EZB-Präsident ausgezeichnet Schäuble, der widerspenstige Laudator

Bei einer Preisverleihung an EZB-Chef Mario Draghi in Potsdams Schloss Sanssouci drückt sich Schäuble um ein Lob für das nur Stunden zuvor verabschiedete Anleihe-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank.
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Finanzminister Wolfgang Schäuble und EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstagabend in Potsdam. Quelle: Reuters

Finanzminister Wolfgang Schäuble und EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstagabend in Potsdam.

(Foto: Reuters)

PotsdamAls die Stadt Potsdam im Verbund mit der Presse vor Monaten ihre jährliche Preisverleihung plante, da wusste noch niemand, dass der 6. September zum bedeutenden Tag für die Euro-Rettung werden würde. Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte denn auch gleich zu Beginn seiner Laudatio, dass er in dem Fall noch einmal darüber nachgedacht hätte, ob er wirklich ausgerechnet für diesen Abend eine Lobrede auf EZB-Präsident Mario Draghi hätte zusagen sollen. „Denn die Notenbank ist unabhängig, da sollte sich der Finanzminister zurückhalten“, sagte er.

Auch Draghi hätte sich für den M100 Medienpreis vielleicht lieber einen ruhigeren Tag ausgesucht als den der EZB-Ratsentscheidung über die in Deutschland umstrittenen Anleihekäufe, und begann deshalb mit einem Augenzwinkern. „Die Preis-Annahme ist innerhalb des Mandats der EZB und dient der Stabilisierung des Euro“, scherzte er – um dann seinerseits ein Loblied zu singen auf Schäuble. „Sie sind ein großer Europäer, der Europa nach vorne denkt“, sagte er. Und es sei eine Ehre, ihn, den Karlspreisträger, bei der Preisverleihung dabei zu haben. Dann sprach er über große europäische Ziele. „Wir brauchen mehr demokratische Teilhabe“, so Draghi.

Kurzfristig absagen ließ sich der große Event im Raffaelsaal des Orangerieschlosses in Potsdam sowieso nicht mehr. Und dass Draghi nach den Kriterien des M100 – das Kürzel steht für 100 Medien- und Meinungsmacher - zu den preiswürdigen Menschen zählt, „die in Europa und der Welt Spuren hinterlassen haben“, wollte gerade an diesem Tag auch Schäuble, bei aller grundsätzlichen Skepsis über Anleihekäufe, dann gar nicht bestreiten. „Eigentlich ehren wir Mario Draghi ja auch als großen Europäer, der mit daran arbeitet, Europa und seine Institutionen zu stärken“, sagte Schäuble. Nein, zum EZB-Rat wolle er jetzt wirklich nichts sagen. Und: „Wir haben die Unabhängigkeit der Notenbank, weil wir nicht den bequemen Weg über die Notenpresse gehen wollen.“

M100 steht für 100 Medienleute und Meinungsmacher. Die Gruppe, geleitet von Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs und Lord George Weidenfeld, veranstaltet seit 2005 immer Anfang September eine Konferenz, an deren Ende die Preisverleihung steht. Geehrt werden Verdienste um die freie Meinungsäußerung, die Demokratie und die europäische Verständigung. Unter den Preisträgern sind Reichskuppelbauer Norman Foster, der Musiker Bob Geldof und die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt. Und nun also Mario Draghi.

Auch er ging auf die Details des am Nachmittag verkündeten Anleiheprogramms nicht mehr ein und knüpfte nur sehr indirekt an das Programm an, das den Politikern ja Zeit verschaffen soll, Europa tragfähigere Institutionen zu geben. Alle Europäischen Regierungen hätten es in den Jahren seit Gründung der Währungsunion aus nationalem Denken heraus versäumt, die Währungsunion zu vollenden. Er setze nun auf Fortschritte – und dabei ganz auf Schäuble.

Es blieb dann Ferrari-Präsident Luca de Montezemolo überlassen, die echte Laudatio auf Draghi zu halten, mit dem er schon zur Schule gegangen sei. Immer Draghi als Ökonom darauf gedrängt, dass der Euro eine stabile Währung sein müsse. „Stabilität, Stabilität, Stabilität hat er gepredigt, gerade auch in Italien“, sagte Montezemolo. Und dies finde doch auch inzwischen überall in der Euro-Zone Gehör. Weshalb auch die Entscheidung dieses Tages als Ergänzung zu Reformen die richtige sei. Sprach’s und verließ als erster das Gala-Dinner in im Schloss – im Ferrari natürlich. Denn am Freitag muss er in Monza das Autorennen eröffnen.

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8 Kommentare zu "EZB-Präsident ausgezeichnet: Schäuble, der widerspenstige Laudator"

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  • Nachdem ich gerade eine Dokumentation bei arte über Goldman Sachs gesehen habe, bin ich immer noch erschrocken darüber, das Mario Draghi an der Spitze der EZB steht! Unfassbar!

  • Und wofür hat dieser Draghi einen Preis bekommen?
    ABer diese ganzen Preise und Orden in Deutschalnd sind ohnehin nichts wert. Sie sind ins Lächrlich und Primitive verkommen. Jeder Dödel bekommt doch mittlerweile irgend einen Preis

  • Schäuble ist ein Kluger Mensch !
    Und er ist ein Fels in der Brandung , das brauchen wir, sonst ziehen ihnen ihre Nachbarn das Fell über die Ohren !

  • Nicht eher "hinterlistige Verschleierung" ?


    Man höre sich das 5 Minuten Gespräch an, das Marietta Slomka im "Heute Journal" vor zwei Tagen mit Schäuble geführt hat.
    Schäubles Ausagen stehen im völligen Gegensatz zu dem, was der EZB Rat gestern beschlossen hat.
    Man muß zu dem Schluß kommen: entweder Schäuble lügt oder ist unwissend überfahren worden oder hat seine Kompetenzen abgegeben?
    Wird das Konsequenzen haben? Wie wird sich Schäuble dazu erklären oder herauswinden?

    Fakt ist: die EZB hat die polit. Führungs-Macht im Euroland übernommen, Draghi sagte ja auch, die Regierungen hätten zu lange gezögert..

    Sehr gut gestellte Fragen von Frau Slomka, die Schäuble ins Schleudern brachten.
    Man beachte die Antworten Schäubles, an denen er zukünftig festgemacht werden sollte u.a.:
    "Die Geldpolitik ist kein Instrument zur Staatsfinanzierung".

    http://www.youtube.com/watch?v=YkP5bBNLtNE

  • Es wäre besser gewesen, die Beiden hätten sich bei dieser Gelegenheit verabschiedet. Der eine ist nicht besser als der andere.

  • Schäuble hat nichts aus seinem Attentat gelernt und steckt nun auch noch Draghi an. Wie perfide von ihm...

  • Einn Treppenwitz in der Geschichte der so beliebten "europäischen" Preisverleihungen.Gerade im Schloss des grossen Preussenkönigs wird ein Mann "geehrt" , der soeben die Deutsche Bundesbank und deren Stabilitätsgeschichte begraben und in die Bedeutungslosigkeit versenkt hat und dazu auch noch Herrn Weismann auf beispiellose Weise der Lächerlichkeit preisgegben hat.
    Und ein W.Schäuble ist der Laudator für diesen "Preisträger". Das passt. Denn es war die deutsche Regierung selber, die die Kastration einer bedeutenden deutschen Institution, der deutschen Bundesbank,nachhaltig und mit "Überzeugung" betrieben hat.

  • Schäuble als Laudator für Draghi - herlich wie das Leben einen mitspielen kann...

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