Experten warnen Strom-Turbulenzen bei AKW-Abschaltung möglich

Im Mai gehen neben den acht schon abgeschalteten AKW weitere Meiler wegen Revisionen vom Netz. Damit fallen mehr als 75 Prozent der Leistung aus den 17 AKW aus. Das birgt ungeahnte Risiken, warnen Experten.
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Strommasten. Quelle: dpa

Strommasten.

(Foto: dpa)
Berlin/Düsseldorf

Mit der Abschaltung von bis zu 13 Kernkraftwerken im Mai könnte der Einsatz der Notstromaggregate zur Kühlung der Reaktoren erforderlich werden. Fachleute warnen im Handelsblatt vor diesem ungeplanten und risikoreichen Test für den Ernstfall.

Grund ist, dass im Mai voraussichtlich 13 von insgesamt 17 deutschen Meilern still stehen. Sieben sind im Zuge des Moratoriums abgeschaltet, der Reaktor Krümmel ist und bleibt ohnehin abgeschaltet; für fünf weitere Meiler stehen im Mai mehrwöchige Revisionen an. "Das wird eng. Es stellt sich die Frage, ob wir dann noch ausreichend gesicherte Leistung haben. Außerdem wird sich erst noch erweisen müssen, ob die Netzkapazitäten ausreichen, um den Strom dann dort hin zu leiten, wo er gerade gebraucht wird", sagte Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), dem Handelsblatt. Voraussichtlich fallen im Südwesten gleich mehrere Kernkraftwerke weg, es müssen also große Strommengen dorthin transportiert werden, um die Versorgung zu gewährleisten. Die Netze werden dadurch stark belastet.

Die Situation lasse sich nur bewältigen, wenn es gelinge, alte fossil betriebene Kraftwerke schnell genug ans Netz zu bringen. "Außerdem müssen wir akzeptieren, dass dann der Importanteil steigt", sagte Kohler. Den raschen Wegfall so großer Erzeugungskapazitäten könne man jedenfalls "nicht so einfach freizeichnen", warnte Kohler. Die Gefahren für die Versorgungssicherheit und die Netzstabilität seien erheblich.

Für den Meiler in Grohnde (Eon) ist die jährliche Überprüfung am 3. Mai geplant. Quelle: dpa

Für den Meiler in Grohnde (Eon) ist die jährliche Überprüfung am 3. Mai geplant.

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Sollte das Netz den Anforderungen nicht gerecht werden, könnte das ungeahnte Konsequenzen haben. "Netzausfälle bergen erhebliche Sicherheitsrisiken für die Reaktoren", sagte Kohler. "Wenn es zu Turbulenzen im Netz kommt, ergeben sich unschöne Situationen", sagte Lothar Hahn, bis Frühjahr 2010 Geschäftsführer der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), mit Blick auf den Kühlbedarf der Reaktoren.

Denn auch abgeschaltete Reaktoren benötigen Strom, damit die Kühlung funktioniert. Fällt das Netz aus, muss auf die Notstromaggregate zurückgegriffen werden. Einschlägigen Studien zufolge wachsen mit einem Netzausfall und dem Einsatz der Notstromversorgung die Unfallrisiken erheblich.

Die Leiterin der Abteilung "Energie, Verkehr und Umwelt" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, betonte indes im Gespräch mit Handelsblatt Online, dass der Kühlbedarf von Reaktoren immer sichergestellt sein müsse. Und auch die Notstromversorgung müsse "immer und grundsätzlich sicher gestellt" sein. Kemfert hält daher nichts von der Panikmache der GRS. "Die Androhung, dass Notstromaggregate durch die Abschaltung von Kernkraftwerken nicht mehr funktionieren, schürt unnötige Angst der ohnehin schon verunsicherten Bevölkerung."

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15 Kommentare zu "Experten warnen: Strom-Turbulenzen bei AKW-Abschaltung möglich"

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  • Soso Turbulenzen soll es gegeben.

    Im Schwäbischen gibt es diverse Firmen, z.B. Motorenbauer, die BHKW anbieten, damit läßt sich Strom und Wärme vor Ort schnell erzeugen, ohne dass das Netz belastet wird.

    Das ist doch hier nur Panikgeschwafle der AKW Lobby!

  • Der Westeuropaplattenriß hieß früher mal "Eiserner Vorhang" und es hätte auch keiner geglaubt, daß der mal fällt. War also doch auch möglich. Warum sollte das Scenario so abwegig sein? Brauchen aber keine Angst zu haben, denn die hohen Damen und Herren sehen das samt seiner Folgen weniger japanisch-apokalyptisch sondern eben nur als Restrisiko-oder?

  • Da kommt also Atomlobby und versucht mit den Menschen Angst vor einem Stromausfall einzujagen mit den Worten: "Einschlägigen Studien zufolge wachsen mit einem Netzausfall und dem Einsatz der Notstromversorgung die Unfallrisiken erheblich."

    Wenn das mal nicht nach hinten losgeht. Damit haben wir ja das Eingeständnis, das auch die verbleibenden neun Reaktoren ein Sicherheitsproblem haben und schnellstmöglich, am besten noch vor 2017, auf den Müllhaufen der Geschichte befördert werden sollten.

    A propos Müllhaufen: Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass der Politrentner Professor Sinn im Auftrag der Atomlobby aus seinem Altersheim gekrochen kommt, um der Menscheit im Handelsblatt zu erklären, dass er sich eine moderne Energieversorgung gar nicht so genau vorstellen kann. Danke, Herr Sinn. Haben wir auch nicht erwartet.

  • ScenarioTeil2/Hüttl:"Wir müssen das tatsächliche Erdbebenrisiko…".Entsteht diese Westeuropaplatte, sinkt der westliche, atlantische Bereich ab,die Platte kippt,Ostisland sinkt ab,der östliche Festlandsbereich(Britische Inseln,Frankreich,Spanien,teilweise D) würde emporgehoben,mehr Landmasse entstünde,da solche Kipp-/Hebevorgänge vertikale Landmassenbewegungen von über 2,5m bis mehrere Meter Höhenunterschied erzeugen,weshalb das Meer durchaus um ca. 500m zurückweichen kann(8,8 Erdbeben v.27.02.10 in Chile mit Epizentrum im Pazifik nordöstlich Concepción,als Meeresboden über mehrere 100km einbrach,horizontale Plattenverschübe von mehren Metern auftraten).Auch am 11.03.11 beim Japan-Erdbeben 8,9 sank der Nordosten um 0,75m, der Südwesten aber nur um Millimeter ab.Es startete 129km vor Sendai,dort riß das Gestein 32km tief im Meeresboden,der fast so rasant brach wie eine sich öffnende Gletscherspalte,d.h. 3,5 Minuten lang raste der Bruch als 60km tiefer,400km langer Riß durchs Gestein,löste so einen Teil der Spannung zwischen beiden Plattenrändern.Die größte Erschütterung erfolgte aber, weil der dort nach Süden ragende Zipfel der oben liegenden nordamerikanischen Platte um 27m nach vorn ruckte,d.h. nach Osten,sich dabei um 7m nach oben bewegte.Der Westeuropaplattenriß würde nicht nur D tektonisch teilen sondern wegen ca.10 AKWs(D+F) entlang der Verwerfungslinie genauso eine Nuklearkatastrophe auslösen-nur wann?

