Euro-Krise Scheidender Chefvolkswirt Stark stellt sich gegen den EZB-Kurs

In einer Rede in Luzern rechnet Jürgen Stark mit der Politik der Europäischen Zentralbank ab. Als Notenbank solle sie für Preisstabilität sorgen - und könne nicht zur Lösung der Schuldenkrise beitragen.
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EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. Quelle: Reuters

EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf/Frankfurt/LuzernDer scheidende EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat die Notwendigkeit solider Staatsfinanzen zur Lösung der Schuldenkrise betont. Die Europäische Zentralbank (EZB) sei weder befugt noch in der Lage diese Aufgabe zu übernehmen. „Wollen die Mitgliedsstaaten des Euro wirtschaftliche Stabilität, Wachstum und Beschäftigung auf Dauer sichern, so müssen sie ihre Haushalte in Ordnung bringen und durch Reformen Beschäftigung fördern“, sagte Stark am Dienstag laut Redetext in Luzern.

„Die EZB kann ihnen diese Verantwortung nicht abnehmen.“ Die Notenbank dürfe nicht über ihr Mandat hinausgehen: „Nur für die Sicherung der Preisstabilität besitzt sie demokratische Legitimation und wurde sie unabhängig von politischem Einfluss gestellt.“

Stark gehört zu den schärfsten Kritikern der Staatsanleihenkäufe der Notenbank, mit denen sie indirekt Schuldenländer stützt. Mit dieser Position war er allerdings im EZB-Rat immer stärker isoliert und gibt deshalb sein Amt als Chefvolkswirt zum Jahreswechsel auf. Hinter dem Streit steht die Frage, ob die EZB die Staaten ihres Währungsraumes durch die Notenpresse finanzieren darf. Vertreter wie Jürgen Stark sehen die Anleihekäufe als Einstieg in die monetäre Staatsfinanzierung durch die Notenbank. Befürworter argumentieren hingegen, dass die EZB auch eine Verantwortung für die Finanzstabilität im Euroraum habe.

In der ersten Woche unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi hat die EZB ihre Anleihekäufe deutlich gesteigert. Sie kaufte Staatspapiere im Wert von fast 10 Milliarden Euro - in der Vorwoche waren es lediglich rund vier Milliarden Euro. Allerdings hat die EZB zu Trichets Zeiten in einigen Wochen noch mehr Anleihen gekauft . So kaufte sie Mitte August in einer Woche Anleihen für 22 Milliarden Euro. Insgesamt besitzt die EZB nun Schuldpapiere von 183 Milliarden Euro.

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20 Kommentare zu "Euro-Krise: Scheidender Chefvolkswirt Stark stellt sich gegen den EZB-Kurs"

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  • Die Politik wird die Warnungen von Stark und auch von Weidmann sowieso überhören, wetten?

    Anschließend hören wir dann wieder tolle Reden von den wunderbaren Staatslenkern: das konnte keiner ahnen, die anderen sind schuld, usw. etc. ---- das wird langsam nur noch öde.

  • Wenn Italien so ein reiches Land ist, wie Sie zu Recht sagen, warum wird dann dieser Reichtum nicht zur Bewältigung der Bilanzungleichgewichte und zur Beruhigung der Anleger mobilisiert und stattdessen unter dem moralisierenden Deckmantel "Solidarität" Transfers gefordert? Ein wichtiger Grund ist der, dass Italien genau weiß, dass wir über den Euro mit in Geiselhaft sind und ggfls. schmerzhafte Schritte durch Montarisierung von ital. Staatsschulden z. Teil auf Deutschland umgelegt werden können. Letztlich ist das alles ein riesiger Poker und Deutschland wäre sicher mit dem Klammerbeutel gepudert, den Euro aus Prinzipienreiterei kollabieren zu lassen, darf aber andererseits diese Möglichkeit nicht ausschließen, um nicht ausgenomen zu werden wie eine Weihnachtsgans.

    Im übrigen: Warum wird in Italien gejammert, obwohl vor dem Euro bei gleicher relativen Verschuldung von 120% die Zinsen auch schon bei 15% standen es also für italienische Verhältnisse völlig normal ist? Dass Italien über 10 Jahre mit niedrigen Zinsen von Deutschlands hart erarbeiteter Bonität profitiert und diesen Vorteil verfrühstückt hat, begründet nun keinen Anspruch auf "Solidarität" sondern eher einen nach Regimewechsel in Italien.

  • .
    Herr Stark,
    in diesen Gefilden für Preisstabilität zu sorgen bedeutet
    billiges Brennmaterial zu haben.
    Zentralbanken haben da nur eine Alibifunktion.
    Sie wollten bestimmt keinen Alibijob in einer
    Alibieinrichtung ausüben, oder?
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  • @Buerge-r: Wir befinden uns in einer Emergency. Italien ist und bleibt kreditwuerdig - den Schulden von 2000 Mld. stehen Substanzwerte von 2300 Mld. + Goldreserven etc. gegenueber. Italien hat seit 25 Jahren einen Verschuldungskoeffizienten von ueber 100%, bisher nie ein Problem, der BtP Markt ist einer der liquidesten weltweit.
    Leider lassen sich nun auch die institutionellen Anleger verunsichern und stossen tonnenweise Anleihen ab. Dies ist ein Teufelskreis ohne logische Basis.Eine Insolvenz Italiens wegen Marktverwerfungen waere Lehman hoch 10. Diese Gefahr ist real, und das sollten auch die Herren Stark et altri reflektieren. Es gibt zZ keine Alternative, als a) durch Anleihenkaeufe die Spreads zu senken b)ueber Garantien der EZB fuer die Grossbanken einen Credit Crunch und eine neue globale Finanzkrise zu verhindern. Jetzt den Lehrmeister zu spielen und als Deutscher die Solidaritaet zu versagen, wird zu einer nie dagewesenen Wertvernichtung und Schaedigung der deutschen Wirtschaft fuehren!

