FDP-Generalsekretär „Kulturelle Abschottung ist falsch“

Multikulti ist von den Koalitionsspitzen offiziell zum gescheiterten Modell erklärt worden. Warum Deutschlands Wirtschaft aber weiterhin Zuwanderung braucht und wie diese am besten kontrolliert wird, erklärt FDP-Generalsekretär Christian Lindner im Handelsblatt-Interview.
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FDP-Generalsekretär Christian Lindner plädiert im Handelsblatt-Interview für eine Politik der kontrollierten Zuwanderung. Quelle: APN

FDP-Generalsekretär Christian Lindner plädiert im Handelsblatt-Interview für eine Politik der kontrollierten Zuwanderung.

Handelsblatt: Kanzlerin Merkel hat Multikulti in Deutschland für gescheitert erklärt. Hat sie recht?

Christian Lindner: Der naive Glaube etwa der Grünen, dass Integration schon von allein passiert, ist klar von den Fakten widerlegt. Das sagen wir schon lange. Jetzt müssen nur die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Pauschalurteile und kulturelle Abschottung sind falsch. Es gibt ja auch positive Beispiele. Wir brauchen eine fordernde Integrationspolitik, die Zuwanderern Chancen eröffnet, sie aber auch in die Pflicht zur Kooperation nimmt, notfalls mit Sanktionen wie dem Entzug von Sozialleistungen.

Merkel und CSU-Chef Seehofer fürchten eine Zuwanderung ins deutsche Sozialsystem. Was muss sich ändern?

Die Befürchtung ist bei einer gesteuerten Zuwanderung unbegründet. Uns geht es nicht um Migranten, die Sozialleistungen verzehren, sondern um neue Mitbürger, die Steuern zahlen. Bei Hochqualifizierten gibt es höchst selten Integrationsprobleme. Rainer Brüderle und ich haben im Sommer dazu Vorschläge gemacht, die inzwischen auch von CDU-Ministerinnen unterstützt werden. Wir wollen ein Punktesystem, mit dem wir gezielt Spitzenkräfte auswählen. Die Weiterqualifikation von inländischen Kräften allein hilft nicht. Ein Teil der Langzeitarbeitslosen verfügt leider über keinerlei Schul- und Berufsabschluss. Die wird man nicht zu Ingenieuren nachqualifizieren können. Ohne Zuwanderung würden wir es schwer haben, die Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumsstärke zu halten. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die Zuwanderungsgesetze zukunftsfest zu machen.

Die CSU warnt allerdings vor der Zuwanderung aus bestimmten Kulturkreisen. Zu Recht?

Für mich war das kein fachlicher Beitrag von Horst Seehofer. Es war der Versuch, die Lufthoheit über den Stammtischen von Thilo Sarrazin zurückzugewinnen. Ich habe zwar Verständnis für eine volkstümliche Politik, aber sie bringt uns in der Sache nicht weiter. Entscheidend für Zuwanderung sind nicht das religiöse Glaubensbekenntnis oder die private Lebensführung, sondern die Akzeptanz unserer Rechtsordnung und die Bereitschaft zur Integration in Wirtschaft und Gesellschaft. Wer also nach unseren Regeln spielt und mithilft, unser Land nach vorne zu bringen, sollte uns willkommen sein.

Kanzlerin Merkel sorgt sich offenbar um die Arbeitsplätze von Hochtief und will dort gegen die Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS helfen. Was halten Sie davon?

Als Partei der Ordnungspolitik sind wir zurückhaltend bei politisch motivierten Eingriffen in den Markt. Ich verstehe die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter. Aber diese gibt es auch immer wieder im Mittelstand. Eine staatliche Einflussnahme bei Hochtief lehne ich ab. Die Politik kann keine Bestandsgarantie für ein Unternehmen geben.

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5 Kommentare zu "FDP-Generalsekretär: „Kulturelle Abschottung ist falsch“"

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  • Lebewesen und Sachgegenstände sind in Deutschland nur nützlich, solange sie oder es zu irgendetwas taugen und beliebig ausgebeutet werden können, solange jemand davon profitiert.

    Wir warten darauf, dass eines Tages unser Christian Lindner in einem Altenheim schwerkrank, mit Leiharbeit betrieben sitzt, und aufgrund von Armut mit Tabletten ruhiggestellt wird und nichts zu trinken bekommt. Seine teure Pension und Privatkassenrechnungen wird vom Dr. Titel inhaber des Altenheimes Führungspersonal einkassiert und den zugehörigen Provatärzten und er erlebt live mit wie seine Kinder in Hartz4 und niedriglohnjobs verrotten ohne Chance auf eine Zukunft.

    Sie kommen nicht einen Tag ins Altenheim und warten darauf, dass sie keine Angst mehr ahaben müssen bei einem vermeintlichen Lottogewinn, dieses Geld auch noch ans Altenheim abdrücken zu müssen.

