Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Falschmeldung Satire-Tweet zu Unionsfraktions-Aus sorgt für Wirbel – auffällige Kursbewegung im Dax

„Seehofer kündigt Unionsbündnis auf“ – so lief es über Twitter und so meldete es wenig später eine Nachrichtenagentur. Doch der vermeintliche Polithammer war keiner.
Update: 15.06.2018 - 13:44 Uhr Kommentieren
Satire-Tweet zu Unionsfraktions-Aus sorgt für Wirbel Quelle: Screenshot Twitter
Fake-Tweet zu Asylstreit

Ein Tweet des Accounts „hr Tagesgeschehen“, der nicht dem Hessischen Rundfunk zuzuordnen ist, hat Falschmeldungen über eine Auflösung des Unions-Bündnisses ausgelöst.

(Foto: Screenshot Twitter)

DüsseldorfCSU-Chef Horst Seehofer kündigt im Asylstreit das Unionsfraktionsbündnis mit der CDU auf: Dieser Tweet des Accounts „hr Tagesgeschehen“ wäre die Meldung des Tages und ein echter Polithammer gewesen – würde dahinter nicht Moritz Hürtgen stecken.

Er ist Redakteur des Satire-Magazins „Titanic“ – und schrieb am heutigen Freitag unter dem Absender „hr Tagesgeschehen“ auf Twitter: „+++ Breaking – Politbombe platzt in Hessen +++ Seehofer kündigt laut interner Bouffier-Mail Unionsbündnis mit CDU auf +++ Merkel informiert, PK gegen 15 Uhr +++ Details folgen!“. Seinem Tweet fügte er ein Foto bei, das neben dem Bild und einem Zitat von Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) unter anderem auch das offizielle Logo des „Hessischen Rundfunks“ (HR) zeigte.

In der Annahme, es handele sich um einen offiziellen Account des öffentlich-rechtlichen Senders gab wenig später nicht nur die Nachrichtenagentur Reuters dazu eine Eilmeldung raus, sondern auch mehrere Medienhäuser griffen die vermeintlichen Sensationszeilen auf und schickten sie via Push-Meldung an ihre Nutzer – darunter „Bild“, „Focus Online“ und „n-tv“. Doch hinter dem Account mit dem Kürzel @hrtgn verbirgt sich keineswegs der öffentlich-rechtliche Sender mit Sitz in Frankfurt.

Nur kurze Zeit später bemerkten die Medienvertreter, dass sie auf eine „Titanic“-Meldung hereingefallen waren – und korrigierten ihre Nachricht, teils ohne die Begründung, auf eine Satire hereingefallen zu sein.

Doch die Push-Nachrichten waren da schon bei zahlreichen Nutzern der Nachrichten-Apps angekommen – so auch bei AfD-Politikerin Beatrix von Storch. Sie unterbrach während einer Parlamentsdebatte über den Familiennachzug den SPD-Abgeordneten Helge Lindh: „Herr Kollege, die Bild-Zeitung meldet gerade, dass Herr Seehofer die Fraktionsgemeinschaft aufgekündigt hat. Hat das irgendwelche Einflüsse auf das, was sie eben gesagt haben?“ Nach kurzer Unruhe im Saal antwortete Lindh: „Wir beschäftigen uns jetzt nicht mit der Bild-Zeitung, sondern mit dem Familiennachzug“ und setzt seine Rede fort.

Moritz Hürtgen legte nach seinem Satire-Coup nach und twitterte, dass er allen politikinteressierten Bürgern eine „Titanic“-Goldmitgliedschaft empfehle. Wenig später benannte er den Account zudem in „Moritz Hürtgen / hr Tagesgeschehen“ um.

Der vermeintliche Rückzug der CSU aus der Unionsgemeinschaft sorgte auch am Finanzmarkt für ungewollte Bewegungen: Gegen 12 Uhr, unmittelbar vor den ersten Meldungen über die angebliche Aufkündigung des Unionsfraktionsbündnisses durch Seehofer, notierte der Dax noch um die Vortagesmarke von 13.100 Punkten. Anschließend verlor der Leitindex bis zu 0,4 Prozent auf 13.050 Punkte. Wenig später machten die Kurse den Großteil der Verluste aber wieder wett.

Das plötzliche Minus ist allerdings nicht mit Sicherheit auf die Falschmeldung zurückzuführen. Am heutigen Handelstag werden an den Terminmärkten Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig. Ein volatiler Handel war bereits im Vorfeld erwartet worden. Hürtgen reklamierte die Kursbewegung aber nur allzu gerne für sich und twitterte: „Das tut mir wiederum leid.“

Um den Tweet und den Account @hrtgn als Satire zu entlarven, hätte eine Überprüfung der vorherigen Tweets des Accounts und eine Eingabe des Namens bei Google genügt. Gab man @hrtgn bei Google ein, wurde der Name Moritz Hürtgen angezeigt.

Vorherige Tweets des Accounts waren vor allem vom Twitter-Account des „Titanic“-Magazins retweetet worden. Erst am Donnerstag hatte Hürtgen über den Account Fotos mit Schlagzeilen aus Hessen getwittert, um den Anschein zu erwecken, es handle sich um einen Account des „Hessischen Rundfunks“. Scrollt man zu einem früheren Zeitpunkt zurück, finden sich viele andere Tweets.

Bereits im Februar dieses Jahres hatte der Titanic-Redakteur die „Bild“ genarrt: Damals hatte die Boulevardzeitung auf der Titelseite unter der Schlagzeile „Neue Schmutzkampagne bei der SPD“ von einem angeblichen Mailverkehr zwischen dem Juso-Chef Kevin Kühnert und einem angeblichen russischen Internettroll namens Juri berichtet.

Mailverkehr zwischen Kühnert und einem russischen Internettroll? Alles Fake.
Titelseite der Bild vom 16. Februar 2018

Mailverkehr zwischen Kühnert und einem russischen Internettroll? Alles Fake.

Die „brisanten Mails“ sollten belegen, dass Kühnert im Rahmen seiner NoGroKo-Initiative eine Internetkampagne gegen den damaligen SPD-Chef Martin Schulz erwogen habe. Kurz darauf meldete sich die Titanic zu Wort und erklärte, den angeblichen Schriftverkehr zwischen Kühnert und Juri gefälscht und an die „Bild“ lanciert zu haben: „Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe – und 'Bild' druckt alles, was ihnen in die Agenda passt.“

Auf technischer Ebene habe es gereicht, eine Header-Datei aus der Mail eines SPD-Mitglieds zu kopieren, sagte Hürtgen nach dem damaligen Coup im Deutschlandfunk. Auf Twitter war die Affäre unter dem Hashtag #miomiogate diskutiert worden.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Falschmeldung - Satire-Tweet zu Unionsfraktions-Aus sorgt für Wirbel – auffällige Kursbewegung im Dax

0 Kommentare zu "Falschmeldung: Satire-Tweet zu Unionsfraktions-Aus sorgt für Wirbel – auffällige Kursbewegung im Dax"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.