„extra drei“ Premiere in der ARD Statt Beckmann nun „Cyber Günther“-Gags

Der NDR-Klassiker „extra drei“ debütierte auf dem Beckmann-Sendeplatz mit einer unterhaltsamen Für-jeden-etwas-Show. Allerdings droht die Gefahr, dass eine öffentlich-rechtliche Comedyshowflut die Talkshowflut ergänzt.
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extra drei-Moderator Christian Ehring (rechts) beim Debüt in der ARD.

extra drei-Moderator Christian Ehring (rechts) beim Debüt in der ARD.

In den vergangenen vier Jahren konnte man sich darauf verlassen, dass Donnerstags nach den „Tagesthemen“ stets Reinhold Beckmann talkt. Im Mai 2013 hatte er, lange im Voraus angekündigt, seine Talkshow aufzugeben - damals war die Kritik an der "Talkshowflut" im starren ARD-Programmkorsett mit fünf Abendtalks pro Woche sehr laut gewesen. Vor zwei Wochen nahm er dann den Abschied. Und gestern ließ sich erstmals ansehen, womit die ARD den freigewordenen Sendeplatz nun füllt: Es ist das, was das ZDF am Freitag zur gleichen Zeit bringt und nicht gerade kurz kommt im Fernsehen - „Satire, Comedy und Kabarett“.

Am Donnerstag feierte das NDR-Format „extra 3“, das seit sage und schreibe 1976 im Dritten Programm des NDR auf Sendung ist, Premiere in der ARD. Und gleich zu Anfang begegnete Moderator Christian Ehring seinen ZDF-Counterparts Oliver Welke und Gernot Hassknecht von der freitäglichen „heute show“. Kein Wunder, zum „heute show“-Team gehört Ehring ebenfalls. Das Personal der Comedyshows ist oft dasselbe, so wie die Rezepte ähnlich und die Gags oft austauschbar sind. Vor enthusiasmierten Studio-Publikum werden Livesketche vorgeführt und vorproduzierte Einspielfilme eingespielt, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Doch immerhin, die Traditionsmarke „extra 3“ hat sich zur ARD-Premiere Mühe gegeben. Das Themenspektrum reichte von den aktuell Furore machenden, vom Ex-Ghostwriter veröffentlichten Helmut-Kohl-Beleidigungen, die Ehring einfach nur vorzulesen brauchte, um Gelächter im Studio zu erzeugen, über die Bundeswehr-Probleme und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, der die Redaktion einen aus Audio- und Video-Schnipseln montierten, sauber gereimten Song („Uschi lass es sein“) widmete, bis zum Dauerbrenner sämtlicher Comedyshows, der katholischen Kirche. Ein Blick in deren Zukunft ergab, dass im Jahre 2032 gar der vielfach geschiedene Lothar Matthäus werde kirchlich heiraten dürfen, „schließlich hat er ein Evangelium geschrieben“.

Wem das oder der kombinierte Bundeswehr-Fußball-Gag „Die Bundeswehr könnte derzeit nur einen einzigen Gegner bezwingen - Borussia Dortmund“ zu platt war, der konnte womöglich über einen Scherz über die EU-Kommission lachen, die Jean-Claude Juncker gerade mit „unserem Cyber-Günther“ Oettinger bildet („So viele Fehlbesetzungen bei den Kommissaren kenne ich sonst nur vom Bodensee-'Tatort'“), oder über eine Persiflage der Lokführer-Gewerkschaftsfunktionäre. Zum „extra drei“-Mix gehören außerdem Fundstücke aus anderen Fernsehsendungen oder Presseberichten, die einfach nur gezeigt oder trocken vorgelesen werden und im neuen Kontext witzig wirken. Die „Tagesthemen“-Nachricht „Der für Dienstag angekündigte Streik der Lokführer hat pünktlich begonnen“ etwa wirkt, wenn man genau hinhört, zumindest für häufige Bahnkunden, für die Pünktlichkeit ohnehin ein Reizwort ist, ziemlich lustig.

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  • Besser Comedy, als scheinheilige Talkshows, die gar nicht die Wahrheit und Ursachen der Konflikte z.B. ISIS oder Ukraine klären wollen, sondern nur der allgemeinen Meinungsmanipulationen dienen.

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