Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Extremwetter Wirtschaft fürchtet erneut niedrigen Rheinpegel

Der Rhein ist die Lebensader der westdeutschen Industrie. 2018 sorgte sein niedriger Pegel für viele Probleme – die Bundesregierung beschwichtigt.
Kommentieren
Der Rhein ist eine Hauptader für Heizöl- und Dieselimporte aus Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen. Quelle: imago/Ralph Peters
Niedrigwasser im Rhein

Der Rhein ist eine Hauptader für Heizöl- und Dieselimporte aus Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Düsseldorf Das Bundeswirtschaftsministerium gibt sich optimistisch, die richtigen Lehren aus dem Rhein-Niedrigwasser im vergangenen Spätsommer gezogen zu haben: Es sei „noch im letzten Jahr alles Notwendige veranlasst“ worden, um „die Vorhaltung von Ottokraftstoff in der Region West zu erhöhen“, teilt das Ministerium auf Anfrage mit.

Doch ist die Lage wirklich so entspannt? Teile der Wirtschaft verfolgen den Pegelstand des Flusses sehr genau. Nach der extremen Hitze im Juli war der Wasserstand bereits auf niedrigem Niveau. Starke Regenfälle während der vergangenen Tage sorgten allerdings für Entspannung.

Das Rhein-Niedrigwasser führte 2018 zu Problemen. Der Fluss, eine der Lebensadern der westdeutschen Industrie, war nur stark eingeschränkt schiffbar, die Logistik namhafter Unternehmen war erheblich beeinträchtigt. Deutliches Signal für den Ausnahmecharakter der Lage: Der Erdölbevorratungsverband hatte Vorräte freigeben müssen, um Engpässe zu bekämpfen.

Die Mineralölwirtschaft hat ihre Lehren aus der Situation gezogen. So halte man in einigen Lagern die Bestände hoch, heißt es etwa bei BP. Außerdem setze man auf verschiedene Verkehrsträger. Tatsächlich stellt die starke Abhängigkeit von der Rheinschifffahrt die Branche vor Probleme.

Der Import von Heizöl und Diesel aus Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen läuft ganz überwiegend über die Rheinschiene. Die Alternativen sind begrenzt: „Die Schiene ist schon jetzt am Limit“, heißt es in der Mineralölbranche. Gerade in der Reisesaison fehle es an Kapazitäten. „Wir sehen da keinen Puffer“, sagt ein Insider.

Auch BASF nutzt die Rheinschifffahrt stark für die Rohstoffversorgung seines Stammwerks Ludwigshafen. Rund 40 Prozent der Rohmaterialien werden per Schiff geliefert. Diese Versorgung war im Herbst zum Teil komplett unterbrochen. Auch die Kühlwasserversorgung war stark eingeschränkt. Der Konzern musste daher Anlagen abschalten oder die Produktionsmengen reduzieren. 

Aktuell sehen die Chemiehersteller allerdings keine Wiederholungsgefahr. Zudem verweisen sie durchweg darauf, dass sie deutlich besser vorbereitet seien auf ein mögliches Niedrigwasser. 

Die BASF hat dazu nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde ein eigenes Modell entwickelt, um die Pegelstände des Rheins möglichst im Voraus abschätzen zu können und die eigene Logistik auf drohende Rohstoffengpässe frühzeitig vorzubereiten. Zudem habe man die Kühlwasserkreisläufe optimiert, sagte Firmenchef Martin Brudermüller. 

Ferner hat der Chemieriese seine Transportkapazitäten durch die Anmietung von Schiffen mit niedrigem Tiefgang verstärkt. „Alles, was es da an Transportkapazität gibt, ist von der BASF gebucht“, sagte Brudermüller bei Vorlage der jüngsten Quartalszahlen. „Das heißt, wir halten damit auch noch mal länger durch, wenn der Pegel in Kaub auf kritische Tiefstände fällt. Insofern sind wir deutlich besser vorbereitet als im letzten Jahr.“

Ähnlich sieht sich heute auch die Leverkusener Covestro in einer günstigeren Position für den Fall, dass es zu ähnlichen Einschränkungen komme wie im Vorjahr. Man könne einen Ausfall der Rheinschifffahrt sicher nicht völlig kompensieren ohne zusätzliche Kosten. „Aber wir bereiten uns so gut wie möglich darauf vor, mögliche Effekte eines Niedrigwassers auszugleichen“, sagt CEO Markus Steilemann. 

Evonik-Finanzchefin Ute Wolf wies kürzlich ebenfalls darauf hin, dass man sich in der Logistik besser für entsprechende Situationen gewappnet habe, so unter anderem durch die Buchung von Schiffen mit geringem Tiefgang. Aktuell sei die Situation nicht kritisch.

Mehr: Der niedrige Rheinpegel hat BASF und Covestro bereits die Bilanz verhagelt. Doch auf die Branche warten noch gefährlichere Entwicklungen.

Startseite

Mehr zu: Extremwetter - Wirtschaft fürchtet erneut niedrigen Rheinpegel

0 Kommentare zu "Extremwetter: Wirtschaft fürchtet erneut niedrigen Rheinpegel "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote