Fachkräftemangel Wirtschaft will Eltern in die Schule schicken

Im Kampf gegen den Fachkräftemangel geraten zunehmend die Eltern in den Fokus der Wirtschaft. Die Theorie: Da Mutter und Vater das Fundament für eine erfolgreiche Laufbahn ihrer Sprösslinge legen, müssen sie zu Führungskräften ihrer Kinder ausgebildet werden. Doch einen „Elternführerschein“ sieht die Politik mit Skepsis.
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Gemeinsam in die Schule? Eltern könnten künftig die Schulbank drücken müssen. Quelle: dpa

Gemeinsam in die Schule? Eltern könnten künftig die Schulbank drücken müssen.

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DÜSSELDORF. „Die Elternschule ist der richtige Weg, das Bildungsumfeld in den Familien zu stärken“, sagt Herbert Schulte, Landesgeschäftsführer des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Nordrhein-Westfalen.

Darum hat der Verband gerade eine Kooperation mit einem gemeinnützigen Verein geschlossen: „Life's'cool“ will Eltern dazu bringen, die Persönlichkeitsentwicklung und den Schulerfolg ihrer Kinder positiv zu beeinflussen. Doch nach dem Willen des BVMW soll sich auch die Politik stärker engagieren. „Wie die mittelständischen Unternehmen so könnte auch die öffentliche Hand die Finanzierung von Stipendien übernehmen, um dem Fachkräftemangel in der Zukunft entgegenzuwirken“, fordert Schulte.

Eltern müssen Tugenden vermitteln

Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) unterstützt Elternarbeit über ihr bundesweites Netzwerk „Schule-Wirtschaft“. Dabei engagieren sich Schul- und Unternehmensvertreter ehrenamtlich in 450 regionalen Arbeitskreisen, um jungen Menschen den Übergang von der Schule in das Arbeitsleben zu erleichtern. „Die Elternarbeit spielt hierbei eine immer größer Rolle“, sagt BDA-Vizepräsident Gerhard Braun. Denn Tugenden wie Verantwortungsgefühl, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und gute Umgangsformen müssten zuallererst vom Elternhaus vermittelt werden. „Sie sind notwendiges Rüstzeug für den späteren Erfolg in der Arbeitswelt“, sagt Braun.

Doch erreichen Projekte wie „Life's'cool“, „Step – systematisches Training für Eltern“ oder „Triple P – Positive Parenting Program“ nicht doch wieder nur jene Eltern, die sich ohnehin als Erfolgscoach ihrer Kinder begreifen? Finden bildungsferne Familien oder Eltern mit Migrationshintergrund tatsächlich den Weg auf die Schulbank? Schließlich wächst laut aktuellem Bundesbildungsbericht fast jedes dritte Kind unter 18 Jahren in sozialen, finanziellen oder kulturellen Risikolagen auf. In Ballungsräumen erreicht der Anteil der Kleinkinder mit Migrationshintergrund bis zu 72 Prozent.

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6 Kommentare zu "Fachkräftemangel: Wirtschaft will Eltern in die Schule schicken"

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  • Sollen sich doch Wirtschaft und industrie ihre eigenen Menschen züchten, nach Art von Huxleys "brave New World". Da können sie endgültig die verbliebenen Skrupel ablegen und am Humankapital optimieren bis der Arzt kommt.
    Die Wirtschaft braucht den altmodischen Menschen mit bindung an Familie, Heimat, Sozialverband und Nation schon lange nicht mehr. Je wurzelloser, flexibler, mobiler und fügsamer der Mensch, desto brauchbarer ist er in den Rollen "Arbeitssklave", "hoffnungsvolle Nachwuchskraft", "Konsument". Eine Elternschule mit staatlichem Zwang, so etwas totalitäres haben nicht einmal die Nazis im Dritten Reich gewagt. Diese Wirtschaft hat abgewirtschaftet. Diese staatsnah operierende Wirtschaft nimmt nun offen faschistische Züge an.

