Facebook-Profil Der Weidmann-Fake

Bundesbankchef Weidmann erhält in diesen Tagen viel Zuspruch für seine Anti-EZB-Haltung. Selbst die Netzgemeinde feiert ihn. Doch sein Profil bei Facebook ist ein Fake - auf den auch Politiker hereingefallen sind.
Update: 07.09.2012 - 09:42 Uhr 9 Kommentare
Ein Screenshot der gefälschten Weidmann-Seite.

Ein Screenshot der gefälschten Weidmann-Seite.

BerlinNormal ist das nicht, wenn man mit jemandem kommuniziert, der gar nicht existiert. Im echten Leben würde man wahrscheinlich empfohlen bekommen, mal einen Arzt aufzusuchen. Doch in der digitalen Welt gelten andere Gesetze. Da muss man nicht mit seinem Gegenüber sprechen, da reicht anonymes tippen. Wie bei Facebook zum Beispiel. Allerdings kann man sich bei einer Kontaktaufnahme in dem sozialen Netzwerk auch schwer vertun und bei jemandem landen, den man meint zu kennen, der aber in Wahrheit irgendwer ist, nur nicht eben der Gemeinte.

Jens Weidmann ist ein solcher Fall: Deutschlands oberster Notenbanker ist bei Facebook tatsächlich mit einem Profil gelistet, das auch rege gepflegt wird. Nur: Es ist nicht er, der hinter den Einträgen steckt. Das bestätigte die Bundesbank auf Anfrage von Handelsblatt Online. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung dieses Artikels, meldete sich der Urheber des Profils zu Wort und räumte die Fälschung ein.

Das Ganze wäre jetzt nicht sonderlich aufregend, wenn Weidmann derzeit nicht in aller Munde wäre. Der Bundesbankchef gilt als vehementer Gegner der Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und hat bei der EZB-Ratssitzung am Donnerstag wohl auch als einziger gegen den Beschluss gestimmt, kriselnde Euroländer mit einem unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen zu stützen.

In dieser Gemengelage und vor dem Hintergrund, dass Weidmann in den vergangenen Wochen auch häufig über einen Rücktritt nachgedacht haben soll, sucht die Öffentlichkeit die Nähe zum einstigen Berater von Kanzlerin Angela Merkel. Um ihn zu unterstützen, ihm für seinen Einsatz zu danken oder ihm den Rücken dafür zu stärken, dass er weiter macht, bloß nicht aufgibt und einfach hinschmeißt.

Bei einer Google-Suche stößt man auf das vermeintliche Facebook-Profil von Weidmann. Es ist voll mit geposteten Artikeln über seinen einsamen Kampf gegen die EZB. Und er hat sogar prominente Unterstützer. Das Profil geliked haben bisher 584 User (Stand: 7. September, 6:30 Uhr), darunter die Vorsitzende des Bundestagsfinanzausschusses, Birgit Reinemund (FDP), die Vorsitzende der Hamburger FDP, Sylvia Canel, und die Vorsitzende der Jungen Unternehmer, Marie-Christine Ostermann.

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9 Kommentare zu "Facebook-Profil: Der Weidmann-Fake"

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  • Ob der Eintrag ein Fake ist oder nicht spielt keine Rolle. Herr Weidmann stemmt sich gegen das europäische Betrugsszenario und vermittelt das Gefühl, dass wenigstens einer noch ein Gewissen hat.
    Europa LMAA

  • Jens Weidmann - Find ich gut!

  • Weidmann, der letzte Mann der sich gegen kriechenden Erpresser stellt! Weiter so!

  • Herr Weidmann,

    was Mazi hier schreibt, schreibt er/sie aus dem Herzen vieler Bürger. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, somit wundern Sie sich nicht, wenn nicht viele Reaktionen kommen sollten, weil Mazi alles gesagt hat. Die Bevölkerung ist bei Ihnen und wir sind stolz auf Sie, dass sie eine so aufrechte Linie vertreten unter einem dermassen grossen Druck.
    In solchen Zeiten wird deutlich, wer es wirklich gut meint.

