Euro-Krisenmanagement Ökonomen zerreißen Griechenland-Politik der Bundesregierung

Als „Symbolpolitik“ und „durchwursteln“ kanzeln Ökonomen die Griechenland-Politik der Bundesregierung ab. Für Unmut sorgt insbesondere, dass Banken an den Rettungskosten jetzt doch nur freiwillig beteiligt werden sollen.
Update: 20.06.2011 - 10:54 Uhr 28 Kommentare

EU lässt Griechenland warten

Düsseldorf/Berlin/LuxemburgDass sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei der Eurogruppen-Sitzung am Sonntag in Luxemburg mit seiner Forderung nach einer verbindlichen Privatsektor-Beteiligung bei der Griechenland-Rettung nicht durchsetzen konnte, sorgt für großen Unmut unter Ökonomen. „Eine freiwillige Beteiligung der privaten Investoren wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht substantiell sein. Denn wie soll ein Bankvorstand seinen Aktionären erklären, dass er freiwillig auf einen Teil der Ansprüche verzichtet? Diese Freiwilligkeit ist Symbolpolitik, die jeder durchschaut“, sagte der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, Handelsblatt Online.

Hintergrund ist ein zweites Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds für Athen. Umstritten ist insbesondere, ob und wie private Gläubiger beteiligt werden. Deutschland und Frankreich hatten sich zuletzt darauf verständigt, dass Banken und Versicherungen freiwillig einbezogen werden sollten. Doch dagegen regt sich vor allem im Deutschen Bundestag Widerstand. Befürchtet wird, dass am Ende der Steuerzahler den Großteil der Hilfen wird schultern müssen.

Carstensen sagte dazu: „Wenn die Bundesregierung es nicht schafft, konsequent und mit einheitlicher Stimme zu sprechen, können wir auch nicht erwarten, dass Europa es tut. Die Konsequenz ist ein Durchwursteln, das die Probleme nicht löst, sondern auf die Zukunft verschiebt.“ Der Ifo-Ökonom befürchtet, dass in einigen Jahren dann der größte Teil der griechischen Staatsschuld in den Händen der europäischen Nachbarstaaten und der EZB sein werde. „Spätestens dann wird wohl eine substantielle Umschuldung kommen - zulasten der Steuerzahler“, sagte Carstensen. „Statt über Steuersenkungen zu diskutieren, werden wir dann mühsam daran arbeiten, die deutschen Staatsschulden zu reduzieren.“

Verständnis für die Vorbehalte des Bundestags zeigte auch der renommierte Wormser Wirtschaftsprofessor Max Otte. „Denn es geht hier an die Wurzel der deutschen Staatsräson, des deutschen Selbstverständnisses und unserer finanzpolitischen Solidität“, sagte Otte Handelsblatt Online. „Solange eine Beteiligung privater Gläubiger freiwillig ist, wird der Beitrag eher symbolischer Natur sein. Das heißt auch, dass Deutschland und die starken EU-Länder dann weiterhin die überwiegende Last tragen müssen.“

"Griechenland ist insolvent"
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28 Kommentare zu "Euro-Krisenmanagement: Ökonomen zerreißen Griechenland-Politik der Bundesregierung"

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  • Antw auf Ron777
    -
    Sie haben vollkommen recht.
    Nur, die Diktatoren in Brüssel interessiert das nicht im Geringsten.Sie entscheiden, was für den Menschen gut ist, was er zu tun hat, was er als Lebensqualität anzusehen hat, zu akzetieren hat. Lebensqualität hat viele Gesichter, aber bitte, lassen wir jedem seine Vorstellung, was ihn beglückt. Diese EU beglückt niemanden mehr, sie sit ein gefürchtetes Ungeheuer geworden.
    Griechenland wurde von der EU-Brüssel- der Fianzmafia, den banken ,von unfähigen Politikern aller Parteien ruiniert, man hat sozusagen ins Messer laufen lassen.
    Jetzt kommen die Geier und teilen die Beute,
    GR ist buchtsäblich auf den Hund gekommen, weil sie den falschen Leuten geglaubt hat, Freunde und Feinde nicht erkannt hat. Die banken wollten doch nur helfen, nur Gutes- GR bekam alles-jetzt haben sie es- sie sind in die Schuldenfalle gtappt. Die Banken kassierten- die Staaten retten- der Steuerzahler zahlt EU_Sozialhilfe- und GR wird ausverkauft- endet in der Armut. Das ist der Preis für das Volk. Die Verantwortlichen prassen weiter auf hohem Ross. Sie haben sich geholfen!!!.
    Das Volk kann einem ja eigentlich leid tun, sie merken jetzt erst was da abgeht, wohin sie die Gangster gesteuert haben.Ja, mit Speck fängt man Mäuse.GR hat man buchstäblich "EIN"--gefangen. Aus mit der Freiheit über das Land.