  • Die Zinssenkung hat Jürgen Stark gefordert,nicht Draghi.Über Italien und deren Mafia-Regierung kann man durchaus diskutieren,aber unter Draghi ist die Verschuldung in den 90er Jahren von 122 auf 103% gefallen,Draghi war einer der ersten die schon in 2009(bevor die Griechenland-Bombe in 2010 platzte) in Italien,Berlusconi gemahnt hat das die Bankenrettung und die Konjunkturpakete nicht so üppig ausfallen können wie in Deutschland,da Italien mehr Schulden hat.Wenn wir über Inflation reden-der interne & externe Wert des Euros ist stabiler als der des Dolars(und alle an ihn gekoppelte Währungen) und der des Pfundes.

  • Eine Frage die NIE beantwortet wurde. Welche Interessensgruppen stecken wirklich hinter dem Euro und der EU. Eigentlich eine sehr naheliegende Frage. Wir alle haben den Euro in der Tasche, aber wer kennt wirklich die Gruende dafuer und wer hat ein Europa im Kopf...mit welchen Grenzen???

    Wir alle sollen Europaer sein und Geld nach Bruessel schicken und es dann vergessen. Wo beginnt Europa, wo wird es aufhoeren und wo ist der Zusammenhang zu den Muenzen und Scheinen in unserer Brieftasche???

    Es gab ja keine Volksbefragung in vielen Laendern - das Volk war zu dumm. Aber in der jetztigen Situation - wer war wirklich zu dumm??? Und wer war dafuer verantwortlich, dass das Volk nie befragt wurde???

    Ich glaube, es ist nicht optimal gelaufen und es gibt viel aufzuarbeiten und zu korrigieren. Man kann auch nicht sagen, es gibt keine Schuldigen.

    Also wenn es jetzt nicht Zeit ist viele Sonderbarkeiten zu hinterfragen, dann hat das Volk wirklich durch seine eigene Unfaehigkeit ausgedient.

  • Das ist eben amerikanische Sitte. Und der Verbrecher Draghi hat bekanntlich ja für die Weltbank sowie für Goldman Sachs gearbeitet, was schon vor der Ernennung Draghis die Richtung hat angekündigt hat. Alle Goldman-Arbeiter, die mir je untergekommen sind, sind absolut volksfeindliche Finanzdiktatoren gewesen, die die Handlanger für einige wenige Reiche gewesen sind. Eben nicht unabhängig!

  • @nortello

    Wieso sollte die EZB Unterstützug bei m Kauf weiterer Staatsanleihen leisten, wo schon immer unwahrscheinlicher wird, dass die bestehenden je zurückgezahlt werden können? Soll sie sich zum Beihelfer des Kreditbetruges machen? Wenn Staaten nicht genug Geld haben, müssen sie einerseits schauen, wo sie Geld verschwenden und sparen können und/oder andererseits ihre Einnahmebasis verbessern. Alles andere ist Augenwischerei. Diese Dinge zu klären ist Aufgabe der Politik und die Notenbanken haben nicht den Auftrag Konflikte weichzuspülen, zu kaschieren und so zu verschleppen und aufzuaggregieren, die so oder so irgendwann politisch ausgetragen werden.müssen.

  • Dass es noch Leute gibt, die sich gegen etwas stellen, das finde ich: Stark!

  • Eine Zentralbank kann nicht pleite gehen.
    Die Zentralbank erschafft das Geld.
    Wenn in Ihrem Wohnzimmer eine Druckerpresse steht, wie wollen Sie dann pleite gehen?

    Das was passieren kann, ist dass die Zentralbank Geld gegen Sicherheiten herausgibt. Sie monetarisiert die Sicherheiten. Das Geld hatte sie vorher nicht. Das wird dann genau für diesen Zweck gedruckt.
    Dumm nur, wenn sich die Sicherheit als nicht werthaltig erweist. Dann ist Geld im Umlauf für das es keinen Gegenwert gibt.
    Das resultiert dann in steigenden Preisen, weil es mehr Geld als Waren gibt.

    Die Sicherheiten nimmt die Zentralbank nur deswegen, damit die Menge des Geldes nicht beliebig vermehrt werden kann. Wenn jeder bei der Zentralbank einen Koffer voll Geld abholen könnte, ohne dem Geld einen Gegenwert gegenüber zu stellen, hätten wir immer mehr Papiergeld im Umlauf, aber nicht mehr Güter. Und da sich in einer Marktwirtschaft meistens ein Gleichgewicht bildet, würden die Preise steigen, um die vergrößerte Geldmenge der Gütermenge anzupassen.

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