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  4. Ausbildung: Auf 100 freie Lehrstellen kommen nur noch 77 Bewerber

FachkräftemangelSuche nach Azubis so schwierig wie nie – besonders in diesen Berufen

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen steigt 2022 erneut an. Die „Ausbildungsgarantie“ der Regierung lässt währenddessen auf sich warten.Barbara Gillmann 29.07.2022 - 15:53 Uhr Artikel anhören

Der Mangel an Auszubildenden gefährdet auch die Energiewende, sagt der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Foto: dpa

Berlin . Die Suche nach Azubis ist in diesem Jahr offenbar so schwierig wie noch nie: Ende Juli kamen bei der Bundesagentur für Arbeit auf 100 gemeldete Ausbildungsplätze nur noch 77 Bewerber. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt noch 83, schreibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) in ihrem jüngsten Monatsbericht. 

Dennoch habe man die Hoffnung, dass am Ende vielleicht doch „etwas mehr neue Ausbildungsverträge geschlossen werden können als im Vorjahr“, sagte BA-Vorstandsmitglied Daniel Terzenbach. Noch liefen massive Anstrengungen, mehr junge Menschen für eine Lehre zu gewinnen. Man sei mit allen Bundesländern und den Schulen in Kontakt und sorge dafür, „dass allen Schulabgängern ein Flyer zur Ausbildung in die Hand gedrückt wird“. 

Insgesamt sind Ende Juli noch 233.400 unbesetzte betriebliche Ausbildungsstellen bei der BA gemeldet – fast 40.000 und damit ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Die Zahl der noch unversorgten Bewerber hingegen ist weiter auf 118.000 gefallen, das sind noch einmal 8700 weniger als 2021 im Juli. 

Daneben gibt es allerdings noch weitere 33.600 junge Menschen, die bereits eine Alternative gefunden haben, also etwa weiter zur Schule gehen, einen Platz im Übergangssystem haben, jobben oder studieren. Diesen Platz würden sie aber nicht antreten oder abbrechen, wenn sie doch noch einen dualen Ausbildungsplatz finden. Insgesamt sind also noch 152.000 potenzielle Neu-Azubis auf der Suche.

Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser, mahnte: „Berufliche Bildung muss zwingend attraktiver werden.“ Er zeigte sich überzeugt, dass sich „der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die Folgen für die Wirtschaft auch auf das neue Ausbildungsjahr 2022/2023 auswirken. Hohe Energiepreise und die drohende Gasknappheit verstärken die Rezessionsgefahr und lassen befürchten, dass die Erholung auf dem Ausbildungsmarkt in diesem Jahr nicht in dem erhofften Ausmaß eintreten wird.“

„Niemand mehr, der Windkraftanlagen baut“

Die demografische Entwicklung und das veränderte Bildungsverhalten der jungen Leute und damit die „Ausdünnung unserer Fachkräftebasis gefährdet bereits jetzt massiv die Ziele für Energiewende und Digitalisierung“, warnte Esser. 

Das Spektrum der Fachkräfte, die zunehmend fehlen, reiche „vom Dachdecker bis zum Softwareentwickler“. Daher müsse die berufliche Bildung für Betriebe und für junge Menschen gleichermaßen attraktiver werden.

Der „sich mittlerweile über Jahre vollziehende Rückgang der Ausbildungsvertragszahlen muss endlich gestoppt werden“, forderte Esser. „Sonst haben wir in naher Zukunft niemanden mehr, der Windkraftanlagen baut oder moderne Heizungs- und Solaranlagen installiert.“

Angesichts der Misere am Ausbildungsmarkt hat die Ampelregierung im Koalitionsvertrag eine „Ausbildungsgarantie“ versprochen – wenn irgend möglich in Betrieben, notfalls in Regie des Staates.

Noch ist allerdings völlig unklar, wie das organisiert werden soll: „Die genaue Ausgestaltung der angekündigten Ausbildungsgarantie, inklusive Zeitplänen, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch abzuwarten“, teilt das Bundesarbeitsministerium auf Anfrage des Handelsblatts dazu mit. 

Kfz-Technik ist weiterhin beliebt

Neben der insgesamt rückläufigen Nachfrage nach Lehrstellen und wegen des durch den Fachkräftemangel deutlich höheren Angebots durch die Unternehmen erschweren auch die Berufswünsche der jungen Leute die Ausbildung. Viel zu wenige Bewerber gibt es nicht nur bei Bäckern, Fleischern sowie in Hotels und Gaststätten. Auch für Berufe wie Klempnerei, Sanitär-, Heizungs- und Klima- oder Energietechnik, ohne die die Energiewende nicht gelingen kann, interessieren sich weit weniger Schulabgänger als es Lehrstellen gibt.  

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Gemessen am Angebot zu viele Bewerber gibt es hingegen nicht nur in der Tischlerei und künstlerisch-kreativen Berufen. Auch im Kfz-Verkauf und der Kfz-Technik, in Büro- und Verwaltungsberufen oder in der medizinischen Fachassistenz registriert die BA deutlich mehr Interessenten als Ausbildungsplätze. 
Diese „Passungsprobleme“ erklären Fachleute seit Ausbruch der Coronapandemie auch damit, dass die Berufsorientierung in den Schulen und die Infoveranstaltungen der Kammern vielfach ausfallen mussten. Die Folge ist eine hohe Verunsicherung unter den Jugendlichen, zeigte unlängst eine Bertelsmann-Studie. Diese ergab auch, dass das Internet den persönlichen Kontakt mit potenziellen Ausbildern und Beratern mitnichten ersetzen kann. 

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