  • Antwauf bergmann:
    Das ist schon an die Wand gefahren, die Abwahl hätte schon lange erfolgen müssen. War aber nicht. 2013 dürfte schon zu spät sein.
    Wer zuspät kommt, den bestraft das leben. Die Deutschen kamen zu spät, sie haben zuspät begriffen, sie haben zuspät das Wahlverhalten geändert, sie haben zuspät die Brille gewechselt, durch die sie die Verhältnisse betrachtet haben, zuspät die Notbremse gezogen.
    Jetzt sind die Taschen leer. Bundesland ist abgebrannt.Jetzt kann man nichts mehr retten. Das ist nicht Panikmache, sondern nackte Realität.
    Man kann sich nicht auf dauer selbst belügen, genau das haben die Politiker auch gemacht.
    Jetzt haben wir die Pest und Colera auf dem Hals.

  • Die führen sich auf wie die herren der Welt.
    mein Gott, wann verschwinden diese Gesichter, man kann sie nicht mehr sehen.
    Dieses Gehabe, dieses Hütchenspiel, es geht einem nur noch auf den Geist.
    Sie kommen sich wohl unheimlich wichtig und groß vor.
    Die wirkliche Intelligenz scheint ausgestorben zu sein.
    ich sehe jedenfalls in der Politik niemanden mehr, der Durchblick-Weitblick und Realitssinn hat, der tut, was getan werden muß und zwar für das Gemeinwohl- das Volk, nicht für 5% Auserwählte.
    Sie drücken sich und wenden sich wie ein Wurm an der Angel, statt endlich das zu tun, was angesichts der Fakten unvermeidbar ist.Wir brauchen keine Schwafler ala Merkel und Co, wir brauchen Leute, die erkennen was Sache ist und anpacken, auch wenn es erst mal hart ist-wird-, aber dann einen neuen Start und Perspektive ermöglicht. Auch wenn es was kostet, es ist am Ende das kleiner Übel.
    Alles "Dahinwurschtler ohne Hirn und Verstand.
    EU- "Europas Untergang". Sie haben die Schlinge um den Hals dieser Tage vollends zugezogen.

  • Es geht doch vordergründig um die Zinsen für die involvierten Banken.

    Da werden gegen hohe Zinsen von unserer Politik die Gelder aus der einen Tasche gezogen, die über die "Griechenlandrettung" sofort wieder in die andere Tasche der "hilfreichen Banken" gelangen.

    Geld, das eigentlich aus dem "Nichts" geschaffen wurde.

    Warum schreibt nicht nur der Ackermann dem Schäuble dessen Manuskripte, sondern sitzen seit Jahren Lobbyisten in eigenen Büros im Bundeshaus, die das erarbeiten, was die Politiker, von jeglicher Sach-und fachkenntnis unbeleckt, dann absegnen.

    Nur dafür haben die Abgeordneten ihre Existenzberechtigung.

    Ein wiederliches, aber durchschaubares Schmierentheater, mit dem wir auf den baldigen
    Finanzkollaps subtil eingestimmt werden?

  • Das Einzige, was unserer Politiker verstehen werden, sind Demonstrationen und Konsequenzen an der Wahlurne.
    Und solange das nicht passiert, werden die im Euro-Wahn weiter unser Land an die Wand fahren.
    Traurig aber wahr.

  • 4 fliegen mit einer klappe;1.FLIEGE das geld aus europa zurueckgeben
    2.fliege keine zahlungsprobleme griechenland in der zukunft.
    3.fliege das zypern-poblem.4.fliege griechen arbeiten wieder und revoltieren nicht.die klappe:griechenland unter tuerkischer verwaltung wie vor ca.100 jahren