  • im Moment leben wir wie die Marder im Speck und auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können

    Deutscher Michel: vollkommen richtig erkannt!
    Wenn ich heute in ein Geschäft gehe, ja sogar auf der Strasse, dann fallen mich überall die Produkte der Deutschen an und zwingen mich dazu, diese zu kaufen. Diese bösen Produkte schauen nicht mal in meinen Geldbeutel, ob ich Geld dabei habe.
    Nur die böse Bank versteht das nicht so gut, aber dafür haben ja einige Leute jetzt einen Mechanismus gefunden, um die Banken ruhig zu stellen.

    Was Sie hier schreiben, ist auf dem Niveau von Spam. Haben Sie schon mal was von dem Wort "Eigenverantwortung" gehört? Wahrscheinlich nicht. Wenn sich jedoch niemand mehr verantwortlich fühlt für das was er tut und nur noch seinen Trieben hinterherläuft, dann gehen wir einer Situation entgegen, die Sie nicht wollen und ich auch nicht. Und genau diese Situation zeichnet sich immer deutlicher ab. Es manifestiert sich nämlich europaweit eine Kultur, wo man sich einfach nur noch nimmt, was man will, weil man es sich wert ist - ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Beispiel dafür waren die Plünderungen in London.
    Das ist die gesellschaftliche Manifestation des Neoliberalismus, wobei nur das Materielle zählt und Ethik nicht mehr mitzählt.

  • Jens Weidmann = Last Man Standing

  • Herr Weidmann bleiben Sie stark, schauen Sie morgens mit ehrlichem Gesicht in den Spiegel. Sie sind persönlich mit sich im Reinen. Ihre Gegner sind es nicht.

    Sie haben das was zu sagen war in angemessener und sachlicher Form zuerst in den zuständigen Gremien zum Ausdruck gebracht. Sie haben Deutschland nicht in den Abgrund gefahren. Jetzt sind die an der Reihe den Schaden wieder gutzumachen, die ihn angerichtet haben. Bleiben Sie Ihrer ehrlichen Linie treu. Ihre Gegner sind mit Ihnen nicht auf Augenhöhe. Das Volk hat Ihre Signale aufgenommen, verstanden, ist nicht hinter Ihnen, geschweige denn hinter Ihnen her. Es ist im Gegensatz zu machem Politiker bei Ihnen.

    Herr Weidmann halten Sie die, Ihre Ihre Position für Deutschland und das deutsche Volk, aber auch im Kampf gegen die drohende Altersarmut. Das sind Sie auch gegenüber Ihren Eltern in Ihrem Amt verpflichtet.

    Die Altersarmut wird in Deutschland kommen. Das hat nichts mit dem Erfolg Ihrer Aufgabe zu tun. Aber Sie können sie zeitlich hinaus schieben.

    Herr Weidmann, Jouralisten haben Sie als 23. Rad am Wagen bezeichnet. Das klingt negativ, aber es ist die Aussage, dass Sie Ihren persönlich Erfolg nicht teilen müssen.

    Das deutsche Volk hat Sie verstanden, es dankt Ihnen für den mutigen, selbstlosen Einsatz.und hofft, dass Sie weiterhin die Kraft haben, Ihre Arbeitsweise durchzuhalten. Das deutsche Volk ist bei und mit Ihnen.

  • Warum sollte man wirtschaftlich schwache Länder schützen? Die wurden nun über 10 Jahre mit hunderten Mrd. Euro gepampert. Haben alles verprasst und nun kriechen sie wieder an. Nein, damit muss Schluss sein! Das Leben ist kein Ponyhof. Die Kriecher sollten sich schämen!

  • Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa. Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen. Trotzdem hat damals die deutsch-französische Achse auf das Prinzip der eigenen Verantwortung bestanden.
    Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer entgegen wirken.
    Es geht um Europa, Deutschland ist nur Teil davon!

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