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Fachkräfte Risiko für den Arbeitsmarkt – Rekordmangel bei technischen Berufen

Der Mangel an Technikern und Informatikern hat einen neuen Rekord erreicht: Es fehlten insgesamt 338.000 Fachkräfte. Ohne Einwanderer und Flüchtlinge wäre die Lücke deutlich größer.
Update: 26.11.2018 - 16:24 Uhr Kommentieren
MINT-Fachkräfte arbeiten in innovativen Branchen und erwirtschaften hohe Wertschöpfung. Quelle: dpa
Elektroniker bei der Arbeit

MINT-Fachkräfte arbeiten in innovativen Branchen und erwirtschaften hohe Wertschöpfung.

(Foto: dpa)

BerlinDie Lücke an Fachleuten für sogenannte MINT-Berufe – also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – betrug im Oktober 338.000 Fachkräfte – noch einmal gut 42.000 mehr als vor einem Jahr. Das zeigt der neue MINT-Report des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Diese Fachkräfte gelten als besonders wichtig für die deutsche Wirtschaft, weil sie in überdurchschnittlich produktiven und innovativen Branchen arbeiten und daher besonders viel Wertschöpfung erwirtschaften. Vergrößert hat sich die Lücke vor allem auch mit Blick auf die Digitalisierung.

Hier hat sich der Mangel an IT-Kräften allein in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt: Im Oktober 2017 fehlten 19.500 IT-Spezialisten, jetzt sind es nach dem MINT-Report schon 40.500. Ohne Zuwanderung wäre die Lücke jedoch noch weit größer, denn der Anteil an Migranten in den MINT-Berufen beträgt mittlerweile rund ein Fünftel – noch 2011 waren es nur gut 14 Prozent.

„Der Beitrag ausländischer MINT-Kräfte reicht vom Elektriker bis zum Ingenieur“, heißt es im Bericht. Das hebt den Wohlstand enorm: „Die zugewanderten Personen mit einer MINT-Qualifikation trugen 2017 mit rund 190 Milliarden Euro zur Wertschöpfung bei“, sagte IW-Bildungsexperte Axel Plünnecke bei der Vorstellung der Studie.

Ohne viel mehr MINT-Kräfte ist auch das Ziel der Bundesregierung, die Ausgaben Deutschlands für Forschung und Entwicklung von heute knapp drei bis 2025 auf 3,5 Prozent des BIP zu steigern, hinfällig, warnt der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Michael Stahl: „Dafür müsste die Zahl der MINT-Fachleute in den Forschungsabteilungen von heute 1,1 auf 1,3 Millionen steigen.“

Während jedoch noch vor wenigen Jahren vor allem MINT-Akademiker gesucht wurden, sind heute die beruflich ausgebildeten Kräfte – also Gesellen, Meister und Techniker – die eigentliche Mangelware. Sie stellen inzwischen fast 70 Prozent der Fachkräftelücke. Bei den Akademikern konnte das Problem durch Zuwanderung aus der EU und zunehmend auch aus Drittstaaten zumindest stark gedämpft werden.

Insgesamt arbeiten heute rund 60.000 MINT-Akademiker aus der EU in Deutschland. Aus Drittstaaten – ohne die Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge – kommen fast ebenso viele. Besonders groß war die Dynamik bei Indern, berichtet das IW: Seit 2012 ist die Zahl der Inder in akademischen MINT-Berufen von 3750 auf zuletzt 10.244 gestiegen.

Es fehlen vor allem Gesellen, Meister und Techniker

Für beruflich Qualifizierte funktionierte der Zuzug bislang jedoch nur innerhalb Europas: Seit 2012 stieg die Beschäftigung von MINT-Facharbeitern aus EU-Ländern um zwei Drittel auf 218.000 – und damit prozentual sogar stärker als die von Akademikern aus der EU.

Deshalb müssten für nicht akademische Fachkräfte die Konditionen bei der Einwanderung aus Drittstaaten dringend attraktiver werden, fordert das IW beim geplanten Einwanderungsgesetz. Das allein reicht allerdings nicht, warnt der Chef der Arbeitgeber-Initiative „MINT Zukunft schaffen“, Thomas Sattelberger: „Ein besseres Gesetz hilft nichts, wenn die Umsetzung nicht besser wird.“

Wenn Fachkräfte in ihrer Heimat „monatelang auf einen Termin bei der deutschen Botschaft warten, um ihr Visum zu beantragen, ist das wenig attraktiv“, kritisierte der FDP-Abgeordnete. Auch sei es „irrwitzig, dass sich Deutschland 600 teilweise sehr kleine Ausländerbehörden leistet“. Es sei viel sinnvoller, diese Kompetenzen in einer einzigen Behörde zu bündeln.

Auch wenn sie „nicht gekommen sind, um unser Fachkräfteproblem zu lösen, sondern um selbst Schutz und Hilfe zu bekommen“, tragen mittlerweile auch Flüchtlinge zur Linderung des Fachkräftemangels bei, sagte Plünnecke: Ende 2012 waren lediglich 2700 Menschen aus Afghanistan, Syrien, Irak und Eritrea in MINT-Berufen tätig – Anfang 2017 schon gut 10.000 und Anfang 2018 „bemerkenswerte 19.234“.

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