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Familienunternehmertag Berlin Der Mittelstand fühlt sich wieder ernst genommen

Der Familienunternehmer-Verband feiert 70. Geburtstag – und sich selbst. Am Rande wird klar: Der Mittelstand sucht doch das Gespräch mit Altmaier.
09.05.2019 - 18:32 Uhr Kommentieren
Der Generalsekretär sprang beim Familienunternehmertag für die erkrankte Annegret Kramp-Karrenbauer ein. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Paul Ziemiak

Der Generalsekretär sprang beim Familienunternehmertag für die erkrankte Annegret Kramp-Karrenbauer ein.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Berlin Als der Präsident der Familienunternehmer, Reinhold von Eben-Worlée, den rund 750 Mitgliedern und Gästen des Verbandes im Berliner Congress Center verkündete, dass die CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer leider nicht wie versprochen zu ihnen sprechen wird, schallten ihm Buhrufe entgegen. Für einige Teilnehmer lag der Verdacht nahe, dass sie sich scheut, auch Fragen zum Bundeswirtschaftsminister auf der Bühne zu beantworten.

Schließlich war Peter Altmaier bewusst nicht beim 70. Geburtstag des Verbandes eingeladen worden. Doch der Präsident beschwichtigt, eine Augenerkrankung habe Kramp-Karrenbauer vom Besuch bei den Familienunternehmern abgehalten, Generalsekretär Paul Ziemiak werde stattdessen sprechen. Spätestens seit April, als diese Nichteinladung bekannt wurde, ist zwischen dem Verband Die Familienunternehmer und dem Bundeswirtschaftsminister auch nach außen hin nichts mehr, wie es alle Beteiligten mal nach der Regierungsbildung erhofft hatten.

Aber ohne die heftige Attacke auf den Bundeswirtschaftsminister hätten die Familienunternehmer ihren 70. Geburtstag wohl mehr unter sich gefeiert. Das Interesse an den Familienunternehmern ist groß an diesem Tag. Was die Unternehmer so aufregt, ist, dass sich Altmaier im Februar Gedanken über eine Industriestrategie gemacht hat, in der er darlegt, dass der Staat durchaus gestaltend eingreifen soll, um nationale und europäische Champions zu schaffen.

Verband für Wettbewerb

Und auch, dass systemrelevante Firmen gerettet werden und ein Fonds im Zweifel eingreift, wenn diese Unternehmen von außereuropäischen Firmen aufgekauft werden sollen. Altmaier hatte die Ideen vor dem Hintergrund der protektionistischen und staatskapitalistischen Tendenzen in den USA und China verkündet.

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    Schaut man auf das Jubiläum des Verbands, offenbart sich, warum Altmaiers Nationale Industriestrategie die Familienunternehmer so aufregt. Schon in der Gründungszeit vor 70 Jahren kämpfte der Verband an Ludwig Erhards Seite gegen den Schutz nationaler Champions. „Wettbewerb ist unser Lebenselixier!“, ruft von Eben-Worlée den Unternehmern zu. „Wir sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, und das wird zu wenig gelobt“, ergänzt er.

    Der Präsident der Familienunternehmer hat diesmal aber den Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) an seiner Seite, der vor 70 Jahren noch eine andere Position hatte. „Die Nationale Industriestrategie enthält Angriffe auf die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands, sie ist ein Angriff auf die Grundpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft.“

    Er habe mehrfach in dieser Woche mit Altmaier gesprochen, erzählt von Eben-Worlée. Altmaier habe diesmal „viel zugehört, statt viel zu reden“. Doch nähergekommen sind sie sich nicht. Viele Befürworter der Förderung nationaler und europäischer Champions verstünden nicht, was dies für die Mittelständler als deren Zulieferer bedeute: eine Vergrößerung der Marktmacht solcher Champions und damit einen Angriff auf die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands.

    Kartellamtspräsident Andreas Mundt signalisierte den Unternehmern aber, er stimme Altmaier schon zu, „dass wir uns vor allem Lösungen überlegen müssen, wenn Staatswirtschaft den Wettbewerb verzerrt“. Nationale Champions könnten aber nur durch Wettbewerb entstehen, sagt von Eben-Worlée. Man solle selbstbewusster sein, auf Augenhöhe sprechen, und der Verband müsse wie vor 70 Jahren seine Macht mehr ausspielen, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt.

    Die Chefin der Jungen Unternehmer, Sarna Röser, hatte auch am Mittwoch noch mal Kontakt mit Altmaier und ist fürs Erste zufrieden: „Wir haben es geschafft, dass er mit uns diskutiert. Nun warten wir auf den Herbst.“ Dann will Altmaier eine neue Variante seiner Industriestrategie vorlegen.

    Ziemiak und Fraktionschef Ralph Brinkhaus jedenfalls gaben sich alle Mühe, die Unternehmer für sich zu gewinnen. Weiterhin solle der Soli abgeschafft werden, auch „wenn die Spielräume enger werden“, sagte Ziemiak. Und Brinkhaus forderte, bei einem geringer werdenden Zuwachs an Steuereinnahmen, wie ihn Bundesfinanzminister Olaf Scholz fast zeitgleich verkündete, müsse sich die Politik stärker für die Wirtschaft einsetzen.

    Es gehe auch darum, „dass Leistungsträger weiter in diesem Land bleiben und dass Leistungsträger weiter motiviert bleiben“. Am Mittwoch hatte der Verband seine eigene Industriestrategie vorgelegt. Darin fordert er Entlastungen bei Steuern, Energie- und Arbeitskosten, Investitionen in Infrastruktur, die deutliche Absage an eine Schwächung der Beihilfeaufsicht und einen Umgang mit China auf Augenhöhe.

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