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Familienpolitik Arm trotz Arbeit – Was die Politik Alleinerziehenden verspricht

Nach einer Bertelsmann-Studie verharrt das Armutsrisiko für Alleinerziehende auf hohem Niveau. Die Parteien haben das Thema erkannt.
14.07.2021 - 15:51 Uhr Kommentieren
Knapp 43 Prozent der Ein-Eltern-Familien gelten als einkommensarm. Quelle: dpa
Alleinerziehende sind vor allem Frauen

Knapp 43 Prozent der Ein-Eltern-Familien gelten als einkommensarm.

(Foto: dpa)

Berlin Sie haben es ohnehin schon besonders schwer und litten zusätzlich stark unter der Corona-Pandemie: Mütter und Väter, die sich allein um ihre Kinder kümmern. Ihnen will die CSU nun Gutes tun: „Wir geben ein klares Entlastungssignal an Familien und Alleinerziehende“, sagte Landesgruppenchef Alexander Dobrindt bei der Klausurtagung im oberbayerischen Kloster Seeon.

Den Betrag, der auf sich gestellte Elternteile bei der Einkommensteuer entlastet, wollen die Christsozialen ab 2023 auf 5000 Euro im Jahr erhöhen. Alleinerziehende mit einem Einkommen von 3000 Euro hätten so im Vergleich zum Vorkrisenniveau jährlich über 900 Euro mehr in der Tasche.

Auch andere Parteien versprechen, sich nach der Wahl stärker um jene Frauen und Männer zu kümmern, die allein Verantwortung für Kinder tragen. Wie nötig das ist, zeigt jetzt eine aktuelle Studie, die die Darmstädter Juristin Anne Lenze für die Bertelsmann Stiftung erstellt hat.

Demnach ist das Risiko, in Armut zu leben, in Alleinerzieherhaushalten immer noch größer als in anderen Familienformen. Und betroffen sind meist Mütter, die 88 Prozent der Alleinerziehenden ausmachen.

Knapp 43 Prozent der Ein-Eltern-Familien gelten als einkommensarm. Ihr nach Alter und Anzahl der Haushaltsmitglieder gewichtetes Einkommen beträgt weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median). Bei den Paarfamilien mit einem Kind trifft das nur auf neun Prozent zu, mit zwei Kindern auf elf Prozent und mit drei Kindern auf 31 Prozent. Die Armutsgefährdung in Alleinerzieherfamilien ist von knapp 39 Prozent im Jahr 2010 auf knapp 44 Prozent im Jahr 2015 gestiegen und seither kaum zurückgegangen.

Mehr als die Hälfte der alleinerziehenden Mütter musste im Jahr 2017 mit weniger als 1700 Euro im Monat über die Runden kommen. Ihr Durchschnittseinkommen lag bei 1873 Euro, das von alleinerziehenden Vätern bei 2461 Euro. Paarfamilien hatten mit 4094 Euro mehr als doppelt so viel Geld zur Verfügung wie alleinerziehende Mütter.

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In Deutschland lebten 2019 gut 1,5 Millionen Familien, in denen sich ein Elternteil allein um den minderjährigen Nachwuchs kümmert. 2,2 Millionen Kinder unter 18 Jahren wachsen in einer Ein-Eltern-Familie auf.

Obwohl alleinerziehende Mütter häufiger einer Beschäftigung nachgehen als andere Mütter und auch öfter in Vollzeit arbeiten, war ein Drittel aller Ein-Eltern-Haushalte im vergangenen Jahr auf Grundsicherungsleistungen angewiesen. Die Abhängigkeit wächst dabei mit der Kinderzahl.

Von den Paarfamilien mit Kindern brauchten nur rund sieben Prozent staatliche Unterstützung. Allerdings ist die Hilfequote bei Alleinerziehenden – wie auch in der Gesamtbevölkerung – zwischen 2015 und 2020 zurückgegangen.

Das hat auch mit einer Reihe von Gesetzesänderungen zu tun, die in der zu Ende gehenden Legislaturperiode auf den Weg gebracht wurden. Zu nennen sind etwa Verbesserungen beim Unterhaltsvorschuss, die Erhöhung des Kinderzuschlags oder Entlastungen bei den Kita-Gebühren für bedürftige Familien.

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Um dem Corona-bedingt höheren Betreuungsaufwand gerade für Alleinerziehende Rechnung zu tragen, hatte die Große Koalition zudem den steuerlichen Entlastungsbeitrag von 1908 auf 4008 Euro mehr als verdoppelt – zunächst befristet auf zwei Jahre, dann dauerhaft. Ab dem zweiten Kind erhöht sich der Entlastungsbeitrag um 240 Euro pro Kind.

Für Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, ist das ein Schritt in die richtige Richtung, der aber noch nicht ausreiche. Alleinerziehende arbeiteten häufig im Niedriglohnbereich und in systemrelevanten Berufen und lebten in beengten Wohnungen. Geschlossene Schulen und Kitas hätten ihre schwierige Situation in der Pandemie noch verschärft.

Parteien stellen finanzielle Entlastung für Alleinerziehende in Aussicht

„Es muss mehr getan werden, um alleinerziehende Familien zu entlasten, finanziell zu unterstützen und damit auch den Kindern zu helfen“, fordert Dräger. Denn 45 Prozent aller Kinder, für die Grundsicherungsleistungen gezahlt werden, lebten in einer Alleinerzieherfamilie.

Die Bertelsmann Stiftung schlägt ein Teilhabegeld vor, das finanzielle Leistungen für Kinder bündelt, einfach zu beantragen ist und gerade Alleinerziehende erreichen soll. In diese Richtung zielen Grüne und SPD mit ihrem Vorschlag einer Kindergrundsicherung. Beide Parteien sehen zudem zusätzliche finanzielle Leistungen oder Steuerentlastungen für Alleinerziehende vor.

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Die Union stellt in ihrem Wahlprogramm in Aussicht, den Entlastungsbeitrag „perspektivisch“ auf 5000 Euro zu erhöhen, so, wie es die CSU-Landesgruppe ab 2023 fordert. Die Liberalen wollen ebenfalls den Steuerfreibetrag für Alleinerziehende anheben und dafür sorgen, dass Betreuungskosten besser von der Steuer abgesetzt werden können.

Die Bertelsmann Stiftung sieht aber auch Reformbedarf bei Unterhaltszahlungen. Denn nur in etwa einem Viertel der Fälle kämen diese in Höhe des Mindestunterhalts bei den Alleinerziehenden an. Unterhaltsansprüche sollten deshalb auf den Staat übertragen werden, damit dieser sie einfordern könne.

Mehr: Von der Bildung bis zur Rente: Die Wahlprogramme im großen Vergleich

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