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Ex-Kanzler Gerhard Schröder wirft SPD-Chefin Nahles „Amateurfehler“ vor

Gerhard Schröder präsentiert seiner SPD via Interview ein Rezept, wie sie wieder den nächsten Kanzler stellen könnte. Ein alter Bekannter spielt dabei eine größere Rolle.
Update: 01.02.2019 - 16:18 Uhr Kommentieren
Gerhard Schröder: News zum früheren SPD-Politiker und Ex-Kanzler Quelle: Reuters
Gerhard Schröder

Der frühere Kanzler wirft SPD-Chefin Andrea Nahles vor, Fehler zu machen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfMitten in einer der größten Krisen der Sozialdemokraten meldet sich der frühere Kanzler Gerhard Schröder zu Wort: In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ wirft er Parteichefin Andrea Nahles vor, „Amateurfehler“ gemacht zu haben und plädiert dafür, dass ihr Vorvorgänger Sigmar Gabriel wieder mehr Verantwortung in der SPD bekommt.

In dem Interview kritisiert Schröder insbesondere Nahles' Wortwahl: Auf dem Parteitag im Dezember 2017 sei sie zwar noch nicht Vorsitzende gewesen, als sie ein „Bätschi“ zu der Aussage hinzufügte, dass die SPD sich in den Koalitionsverhandlungen teuer verkauft habe. Aber: „So drückt man sich einfach nicht aus“, sagte Schröder.

Damit die Sozialdemokraten wieder eine Chance hätten, den nächsten Kanzler zu stellen, müsste die Mehrheit der Menschen der Partei „ökonomische Kompetenz“ zubilligen, sagte der frühere Kanzler. Auf die Frage, ob Nahles darüber verfüge, antwortete er: „Ich glaube, das würde nicht mal sie selbst von sich behaupten.“

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hingegen habe bereits bewiesen, „dass er was von Wirtschaft versteht“, sagte Schröder dem „Spiegel“. Er habe bereits erfolgreich Hamburg regiert. Gutes Regieren sei Voraussetzung für einen guten Politiker. Das allein aber genüge nicht: „Man muss es auch nach außen kommunizieren.“

Genau das gilt allerdings als größte Schwachstelle von Scholz. Kaum jemand würde dem Bundesfinanzminister vorwerfen, sich in Sachfragen nicht auszukennen. Aber Scholz ist nicht gerade eine Rampensau oder ein Charismatiker. Und auch in der eigenen Partei ist er nicht gerade beliebt, auf Parteitagen fährt er regelmäßig die schwächsten Wahlergebnisse ein. Bei seiner jüngsten Wahl als Parteivize bekam er gerade mal 59 Prozent.

Und dennoch gilt Scholz mangels Alternativen Stand heute als Favorit, in den nächsten Wahlkampf als Kanzlerkandidat für die SPD zu ziehen. Das scheint intern auch die Absprache zwischen Scholz und Parteichefin Andrea Nahles zu sein. Anders ist kaum zu erklären, warum Scholz ständig mit Vorschlägen wie zu Mindestlohn, Rente oder Strukturwandel für Aufsehen sorgt, und nicht Nahles.

Neben Scholz fand Schröder lobende Worte für Sigmar Gabriel. Der ehemalige Vizekanzler sei einer der begabtesten Politiker, den die SPD je gehabt habe. Er müsse zwar selbst entscheiden, ob er wieder eine größere Rolle in der Partei spielen wolle. „Aber die SPD könnte von seinen Fähigkeiten nach wie vor profitieren“, sagte Schröder laut dem Blatt.

Gabriel hat nach wie vor ein Fanlager in der SPD. Wenn er irgendwo auftritt, sind die Säle voll. Wie kein zweiter in der Partei versteht er es, komplexe Sachverhalte zu erklären, Stimmungen in der Bevölkerung mit seinem Bauchgefühl vorauszuspüren. „Ich bedaure sehr, wie Scholz und Nahles mit ihm umgegangen sind. Wir können es uns in diesen Zeiten nicht leisten, auf seine Strahlkraft zu verzichten“, sagt ein führender Genosse.

Allerdings ist ein schnelles Comeback mehr als unwahrscheinlich. Zu oft hat Gabriel im Wahlkampf quer geschossen. Und zu sehr hat er als SPD-Chef seine damalige Generalsekretärin Nahles, aber auch seinen Stellvertreter Scholz gedemütigt. Beide waren deshalb nach der Wahl überzeugt: Eine reibungslose Zusammenarbeit mit Gabriel als Außenminister ist nicht möglich.

Deshalb haben sie ihn nach der Wahl als Außenminister abgesägt. Und auch bei seiner Demission hat Gabriel nicht unbedingt ein gutes Bild abgegeben, als er ziemlich beleidigt eine persönliche Erklärung über die sozialen Netzwerke abgab.

Die Sozialdemokraten verharren seit Wochen in einem Umfragetief. Beim jüngsten Politbarometer erreichte die Partei erneut lediglich nur 14 Prozent der Stimmen, im Deutschlandtrend lagen sie in der vergangenen Woche bei 15 Prozent.

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