Euro-Rettungsschirm Schäffler – Der Don Quijote des Euro

In seiner Partei besetzt der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler gerade die Rolle des Enfant terrible. Mit seinem Kampf gegen Milliardenhilfen für strauchelnde Euro-Staaten fordert er den Unmut der Parteioberen heraus.
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Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler kämpft gegen Milliardenhilfen für angeschlagene Staaten. Quelle: PR

Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler kämpft gegen Milliardenhilfen für angeschlagene Staaten.

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RostockVerkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen. Mit diesem Satz wurde Frank Schäffler bundesweit vor gut einem Jahr bekannt. Der FDP-Finanzexperte sprach aus, was damals viele Bundesbürger dachten, aber in der Politik keiner sagen wollte. Der Aufschrei in der Bundesregierung war groß. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) trat die Debatte aus, ebnete den Weg für weitere Milliardenhilfen für Athen.

Heute kann sich der 42-Jährige Westfale bestätigt sehen. In Union und FDP wächst der Widerstand gegen weitere Milliardenhilfen. Die Euro-Kritiker auf dem Bundesparteitag der FDP in Rostock sind keine „Spinner“ mehr in der Europapartei. Sogar Generalsekretär Christian Lindner will die Kritiker einfangen und geht jetzt massiv Finanzminister Schäuble an: Die FDP werde sich künftig nicht mehr "mit der viel zu knappen Information" des Finanzministers zufriedengeben. "Herr Schäuble sollte nicht glauben, dass da einfach ein Papierchen genügt. Der Bundestag muss rechtzeitig informiert werden und mitentscheiden, wenn es um weitere Euro-Rettungshilfen geht", so Lindner. Der Bundesregierung droht aktuell bei der Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm eine Niederlage. Offenbar wackelt die Mehrheit in der schwarz-gelben Koalition. Laut Schäffler erwägen bis zu 50 Abgeordnete, das Paket zu kippen.

Schäffler, gelernter Betriebswirt, bündelt seit Jahren den Unmut in FDP , wenn es um die Konsequenzen aus der Finanzkrise geht. Nie zur Freude der Parteiführung. Seit 2005 sitzt der verheiratete Familienvater im Bundestag und nervt die Parteioberen mit Anträgen und Kritik am Finanzkurs der selbst ernannten Wirtschafts- und Finanzpartei. Noch zu Oppositionszeiten forderte Schäffler einen eigenen Untersuchungsausschuss zur Krisenbank IKB, die Fraktion bog das Thema ab. Als einer von wenigen zog er vergangenes Jahr gegen die Millionen-Boni für Manager der Krisenbank HRE zu Felde, warf der schwarz-roten Regierung schwere Versäumnisse vor. Ob Banker-Boni, Banken-Rettung in der Finanzkrise oder Umschuldung für Griechenland. Seit Beginn der Krise wettert Schäffler gegen die immer wieder neuen Rettungspakete, kämpft gegen eine Finanztransaktionssteuer. Ein Don Quijote , der wie gegen Windmühlen in den eigenen Reihen anreitet.

Das kostete ihm im Mai 2010 auch den Posten des Obmanns im Finanzausschuss des Bundestages. „Ich will bei der anstehenden Abstimmung am Freitag anders als die FDP-Bundestagsfraktion gegen das Rettungspaket stimmen. Daher kann ich diesen Kurs an herausgehobener Position nicht vertreten“, schrieb Schäffler in einer Pressemitteilung damals. „Der Euro ist in seiner Substanz gefährdet“, warnte Schäffler jüngst im Handelsblatt. Heute muss die Partei entscheiden.

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12 Kommentare zu "Euro-Rettungsschirm: Schäffler – Der Don Quijote des Euro"

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  • "Sonst kommen die Steuerzahler und hängen uns alle auf"

    ... ein Zitat von Jochen Sanio das sich bereits am 12.Mai hier fand

    http://www.fortunanetz.de/kbeobacht/2011/Mai/Mai12.php

  • Wenigstens stellt sich mal einer mit aller Entschiedenheit gegen den Etikettenschwindel "Euro-Rettungsschirm", der in Wahrheit natürlich nicht den Euro, sondern die Solvenz von einigen Pleitestaaten rettet und damit ihre Fähigkeit, weiter über ihre Verhältnisse zu leben - auf Kosten des Restes der EU, darunter insbesondere des Zahlerlands Deutschland. Das Ergebnis wird sein, dass in der EU-Peripherie so unseriös gewirtschaftet wird bie bisher und am Ende Geld gedruckt wird, um die Schulden in der EU abzubezahlen. Der Euro wird dadurch nicht "gerettet", sondern entwertet!

