Ex-AfD-Chef Lucke nährt Spekulationen über neue Partei

Laut einer aktuellen Emnid-Erhebung geht es für die Partei Alternative für Deutschland nach dem Streit um die Parteiführung nur noch in eine Richtung – steil bergab. Unterdessen meldet sich der Ex-Chef Lucke zu Wort.
Kommentieren
Konkurrieren diese beiden bald um ihre Wähler? Ex-Afd-Vorsitzender Bernd Lucke (l) und und die neue Partei Vorsitzende Frauke Petry. Quelle: dpa
AfD verliert an ZUstimmung

Konkurrieren diese beiden bald um ihre Wähler? Ex-Afd-Vorsitzender Bernd Lucke (l) und und die neue Partei Vorsitzende Frauke Petry.

(Foto: dpa)

BerlinDer abgewählte Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, nährt Spekulationen über die Gründung einer neuen Partei. Lucke sagte der „Bild“-Zeitung vom Samstag, Deutschland brauche eine neue eurokritische Partei, „die mit Griechenland endlich mal klaren Tisch macht“. Auch der frühere AfD-Politiker und EU-Parlamentarier Hans-Olaf Henkel sagte, er sehe noch „sehr viel Platz für eine neue Partei“.

Lucke sagte der „Bild“, Deutschland brauche angesichts der andauernden Schuldenkrise Griechenlands eine neue eurokritische Partei. Die Bundesregierung gebe gegenüber Athen „mal wieder nach wie Kaugummi“, kritisierte er. Henkel sagte der „Passauer Neuen Presse“, es gebe zwischen „einer jetzt scharf nach rechts abbiegenden AfD und einer schon länger nach links abgedrifteten CDU sehr viel Platz für eine neue Partei“.

Alleine mit der Kritik am Euro lassen sich nach Ansicht Luckes allerdings keine Wahlen mehr gewinnen. „Eine rein eurokritische Partei würde nicht erfolgreich sein“, sagte Lucke der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Bei der Gründung der AfD war Lucke vor zweieinhalb Jahren noch mit der zentralen Forderung nach einer „geordneten Auflösung des Euro-Währungsgebietes“ angetreten.

Auf dem AfD-Parteitag vor einer Woche hatte sich Luckes Rivalin Frauke Petry in einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz durchgesetzt. Petry vertritt den nationalkonservativen Flügel der Partei. Lucke, der den eurokritischen und wirtschaftsliberalen Flügel anführte, erklärte inzwischen seinen Austritt aus der Partei - wie etwa rund 2000 andere Mitglieder.

„Das ist nicht mehr meine Partei“
Bernd Lucke
1 von 7

Bernd Lucke hat sich verkalkuliert. Mit so einer deutlichen Niederlage auf dem Bundesparteitag (seiner) der Alternative für Deutschland hatte er nicht gerechnet. Seine Anhänger sprechen von einem Massenaustritt. Spekulationen über eine mögliche Partei-Neugründung unter Lucke machen die Runde. Fünf führende AfD-Politiker haben die Partei schon verlassen. Und der Grund ist nicht allein der Wahlsieg Frauke Petrys...

Hans-Olaf Henkel, Ex-Parteivize
2 von 7

„Mit der Wahl Petrys zur alleinigen Parteisprecherin hat sich die Mehrheit der in Essen anwesenden Parteimitglieder nicht nur für einen scharfen Rechtskurs, sondern auch für Pöbelei, Protest und dem Verbreiten von Vorurteilen entschieden“, sagte Henkel zur Begründung.

Ulrike Trebesius, AfD-Europaabgeordnete
3 von 7

usNach dem Sieg des nationalkonservativen Flügels der AfD beim Parteitag in Essen hat auch die AfD-Europaabgeordnete und schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ulrike Trebesius ihren Austritt aus der Partei angekündigt. Dies sei nicht mehr ihre Partei, sagte Trebesius dem Sender NDR 1 Welle Nord. Derweil könnte die Entscheidung über einen kollektiven Austritt des wirtschaftsliberalen Parteiflügels noch diese Woche fallen.

Konrad Adam, Mitbegründer der AfD
4 von 7

Auch wenn es vielleicht auf dem Foto von Samstag nicht so aussieht, Adam ist einer derjenigen, die den Ausstieg in Betracht ziehen. „Ich habe noch nicht entschieden, ich erwäge es aber“, sagte er. Er habe sich während des Bundesparteitages in Essen am vergangenen Wochenende sehr über die „Bierzeltparolen“ einiger Teilnehmer geärgert. Der neuen Parteivorsitzenden Frauke Petry warf er vor, sie predige zwar Basisdemokratie, sei aber dabei, die AfD in eine gut organisierte Kaderpartei zu verwandeln.

Uwe Zimmermann, Landesvorsitzender AfD Rheinland-Pfalz
5 von 7

Auch der AfD-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz hat hingeschmissen: Uwe Zimmermann erklärte zusammen mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern seinen Austritt aus der Partei. Grund sei Luckes Niederlage. Die drei Vorstandsmitglieder waren ebenfalls Unterzeichner des „Weckrufs“.

Bernd Kölmel, Vorsitzender AfD Baden-Württemberg
6 von 7

Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kündigte auch Kölmel am Montag an, die AfD zu verlassen. Kölmel begründete seine Entscheidung mit der Wahl von Petry zur Parteivorsitzenden und mit der Wahl weiterer Nationalkonservativer in den Bundesvorstand. „Ich fühle mich von diesem Vorstand nicht mehr repräsentiert“, sagte Kölmel. Zudem sei auf dem Bundesparteitag in Essen ein „politischer Stil“ gepflegt worden, den „ich nicht tolerieren kann“.

Joachim Starbatty, AfD-Parteivorstand
7 von 7

Luckes Anhänger vom wirtschaftsliberalen Flügel hatten bereits am Wochenende angekündigt, in den kommenden Tagen über einen kollektiven Parteiaustritt zu entscheiden. Für Ökonomie-Professor Starbatty ist die Entscheidung gefallen. Gründe nannte er nicht.

Die CDU betonte, keine enttäuschten AfD-Mitglieder aufnehmen zu wollen. „Nach diesem Parteitag glaubt doch niemand ernsthaft, dass es mit solchen Leuten irgendeine Zusammenarbeit geben kann“, sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber dem „Spiegel“. Wer bei der AfD mitmache, der könne kein Christdemokrat sein.

Unterdessen stürzte die AfD einer neuen Umfrage zufolge in der Wählergunst ab. Der Erhebung des Instituts Emnid für die Zeitung „Bild am Sonntag“ zufolge erreicht die AfD derzeit nur drei Prozent aller Wählerstimmen und damit zwei Prozentpunkte weniger als noch vor einer Woche. Dies sei der schlechteste Wert seit September 2013.

  • afp
Startseite

Mehr zu: Ex-AfD-Chef - Lucke nährt Spekulationen über neue Partei

0 Kommentare zu "Ex-AfD-Chef: Lucke nährt Spekulationen über neue Partei"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%