einzahlen (EU), dann noch die Einlagensicherung der Banken (EU), wo die Deutschen Sparer dann für die faulen Kredite ca 700 bis 800 Milliarden (Banken in Spanien, Italien, Frankreich....) haften sollen. Da sind doch die 2,9 Milliarden Gewinne lächerlich, vor allem dann wenn die Kredite nicht zurückgezahlt werden. Die Kreditrückzahlung wurde auf 30 Jahre gestreckt, die Zinsen für Staatsanleihen im Rahmen des SMP-Programms fließen über Umwege wieder an Griechenland zurück. Mit so einem Artikel kann man die Leser auch für dumm verkaufen!

  • Die Kommentare hier bieten mal wieder den entscheidenden Mehr-Wert. ;-)

    @ Andre Peter
    "Und Zinsen sind so etwas wie ein Risikoausgleich - der Kreditgeber trägt sowohl das Ausfallrisiko als auch das Inflationsrisiko. "

    Kleine Ergänzung dazu:
    Der MARKTzins besitzt sogar drei Komponenten, wobei die dritte Komponente, nämlich der "reine Zinssatz" sogar die wichtigste darstellt: sie spiegelt nämlich die ZEITPRÄFERENZ aller am Markt beteiligten Akteure wider. Wer spart und damit auf gegenwärtigen Konsum verzichtet zwecks zukünftigem, der fordert dafür ein Entgelt von demjenigen ein, der eine hohe Zeitpräferenz besitzt und bereits in der Gegenwart konsumieren will.
    Deshalb sind die sozialistischen, zentralplanerischen Eingriffe der Zentralbanken in den Marktzins auch so verheerend: die Zinssenkungen erhöhen einmal generell die Verschuldungsbereitschaft in der Bevökerung, steigern jedoch insbesondere auch deren (durchschnittliche) Zeitpräferenz. Das bedeutet: zukünftiger Konsum wird zeitlich vorweggenommen. Oder auf gut Deutsch: es wird vorausgefressen, und entsprechend wird daher auch nachgehungert werden müssen.

  • Das Handelsblatt übt sich in Milchmädchenrechnungen.

    Solange GR mit einem dreistelligen Milliardenbetrag bei den Target2-Salden in der Kreide steht, ist es obszön von "Gewinn" zu reden.

  • Die Schlagzeile "Deutschland profitiert" und der Ausdruck "Gewinn" ist doch ziemlich unpassend. Wer Schulden macht zahlt dafür Zinsen und wer noch mehr Schulden hat zahlt eben auch eine Menge an Zins. Sollte Deutschland der größte Kreditgeber sein (was anzunehmen ist) führt ein einfacher Dreisatz zur Tatsache, dass Deutschland auch den größten Zinsanteil bekommt.
    Und ob das ganze Konstrukt jemals ein "gutes Geschäft" ist, um im Sinne der Schlagzeile zu bleiben, werden vermutlich erst unsere Enkel beurteilen können. Bis dahin sollte ein seriöses Blatt nicht in Stimmungmache verfallen.

  • @Herr Christian Jäger
    Richtig! - Die Kredite müssen erstmal wirklich zurückgezahlt werden.
    Und Zinsen sind so etwas wie ein Risikoausgleich - der Kreditgeber trägt sowohl das Ausfallrisiko als auch das Inflationsrisiko.
    Die Grünen (Roth meint "Deutschland sei reich") sollte sich die Pro-Kopf Verschuldung der beiden Länder ansehen.

    In Deutschland ist das BIP auch wegen der hohen Preise/Steuern/Staatsquote recht hoch! Alles nur am BIP festzumachen ist nicht besonders sozial. Das verfügbare Einkommen nach Steuern, Versicherungen, Miete und unter Berücksichtigung des Preisniveaus wäre wohl die bessere Vergleichsgrundlage. Da würde auch die kalte Progression und der Solidaritätszuschlag eine Rolle spielen.

  • Ob es ein tatsächlich Gewinn war, wird sich zeigen, wenn die Kredite getilgt sind. Und das wird eher nicht passieren.

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