Extremismus Von der Leyen kritisiert „falschen Korpsgeist” der Truppe

Zu viel Korpsgeist, eine angebliche Todesliste, Pannen bei der Asyl-Anhörung: Ministerin von der Leyen macht der Truppe schwere Vorwürfe. Der Bundeswehrverband reagiert schockiert auf die Minister-Kritik.
Update: 01.05.2017 - 18:49 Uhr 13 Kommentare

Bundeswehr: Kritik an Ministerin von der Leyen

Bundeswehr: Kritik an Ministerin von der Leyen

BerlinVerteidigungsministerin Ursula von der Leyen erhebt nach dem Skandal um mutmaßliche Anschlagspläne eines rechtsextremen Offiziers schwere Vorwürfe gegen die eigene Truppe. „Die Bundeswehr hat ein Haltungsproblem, und sie hat offensichtlich eine Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“, sagte die CDU-Politikerin am Sonntag im ZDF. Von der Leyen ist seit 2013 als Verteidigungsministerin Vorgesetzte der deutschen Soldaten. In einem offenen Brief an die Angehörigen der Bundeswehr schrieb sie, dass die jüngsten Skandale in der Truppe keine Einzelfälle mehr seien. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, André Wüstner, äußert sich „schockiert“ über die Minister-Kritik.

Der Oberleutnant Franco A. sitzt seit seiner Festnahme am Mittwoch in Frankfurt in Untersuchungshaft. Der mutmaßliche Rechtsextremist soll als Flüchtling getarnt eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben. Nach Angaben von Ermittlern führte der Mann aus Offenbach eine Liste mit möglichen Anschlagsopfern. Auch ein 24-jähriger mutmaßlicher Komplize sitzt in U-Haft.

Wüstner kritisierte die Vorhaltungen von der Leyens scharf. „Das kann keiner nachvollziehen, wie sich eine Ministerin jetzt sozusagen auf die Tribüne verabschiedet und über ihre Mannschaft urteilt“, sagte er „MDR Aktuell“. Das sei „unglaublich“. Der „Augsburger Allgemeinen“ (Dienstag) sagte Wüstner: „Politiker an Bundeswehrstandorten, Menschen aus der Bundeswehr und Angehörige, viele Soldaten im Auslandseinsatz - alle sind über diese Verallgemeinerungen entsetzt.“ Wie solle man das einem Soldaten, der in Mali unter schwierigsten Bedingungen mit zum Teil nur bedingt guter Ausrüstung Dienst tue, erklären, fragte Wüstner.

Die Ministerin nehme weiteren Schaden im Verhältnis zwischen Politik und Bundeswehr in Kauf, ohne genau zu sagen, auf welcher Faktenlage sie kritisiere. „Ich erwarte von ihr, dass sie umgehend Transparenz schafft, wie der Vorwurf, dass die gesamte Bundeswehr ein Problem mit „Führung und Haltung“ hat, zu rechtfertigen ist“, forderte der Chef des Verbandes, der die Interessen von Soldaten in dienstlichen und sozialen Fragen vertritt.

Von der Leyen müsse ihre Aussagen schnell zurechtrücken und einordnen, „sonst wird das die Motivation der Truppe tiefgreifend beeinflussen und auch das Vertrauen in die politische Führung schwächen - und das ist schon jetzt nicht mehr sehr groß“, sagte Wüstner der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag).

Auch aus der SPD kam scharfe Kritik an von der Leyen. „Wer nach drei Jahren im Amt über ein breites Führungsversagen in der Bundeswehr klagt, der klagt sich selbst an“, sagte SPD-Vize Ralf Stegner dem „Tagesspiegel“ (Dienstag). „Frau von der Leyen hätte ausreichend Zeit gehabt, um die Missstände abzustellen.“ Stattdessen versuche sie am Ende der Wahlperiode, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold beklagte ein strukturelles Problem der Bundeswehr im Umgang mit rechtsradikalen Vorkommnissen. „Die Ministerin hätte schon lange gegensteuern müssen“, sagte Arnold nach Angaben seiner Partei. Die schlechte Informationspolitik innerhalb der Bundeswehr habe mit einer verfehlten Reform des Vorgängers Thomas de Maizière zu tun. „Statt dieser Aufgabe gerecht zu werden, beschimpft sie pauschal die Truppe“, kritisierte Arnold.