  • @ Peter: Dem kann ich vollumfänglich zustimmen. Es scheint so, als hätte hier jemand das buch von Thilo Sarrazin auch tatsächlich gelesen. Alle, insbesondere die Trittins, Roths etc, die Herrn Sarrazin auf Grund seines buches diffamiert haben, scheinen das auf keinen Fall getan zu haben. ich habe das buch aktuell bis zur Seite 350 gelesen. bis zu dieser SEite habe ich keinerlei Diffamierungen gegen irgend jemanden im buch gefunden. Von Statistiken mal abgesehen, deren Wahrheitsgehalt man grundsätzlich nicht werten kann, wurden lediglich Fakten präsentiert. Die Politik verleugnet ebenfalls immer wieder gerne die Tatsache, dass nicht generell die Zuwanderung ein Problem ist, sondern vielmehr die unqualifizierte Zuwanderung, insbesondere der Familiennachzug von Ehefrauen, die sich i.d.R. niemals integrieren werden. in der Abwandungsquote sind daher vielmehr die Personen von Ausländern vertreten, die etwas im eigenen Land erreichen wollen und somit ehrgeizig genug sind. Die Migranten, die hier bei uns bereits aus den Sozialtöpfen mehr als feudal bedient werden, werden unser Land nie verlassen. Warum auch, diesen Lebensstandard werden sie in keinem anderen Land - ohne Gegenleistung und eigenes Engagment - erreichen.
    Nochmal zur Klarstellung. Wir brauchen Personen, die gewillt sind, etwas für das Land zu leisten und voran zu bringen. Jeder, der das vor hat und unsere Gesetze und Gepflogenheiten achtet, ist willkommen. Personen, die arbeitsfähig sind, aber trotz Angebot dennoch nicht arbeiten wollen und nur unsere Sozialtöpfe leeren, haben hier nichts zu suchen. Das sollten auch so langsam mal die "Gutmenschen" der sogen. Linken und Grünen erkennen und nicht nur hinter vorgehaltener Hand zugeben. Hierzu empfiehlt sich der Film von Spiegel TV "unter Linken".

  • Eine generelle kulurelle Abschottung ist nicht von Nöten .......... aber gegen die aus dem Morgenland schon!

  • bei ruhiger betrachtung und mit etwas zeitlichem Abstand von den ersten großen Aufschreien nach dem Erscheinen des buches "Deutschland schafft sich ab" kristallisiert sich doch immer klarer heraus, dass wir hier in berlin, Hamburg, bremen und in einigen weiteren, kleineren Städten in allererster Linie konkrete Probleme mit ethnischen Kolonien kurdischer Großfamilien haben. Diese Menschen lassen sich nicht integrieren. Sie haben jahrhundertelange Erfahrung, ihren ethnischen Zusammenhalt und ihr Auskommen zu sichern, und auf die von ihnen hierfür entwickelten Methoden ist unser Rechts- und Sozialsystem nicht ausgelegt. Es ist ein Trugschluss zu glauben, man könne aus diesen Familien in irgendwie nennenswertem Umfange brauchbare Fachkräfte für unsere industrie, Wissenschaft oder Verwaltung gewinnen. Es geht viel eher darum, die von den kurdischen Siedlungen unmittelbar betroffenen Menschen, Nachbarn, Lehrer, Polizisten in geeigneter Weise vor deren konkreten Auswirkungen zu schützen und ihnen eine unseren rechtsstaatlichen Normen entsprechende Rechtssicherheit zu gewährleisten.
    Überhaupt halte ich es für ein Novum in der Geschichte, dass sich derartige kurdische Kolonien weitab von den eigentlichen kurdischen Siedlungsgebieten hier mitten in Europa in dieser Stärke ausbilden konnten. Es gibt dazu zumindest bei uns keinerlei geschichtliche Erfahrungen, auf die wir zurückgreifen könnten. Deshalb sehen wir mit einiger Ratlosigkeit, wie sich diese Menschen mit gut dosierter Gewalt schrittweise weitere Freiräume und Einkünfte erobern.

  • Angebot und Nachfrage regeln den Preis...

    ... daß die FDP zum Wohle der Kapitaleigner
    die Löhne des qualifizierten Fachpersonals drücken will,
    sollte nicht weiter verwundern.

    ... des weiteren ist "Multikulti" ein prima Mittel um zu verhindern,
    daß "die basis" mit einer Stimme spricht...

    ..."Teile und Herrsche" ...


    und diese Heuchelei zum Thema bildung hat mittlerweile wohl auch wirklich jeder satt!
    Denn bildung hängt hierzulande in erster Linie von der Herkunft und vom Geldbeutel ab - wie zahlreiche Studien bemängeln.

    ... und wenn die industrie ingenieure braucht,
    dann soll sie -ganz einfach- gezielt fördern.

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