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Falsche Angaben Impf-Betrüger: Tausende Vordrängler werden derzeit nicht bestraft

Mit Zahl der Impfungen steigt auch die der Betrugsversuche. Unberechtigte versuchen es mit Tricks oder sogar falschen Angaben. Bislang ist das nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit.
11.05.2021 - 07:03 Uhr 3 Kommentare
In den Impfzentren fallen immer öfter Menschen auf, die falsche Angaben zu ihrer Priorisierung machen. Quelle: dpa
Impfzentrum in einem Rathaus in Sachsen

In den Impfzentren fallen immer öfter Menschen auf, die falsche Angaben zu ihrer Priorisierung machen.

(Foto: dpa)

Berlin Angesichts zunehmender Versuche von Impfwilligen, sich ungerechtfertigt und teils mit falschen Angaben eine vorzeitige Impfung zu verschaffen, wird der Ruf nach Strafen laut. „Zwar werden Tausende erwischt, aber es fehlt an Sanktionen“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. „Sich beim Impfen vorzudrängen ist weiterhin keine Ordnungswidrigkeit.“

Viele Impfzentren klagen nach einem Medienbericht über Aggressivität von Impfwilligen und zunehmende Versuche, sich eine vorzeitige Impfung zu erschleichen. Das SWR-Fernsehmagazin „Report Mainz“ berichtete von mehreren Tausend Fällen.

Allein das Hamburger Impfzentrum meldete demnach zuletzt 2000 Vordrängler in einer Woche. Um vorzeitig an einen Impftermin zu kommen, würden etwa falsche Alters- oder Berufsangaben gemacht, berichtete „Report“. In München würden bis zu 350 Vordrängler in der Woche erwischt, in Saarbrücken bis zu 140. Die Redaktion hatte bei den Impfzentren der Landeshauptstädte nachgefragt, allerdings erfassen nicht alle die Zahlen zu Impfvordränglern.

Der Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, Martin Helfrich, sagte dem ARD-Magazin: „Die Stimmung wird aggressiver. Den Menschen ist teilweise sehr klar, dass sie nicht berechtigt sind, und trotzdem versuchen sie, sich impfen zu lassen.“

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    „Report“-Recherchen zeigen demnach, dass die Impfbetrüger sich oft als höher priorisierte Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder Schwangeren ausgeben. Denn eine pflegebedürftige Person etwa kann zwei Kontaktpersonen benennen, die vorrangig geimpft werden. In einem der SWR-Redaktion bekannten Fall schafften es aber statt zwei acht junge und gesunde Leute, sich als Kontaktpersonen impfen zu lassen.



    Die Gesundheitsministerkonferenz hob am Montag die Impfpriorisierung beim Präparat des Konzerns Johnson & Johnson auf – ähnlich wie zuvor bereits bei dem des Herstellers Astra-Zeneca. Beide Impfstoffe können in sehr seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen haben.

    Deshalb ist vor einer Entscheidung für eines der beiden Vakzine bei Menschen bis 60 Jahren ärztliche Aufklärung und eine individuelle Risikoanalyse vorgeschrieben. Regelhaft eingesetzt werden sollen beide Impfstoffe erst bei Personen ab 60.

    Allerdings wird der Großteil von Johnson & Johnson in Deutschland voraussichtlich erst dann geliefert werden, wenn die Älteren ganz überwiegend schon geimpft sind: laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zehn Millionen Dosen bis Ende Juli.

    Anders als beim Wirkstoff von Astra-Zeneca – und auch den unbeschränkt eingesetzten Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna – reicht bei Johnson & Johnson bereits eine Impfung.

    Brysch sagte mit Blick auf den Druck vieler Impfwilliger: „Jetzt werden Vakzine freigegeben. Damit entsteht in den Impfzentren und bei den Hausärzten massiver Druck. Am Patientenschutztelefon erfahren wir von psychischen und physischen Drohgebärden.“

    Insgesamt haben die Impfstellen mittlerweile mehr als 35 Millionen Impfdosen gegen Corona verabreicht – etwas weniger als 27,3 Millionen bei Erstimpfungen und weitere gut 7,8 Millionen bei Zweitimpfungen (Stand Montag). 32,8 Prozent der Menschen haben mindestens eine Impfung erhalten. Den vollen Impfschutz erhielten demnach bislang 9,4 Prozent der Bevölkerung.

    Mehr: USA lassen Biontech-Impfstoff für Zwölf- bis 15-Jährige zu

    • dpa
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    3 Kommentare zu "Falsche Angaben: Impf-Betrüger: Tausende Vordrängler werden derzeit nicht bestraft"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Gibt es eigentlich noch ein anderes Land, in dem so akribisch vorgeschrieben wird, wer wann warum geimpft werden darf? Oder anders gefragt: Sollen Impfwillige heimgeschickt werden, nur weil sie in der festgelegten Reihenfolge noch nicht dran sind? Davon profitiert vor allem die Pandemie. Wer erklärt einem 59-Jährigen, dass er ein geringeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf hat, als eine über 60-Jährige? Natürlich ist es unentschuldbar, Menschen anzugehen, die in den Impfzentren diese Regeln durchsetzen müssen. Aber diejenigen zu skandalisieren, die sich einfach nur wieder ein normales, ungezwungenes Leben wünschen, halte ich für unangemessen. Und nein, ich bin auch noch nicht geimpft ...

    • Wer derart abartige Anreize setzt, soll sich bei der Verurteilung des Vorgehens der Betroffenen heraushalten. Ich kann nicht auf der einen Seite eine Unterscheidung zwischen geimpft und ungeimpft einführen und es dann auf der anderen Seite den Ungeimpften übel nehmen, wenn diese sich schnellstmöglich ihre Grundrechte zurückzuholen versuchen. Auch wird durch diese hinrissige Unterscheidung billigend in Kauf genommen, das nicht der maximale Schutz aufgebaut wird, sondern der schnellstmögliche. Daher gehören maximal die Personen bestraft, die die Menschen zu einem solchen Verhalten drängen (was bedeuten würde, die Ursache zu bekämpfen, statt sich an den Symptomen abzuarbeiten).

    • Gibt es dann auch eine Bestrafung für Personen die den Impftermin nicht absagen?

      Wenn es Termine gibt, die am nächsten Tage frei sind, können diese auch an anderen Impfwillige vergeben werden. Das finde ich nicht schlimm, wenn man kurzfristig diese Termine auffüllt. Der Termin stand ja schon lange offen....

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