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EVG und GDL Eisenbahner-Gewerkschaften fordern mehr Freizeit

Nach der Lokführergewerkschaft GDL hat nun auch die EVG ihre Forderungen für die Tarifrunde formuliert. Im Vordergrund steht die Freizeit des Zugpersonals.
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Die Mitarbeiter der Bahn wollen entlastet werden. Quelle: dpa
Regionalverkehr Frankfurt

Die Mitarbeiter der Bahn wollen entlastet werden.

(Foto: dpa)

Berlin In seltener Einmütigkeit gehen die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in die kommende Tarifrunde bei der Deutschen Bahn. Im Vordergrund stehen Forderungen nach einer Entlastung des Zugpersonals und einer Ausweitung der Wahloption „Mehr Geld oder mehr Freizeit“.

Die GDL hatte ihren insgesamt 38 Punkte umfassenden Katalog bereits am 7. September präsentiert. Am Mittwoch entschied dann auch die Tarifkommission der EVG, die zuvor ihre Mitglieder befragt hatte.

Die Lohnforderung von 7,5 Prozent erscheint auf den ersten Blick außergewöhnlich hoch. GDL-Chef Claus Weselsky hat aber bereits deutlich gemacht, dass er einen zweistufigen Abschluss bei einer Laufzeit von 24 Monaten anstrebt. Die EVG hat sich offiziell zur Laufzeit nicht geäußert. Auch hier kalkuliert man intern aber mit zwei Jahren.

Bei der EVG steht eine Ausweitung des in der letzten Tarifrunde mit beiden Gewerkschaften vereinbarten Optionsmodells im Vordergrund. Die Beschäftigten hatten damals die Wahl zwischen der zweiten Tariferhöhungsstufe von 2,6 Prozent, einer um eine Stunde verkürzten Wochenarbeitszeit oder sechs zusätzlichen Urlaubstage.

56 Prozent der Beschäftigten wählten die Urlaubsoption, gut 41 Prozent das Geld, der Rest die Arbeitszeitverkürzung.

Dieses Modell will die EVG jetzt ausweiten: „Das Interesse, auch in der Tarifrunde 2018 noch einmal zwischen mehr Geld, mehr Urlaub oder einer Arbeitszeitverkürzung wählen zu wollen, ist groß“, sagte Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. So hätten sich in der Mitgliederbefragung 45 Prozent der Befragten für die Option „noch einmal mehr Urlaub“ ausgesprochen.

Bahn hält weitere Arbeitszeitenverkürzungen für nicht machbar

Um das Arbeitszeitvolumen trotz des neuen Wahlmodells einhalten zu können, hatte die Bahn nach der letzten Runde 1.500 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Die Leiterin des Bereichs Beschäftigungsbedingungen, Sigrid Heudorf, hatte aber jüngst gegenüber dem Handelsblatt klargestellt, dass der Konzern damit das Ende der Fahnenstange erreicht sehe. Weitere Arbeitszeitverkürzungen seien nicht drin.

Neben der Erweiterung des Wahlmodells will die EVG eine Erhöhung des Arbeitgeberanteils zur betrieblichen Altersvorsorge und eine flexiblere Handhabung der auf Langzeitkonten angesparten Zeitguthaben erreichen.

Die GDL strebt ebenfalls einen Ausbau der Wahloption zwischen Vergütung und Urlaub an. Zudem fordert sie höhere Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge sowie feste Besetzungsnormen für die Züge des Nah- und Fernverkehrs.

Die diesjährige Tarifrunde findet unter schwierigen Voraussetzungen statt. Erst vor wenigen Tagen hatte Bahn-Chef Richard Lutz in einem Brandbrief an alle Führungskräfte die „schwierige Situation“ des Staatskonzerns beklagt.

So liegt der Gewinn 160 Millionen Euro unter Plan, die Verschuldung nur knapp unter der von den Haushältern des Bundes gesetzten Grenze. Der Vorstand bange um die „wirtschaftliche Stabilität“ des Konzerns, schrieb Lutz.

Die Bahn hat sich offiziell zu den Gewerkschaftsforderungen bisher nur dahingehend geäußert, dass sie wie in der Vergangenheit gleiche Ergebnisse für gleiche Berufsgruppen anstrebt – egal, ob sie bei der GDL oder der EVG organisiert sind.

Die Verhandlungen mit der EVG beginnen am 11. Oktober, die Gespräche mit der wesentlich kleineren GDL einen Tag später. Verhandelt wird für rund 154.000 Mitarbeiter in Deutschland. Laut Bahn fallen 99.000 Beschäftigte in den Tarifbereich der EVG. Für die 35.000 Mitarbeiter des Zugpersonals verhandeln sowohl GDL wie auch EVG.

Beide Gewerkschaften hatten sich in der Vergangenheit einen harten Konkurrenzkampf untereinander als auch mit dem Arbeitgeber geliefert. Auch infolge einer daraus resultierenden Streikwelle hatte die Bundesregierung 2015 das Tarifeinheitsgesetz beschlossen.

Es sieht vor, dass in einem Betrieb, in dem zwei Gewerkschaften um die gleichen Beschäftigtengruppen konkurrieren, nur der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern im Betrieb zur Geltung kommt. Die Bahn hat sich aber mit GDL und EVG geeinigt, das Gesetz bis 2020 nicht anzuwenden.

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