Von der Leyen bestätigte, dass die rechtsextreme Gesinnung des Soldaten den Vorgesetzten schon länger bekannt war. Seine Masterarbeit von 2014 habe „ganz klar völkisches, dumpfes Gedankengut“, so die Ministerin. Die Vorgesetzten hätten ihre Verantwortung nicht wahrgenommen und die Haltung des Soldaten „aus falsch verstandenem Korpsgeist schöngeredet“.

Auf der Liste des verdächtigen Franco A. stand unter anderem der Name der aus der Neonazi-Szene häufig attackierten Berliner Linke-Abgeordneten Anne Helm. Dies bestätigte ein Polizeisprecher dem Sender rbb. Der Oberleutnant hatte sich eine falsche Identität als syrischer Flüchtling zugelegt. Die Verteidigungsministerin sagte, man wisse weiterhin nicht genau, was der Soldat plante und ob er Unterstützer hatte.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hatte dem Soldaten nach einer Anhörung auf Französisch Ende 2016 eingeschränkten Schutz als Kriegsflüchtling aus Syrien gewährt. Die „Nürnberger Nachrichten“ berichteten unter Berufung auf das Anhörungsprotokoll, die Asylakte weise zahlreiche Mängel und Ungereimtheiten auf. Früh habe es Hinweise gegeben, dass der Antragsteller unter seiner angeblichen Identität kaum in Erscheinung getreten sei. Seine Angabe über eine Verletzung, die er bei einem Angriff der IS-Terrormiliz erlitten habe, sei entgegen den Gepflogenheiten nicht überprüft worden.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) versprach eine strenge Untersuchung zur Frage, wieso der deutsche Soldat als Flüchtling aus Syrien registriert wurde. Bereits am Freitag hatte die Bundesregierung Fehler eingeräumt.

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13 Kommentare zu "Extremismus: Von der Leyen kritisiert „falschen Korpsgeist” der Truppe"

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  • Von der Leyen ist so was von falsch als Verteidigungsminister/in , wie
    noch keiner in Deutschland und da waren nicht immer die Hellsten auf der Torte.

    Sie muss zurück treten seit Wochen schon von mir gefordert, denn sie versteht immer
    noch nicht den Unterschied zwischen einen Bürger in Uniform und einer Privatarmee des Bundestages. In einer Volksarmee geht man wieder auseinander und hat andere Lebensläufe vor sich. In einer privat Armee wird der Korpsgeist immer
    größer und ausgefeilter. Der Feind ist die Politik und man wird alles tun sich zu schützen. Hier bedarf es keinen Verteidigungsminister der nur abgestellt wurde um ihn zu erledigen.

    Eine Privatarmee die man ja nur eingerichtet hat um die Drecksarbeit im Ausland für andere zu
    übernehmen um im Kreis der Wichtigen mitzureden. Alles gegen das GG das man sonst immer ran zieht, wenn der Bürger Forderungen stellt die nicht gefallen.

    Die Kriegslüsternen Grünen und die SPD haben nach Adolf Hitler wieder Krieg gegen andere Völker geführt (Serbien) Kosovo und damit alle Militaristen in Deutschland geweckt, Pfui,..Teufel. !

  • FRAU von der LEYEN

    bitte, halten Sie den Mund aber treten Sie bitte ab, und nicht undifferenziert zurueck!

    Das eigentliche Problem wird verlagert aus dem Ministerium, was fuer Einwanderung zusatendig ist, in die BW!