  • ScenarioTeil1/Hüttl:"Wir müssen das tatsächliche Erdbebenrisiko in D…und die richtigen Schlüsse ziehen".Dazu Denkanstoß zur Risikoanalytik,weil nichts mehr unmöglich ist.Da sich die afrikanische Platte(anhaltendes Auffalten der Alpen) und die südamerikanische Platte(ca.1,5cm/a) nach Norden schieben, weicht die nordamerikanische Platte dem Druck nach Westen hin aus.Der Westrand der eurasischen Platte mit seinem alten,schweren Gestein sinkt ab und bricht mit folgendem Rißverlauf,wodurch sich der Westteil als neue Platte bildet, ich nenne sie: Westeuropaplatte.Der Riß ginge vom Nordrandeinschnitt an der afrikanischen Platte(etwa bei Tripolis), durch den nordwestlichen Mittelmeergraben vor Italien(Vesuv,Etna) in Richtung Marseille,weiter über den Rhonegraben(Erdbenenzone) westalpin in Richtung Rheinknie, verspringt bei Basel zum Rheingraben(4,8-Erdben,Eifelmaareaktivitäten) weiter in Richtung Küste,geht durch die Nordsee(Absenkung Nordseeküstenshelf) nach Norden bis zum Skagerrakgraben vor Norwegen,im Bogen durch den Nordatlantik nach Nordwesten bis Island (Vulkane,Geysire,Mittelatlantikriß),mündet in den Wurmfortsatz dieses Mittelatlantikrisses,d.h. trifft dort am atlantischen Riff auf den Ostrand der nordamerikanischen Platte.Dadurch würde sich eine neue tektonische Plattenverwerfungslinie von Nordarfika über F,D bis Island bilden mit ähnlichen Verwerfungen,Spalten,wie sie als Mittelatlantikriß bereits auf Island auftreten oder sich auch entlang des San Andreas Grabens zeigen.

  • Es gibt durchaus Möglichkeiten, aber dann muss man die Betreiber von Erneuebaren Energien wie z.B. Windparks dazu verpflichten eine Grundlast und eine verläßlichen Fahrplan zu erzeugen. Also Förderung nur, wenn es eine Kombination schwankendem Strom und verläßliche Grundlast gibt.
    Sorry, dass fehlt noch und ist kein Versäumnis der Regierung. Dies ist von den Grünen nicht gewünscht. Wollen halt nur ihre Lobby bedienen.

    Wenn es keine AKWs und Kohlekraftwerke mehr gibt, was machen dann eigentlich die Grünen?

  • wenn die Wasserstofftechnik mit eingebaut wird und vom heutigen und zukünftigen Wind in Norddeutschalnd H² großtechnisch gemacht wird haben wir Grundlast durch diesen Wind, da Wasserstoff der Speicher ist und die vorhandene Gasleitungen der Transporteur ist.
    Das wollen doch die heutigen Betrieber verhindern und da wir nun sicher Wissen ist die Kungeltante Angi mit der mafiosen Truppe.
    Überlegt am 3 km schwerste Erdkabel (Siemens) werden nicht gebaut! Kernkraftwerke werden abgeschaltet nd die Wasserstofftechnik machen dann andere. Da bleibt nicht mehr viel mit dessen Management das von dieser Technik keine Ahnung haben will.
    Wir brauchen einen Energieumsturz in D
    Übrigens auch in Zukunft wird es einen EU Energieverbund geben ob das mit Strom oder H² oder beiden erfolgt ist dabei unerheblich

  • BDI die Atomlobi!
    Es wird doch erst richtig interesannt wenn es zu Stromengpässen kommt und die Industrie wie jetzt in Japan abwechselnd Produzieren muß ,bin schon gespannt wie sich die Kanzlerin dann verhält
    Atomstrom nein Danke

  • Ein ahnungsloser Schreiberling schreibt den größten Blödsinn den ich je gelesen habe! Warum:
    1. Durch die Kernkraft hatten wir etwa 20% Atomstrom
    Die Wind - und Solarenergie bringt z. Zt. 18 %, als haben wir immer noch Überschuß und es können bestimmt noch 5 Kernkraftwerke in Revision gehen.
    Selbst wenn in Süddeutschland zu viel fehlt, so liegt doch die Schweiz, Österreich und Frankreich zur Aushilfe vor der Grenze. Da ändert sich heute nichts und auch nicht in Zukuft. 100% Autark wird es auch bei 0% Kernenergie geben.
    Wenn unsere schlaue Regierung demnächst draufkommt, dass es auch die Wasserstofftechnik gibt, dann wird Energie sogar billiger!
    Die Interessen-Gauner-Mafia Merkel Guido Mappus mit den Kraftwerksbetreibern wollen doch das gerade verhindern.
    Wir haben verlogene Gauner Politiker. Ich wünsche mir dass da Herr Kretschmann dagegen ein Vorbild sein wird

  • Hallo Atomlobby!

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