  • Kritisch zu betrachten ist der Begriff "private Beteiligung". Er stellt die Realität auf den Kopf. Zur Kasse verpflichtet werden die Steuerbürger. Sie sind Privatpersonen, die einen Teil ihres Einkommens für Aufgaben unserer Gemeinschaft bereitstellen. Unsere Repräsentanten wurden seitens der Volksgemeinschaft nur als Dienstleister beauftragt, nicht als Besitzer oder Eigentümer. Die als "privat" deklarierten Gläubiger sind tatsächlich Kapitalgesellschaften und haben eine gewerbliche (Fehl-)Leistung erbracht. Für Griechenlands wirtschaftliche Revitalisierung existieren keine tauglichen Programme. Deshalb werden die Hilfsprogramme lediglich für gewerbliche Gläubiger die notwendige Zeit schaffen, um wertlose Anleihen erneut der Gesellschaft aufzuhalsen. Ungewiss ist, wie viele Hilfsprogramme dieser Art noch aufgelegt werden. Ohne erfolgreiche wirtschaftliche Revitalisierung wird fortdauernd Steuergeld verbrannt. Zweifelsfrei profitiert unsere Exportwirtschaft außergewöhnlich von der Wirkung des Euro. Ohne ihn hätten wir vmtl. eine realistisch bewertete nationale Währung, die unsere Höhenflüge begrenzen würde. Wer davon ausgeht, dass dieser Vorteil verstetigt werden kann, der irrt und verharmlost die Kritik an den Handelsbilanzverwerfungen. Falls die Ursachen der europäischen Handelsbilanzdefizite nicht innerhalb der Euro-Zone und EU behoben werden, dürften sich globale Allianzen gegen die Überschussländer bilden. Dieser Allianz werden die europäischen Defizitstaaten den Vorzug vor einer reformunfähigen EU geben, denn es geht nicht nur um Schulden, sondern um Perspektivlosigkeit ganzer Gesellschaften. So darf die Wortmeldung aus der Industrie kein Lippenbekenntnis bleiben; sie muss durch massive Standortinvestitionen belebt werden. Anderenfalls könnte der Fiskus angesichts sinkender Reallöhne die Unternehmenssteuern in den Fokus stellen. Soweit sollte es nicht kommen müssen.

  • Wenn sie ein bisschen Ihren Blick schweifen lassen, werden Sie erkennen, dass der vielgescholtene Stammtisch meistens viel besser in der Beurteilung der Lage und der Forderung nach Maßnahmen ist als unsere lobbyunterwanderten vergeistigten Politik"profis".

  • Es ist eine Unart, Fragen, die nicht nur eine hohe Fachkompetenz erfordern, sondern auch eine solide Informationsbasis, im Wege von Befragungen der Bürger auf der Straße beantworten zu lassen und dann das Umfrageergebnis quasi gleichberechtigt neben Expertenaussagen zu setzen.

    Wie viele der befragten Bürger verfügen über die Voraussetzungen, die Frage nach dem Ausstieg Griechenlands aus dem Euro kompetent beurteilen zu können?

    Das Bauchgefühl der Menschen darf man zwar nicht unterschätzen, aber an in dieser Frage nicht angebracht und kträgt nur dazu bei, die Bürger der involvierten Staaten unnötig gegeneinander aufzubringen. Das ist kontraproduktiv.

    Es geht hier nicht um Meinungen, sondern um vernünftige und sachgerechte Entscheidungen mit weitreichender Bedeutung. Es ist ohnehin schon schlimm genug, dass offenbar viele Politiker der Auffassung zu sein scheinen, Politik nach Meinungsumfragen gestalten zu können.

  • Populismus

    die von unserer Bundesregierung geforderte Beteiligung des Privatsektors an den Kosten der Griechenlandkrise ist
    peinlichster Populismus.

    Der private finanzielle Sektor sitzt noch auf einem Berg von mehreren hundert Milliarden an faulen Papieren (Schätzung des EZB), gleichzeitig sollen die Banken ihre Eigenkapitalquote erhöhen. Das gelingt schon jetzt nur durch beträchtlichen Aufwand an (Bilanz-) Trickserei. Jetzt sollen auch noch Beiträge zur Griechenlandrettung hinzukommen - poulär, aber vollkommen illusorisch.

    Im Übrigen: Wenn die privaten Gläubiger - wie auch immer - zur Kasse gebeten werden, wird das in jedem Fall die Kreditwürdigkeit Griechenlands weiter verschlechtern. Gewonnen ist damit nichts - pure Kosmetik. Günstigstenfalls.

    Im (wahrscheinlichen) schlimmeren Fall führt die Verschlechterung der Kreditwürdigkeit Griechenlands durch "freiwillige" Beiträge des Pivatsektors zu Ansteckungseffekten. Und dann Gnade uns Gott.

    Peinlichster Dilletantismus, was unsere Bundesregierung da abliefert

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