  • @bernhard
    "gerne junge Leute heranziehen und selber dafür sorgen, dass sie den Unternehmensansprüchen gerecht werden"
    Das ist genau die Richtung, die der bVMW und bDi einschlagen und auch finanzieren wollen ! Die industrie hat die Versäumnisse der Eltern erkannt und sucht nach selbst finanzierten Lösungen.

    Und wenn ich sehe, wie chancenlos manche Kinder wegen ihrer dämlichen Eltern sind, dann wäre ich schon dafür, diesen Eltern die Kindererziehung abzunehmen. Eltern zu sein ist nicht Selbstverwirklichung, sondern zunächst mal eine Verpflichtung dem Kind gegenüber!



  • Es gibt Unfähige Unternehmer und es gibt Unfähige Eltern.Doch Unfähigkeit in der Wirtschaft wird honoriert im Gegensatz zum "Familienfeindlichen Wirtschaftsmodell" in unserm Land.Dabei genügt es nicht nach Skandinavien zu schauen die vielerorts ihre Hausaufgaben gemacht haben.Wir werden von Parteien bequatscht die im "Denkmuster der achtziger Jahre" verharen.Man könnte genüßlich von der OEZD der Unesco der Pisa Studie Fakten den Politikern um die Ohren hauen.Vielen Eltern muß man den Vorwurf ebenfalls machen. Ob integration von behinderten Kindern in allgemeinen Schulen bis
    zum Verbissenen Kampf ums Gymnasium.Hier werden Schaukämpfe auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.

  • Das ist ja grotesk!
    Hört sich für mich so an als ob eine Kontrolle darüber herschen soll, wer Kinder bekommen darf und wer nicht...
    Die Wirtschaft sollte vielleicht mal lernen auch selber zu investieren. Sie wollen alle Fachkräfte am besten Jung mit 10 jahren berufserfahrung und am besten auch für einen minimalen Lohn. Ein gutes beispiel wären Englische Unternehmen, die gerne junge Leute heranziehen und selber dafür sorgen, dass sie den Unternehmensansprüchen gerecht werden. Aber nein, die Deutsche Wirtschaft möchte sich lieber füttern lassen. Darunter haben dann schließlich die jungen Leute zu leiden, die angeblich vom Staat so toll vorbereitet werden und dann doch nicht gut genug für die Wirtschaft sind...
    Die guten Zeiten für die Deutsche Wirtschaft werden schon bald genug vorbeisein wenn sich nichts ändert.

  • Obwohl es keinen Fachkräftemangel in Deutschland gibt, begrüße ich doch die Verbesserungsvorschläge der Wirtschaft, da sie sich doch tatsächlich mal an einen langfristig wirksamen Vorschlag traut. Natürlich sind nicht die Kinder, sondern deren Erziehung/bildung das Problem, weshalb viele unter den Tisch fallen und "für die Wirtschaft nicht zu gebrauchen" sind. Mit besserer bildung und integration stehen bald genügend junge Leute zur Verfügung.

    Vielleicht sollte man sich in Sachen Kinderbetreuung und Elternbildung doch mal wieder die DDR zu Gemüte führen, es war nämlich nicht alles schlecht damals! =) Und wer jetzt mit "nicht finanzierbar" daherkommt, hat den Sinn von LANGFRiSTiGEN Erfolgen nicht kapiert.

  • Außerordentlich begrüßenswert !!!
    Nicht die Kinder, sondern die beratungsresistenz der Eltern ist das Problem ! Und zwar nicht nur bei Unterschichten und sozialen Randgruppen, sondern auch bei den "normalen" Eltern. Meine Generation hat diese Eltern zu dem erzogen, was sie heute sind, und meine Generation hat damals einen katastrophalen Fehler gemacht, indem wir Freiheit und individualität mit Egoismus und ideologie verwechselt haben.
    Es wird Zeit, diesen Fehler zu korrigieren !!!

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