    ASYLANTEN-BETRUG EINE LACH-NUMMER hoch drei !

    Beim Bund hiess es:

    Wir trampeln durch die Felder, wir treten platt die Saat!
    Hurra!, wir verbloeden, fuer runs da zahlt der Staaat!

    ....und genau solche Verbloedungen finden auch in den Amtsstuben den
    IRRATIONALEN EINWANDERUNGSBEHOERDEN statt!

    dort zaehlen viele der Sesselfurtzer lieber ihre Tage bis zum Pensions- oder Renten-Eintritt, als fuer diese nicht gerade unguenstigen Bezuege, adaequate Leistung zu zeigen....

    FAZIT: die NEU-Ankoemmlinge die diese Misbrauch-Moeglichkeit nutzen, lachen sich rund ueber die "BLOEDEN DEUTSCHEN"!

    Gruss aus der BANANA* REPUBLIC 'SCLAND !

    *.) die Bananen muesen dabei mit der neuesten Richtlinie der EUDSSR nicht unbedingt conform sein .. Fragt mal nach beim ex-EU -Schultz..der kennt sich aus....mit Spesen-Raub-Ritterei!

  • Bei der Bundeswehr gibt es das " Deutsche Volk " noch ! ? ?

    „Ich schwöre* (,ich gelobe ) der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des "" deutschen Volkes ..""" tapfer zu verteidigen,
    ( so wahr mir Gott helfe. )
    – § 9 Soldatengesetz, * Eidesformel für Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit

  • Gilt nur für Soldaten .
    „Ich schwöre* (,ich gelobe ) der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, ( so wahr mir Gott helfe. )
    – § 9 Soldatengesetz, * Eidesformel für Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit

  • Ja! Führungsschwäche! Für diese Aussage bekommt Frau von der Leyen von nahezu allen politischen Lagern Zustimmung!

    Hier liegt das Hauptproblem der Truppe. Keine Führung, die die Probleme wirklich anpacken will. Im Zweifel Geld in die Hand nimmt um die Ausrüstung zu verbessern, um Strukturen zu schaffen. Und eine Führung, die Ahnung von der Truppe hat und nicht aus dem Familienministerium kommt.

    Entschuldigung Frau von der Leyen. Seit Jahren liegt das Hauptproblem bei der Truppe ganz oben!

  • Der falsche Geist ist in der Truppe, die Einheitspartei hat also etwas falsch gemacht.
    Warum tritt Frau von der Leyen nicht zurück ?

  • "Ministerin von der Leyen macht der Truppe schwere Vorwürfe"

    Wer ist denn Verteidigungsministerin? Hat sie über drei Jahre gebraucht, um "zu viel Korpsgeist" und Führungsschwäche zu erkennen? Was hat sie denn in diesen drei Jahren getan, wenn sich nicht mit der Bundeswehr beschäftigt? Was machen die ganzen Beamten in ihrem Ministerium? Haben die auch alle keine Ahnung von der Bundeswehr? Oder durften die ihrer Ministerin solche "Nichtigkeiten" nicht nahe bringen? Mit dem "Bundeswehrflüchtling" ist deutlich geworden, dass nicht nur in der Bundeswehr ein Saustall herrscht. Jemanden als Flüchtling anzuerkennen, der zwar kaum Arabisch, dafür aber perfekt Deutsch und Französich spricht, dass hat schon was.

  • von der Leyen klagt in erster Linie ihre eigene Partei an. Gerechnet ab 1982 stellte die SPD in den letzten 35 Jahren genau mit Scharping und Struck für gerade mal 7 Jahre die Verteidgungsminister. Die restlichen 28 Jahre tragen CDU und CSU mit 8 Verteidigungsministern die volle Verantwortung. So siehts aus!

  • Nimmt die oder das überhaupt noch jemand ernst?

  • Desolate Dis schon vergessen?

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