  • Griechenland exportiert ca. 11 % nach Deutschland. Deutschlands Anteil am Export in die Eurozone (nicht EU) beträgt ca. 38 %. Der Anteil des deutschen Exports nach Griechenland beträgt etwas mehr als 0.5%. D ist als Abnehmer griechischer Waren extrem wichtig für GR, umgekehrt eher kaum. Außerdem wer zwingt die Griechen Mercedesse und andere hightec Produkte von D zu importieren. Seit dem Euro besteht ein großer Entzugseffekt von Kapital in die PIIGS (vor dem Euro war der Export Deutschlands auch hoch, D war mehrmals Exportweltmeister, aber das Kapital blieb in D und wurde hier investiert.)

  • @lien - Weil der habgierige Baecker ihm jahrelang taeglich Buttercremetorte verkaufte, ist der arme Kunde jetzt fett und krank! Dem Baecker gehoert die Gewerbeerlaubnis entzogen!

  • Das Europroblem heißt Deutschland, nicht Griechenland. Einen so rücksichtslosen Aussenhandelsüberschuss auf Kosten anderer kann man nunmal nur fahren, wenn man die Verlierer nicht mit der selben Währung ausstattet. Sonst muss man seinen Gewinn wieder dorthin zurück transferieren, wo man ihn abgeholt hat. Dtl. erwirtschaftet rd. 75% seines Außenhandelsüberschusses in Europa. Da liegt das Problem!

  • Es ist ermutigend zu sehen daß im Reichstag nicht ausschliesslich korrupte Halunken und Hochverräter verkehren!

    Schäffler wird nach dem Crash einer der wenigen Politiker sein denen man wenigstens zuhören wird statt sie gleich niederzubrüllen wenn nicht schlimmeres.

    Immer ans Zitat von BaFin-Sanio vor dem Haushaltsausschuß 2010 denken:

    "Es wäre ziemlich unschön - um nicht zu sagen: schamlos -, wenn jemand diese Gelegenheit wahrnähme und den berühmten „Free Ride“ auf Staatskosten bekäme.

    Das könnte man politisch keinem Wähler und keinem Steuerzahler erklären. Das wird durch die nun geplante Aktion verhindert. Das sollte man sehr positiv sehen. Alle sitzen gemeinsam in dem Risikoboot....

    Wir alle sind uns einig:
    Der Staat hat das einmal getan und soll das nicht ein zweites Mal tun.
    Sonst kommen die Steuerzahler und hängen uns alle auf...."

  • Herr Schäffler ist einer der großen Hoffnungsträger in der deutschen Politik. Offensichtlich ist die Karre von Merkel, Schäuble, Westerwelle, Rösler und Co. noch nicht tief genug in den Dreck gefahren, um Leuten wie ihn an die Macht zu lassen. Wir müssen noch etwas warten. Das Schicksal der FDP entscheidet sich in ihrer Haltung zu den wahnwitzigen Rettungspaketen. Ofensichtlich wir diese Chance auf dem Parteitag vertan. Für Leute wie Schäffler gibt es auch eine politische Zukunft nach der FDP.

  • Wenn die FDP weiterhin bereit ist Milliardenhilfen für angeschlagene Staaten auszugeben, wird sie unter 5% bleiben!

  • Der einzig vernünftige Wirtschaftsfachmann in der Fraktion. Die Partei bleibt weg vom Fenster, wenn sie ihn weiter auszubremsen versucht. Die angepassten Teflon-Figuren von Rösler bis Hinterbank bringen nichts und haben auch keinen Plan.

  • Griechenland ist pleite, ein Schuldenschnitt auch mit allen daraus folgenden Konsequenzen unvermeidbar. 8o% aller Ökonomen haben das erkannt und sprechen es inklusive eines zeitweiligen Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone inzwischen auch unverblümt aus. Wer sich darum herummogeln möchte, denkt möglicherweise bis morgen aber nicht bis übermorgen und darüber hinaus.

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