FDP „Gestreute Zweifel an Stuttgart 21 kaum noch zu ertragen“

Gegen das umstrittene Bahnprojekt „Stuttgart 21“ gibt es massive Proteste in der Bevölkerung. Selbst der Bahnvorstand soll das Vorhaben vor einigen Jahren schon als unwirtschaftlich abgelehnt haben. Die Bundes-FDP will davon nichts wissen und verweist auf geltende Beschlüsse, die auch die Grünen einst mitgetragen hätten. Dass aus dieser Richtung nun die Forderung nach einem Volksentscheid kommt, löst bei den Liberalen daher Kopfschütteln aus.
24 Kommentare
Besen mit Anti-Stuttgart-21-Aufkleber: Die Proteste gegen das Projekt reißen nicht ab. Quelle: dpa

Besen mit Anti-Stuttgart-21-Aufkleber: Die Proteste gegen das Projekt reißen nicht ab.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Die Bundes-FDP hat mit Unverständnis auf den Widerstand gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 reagiert und Kritik vor allem von Seiten der Grünen scharf zurückgewiesen. „Der von den Grünen und einigen zweifelhaften Gutachtern immer wieder gestreute Zweifel an wirtschaftlicher und technischer Realisierungsmöglichkeit ist kaum noch zu ertragen“, sagte der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagfraktion, Patrick Döring, Handelsblatt Online. Hinsichtlich Kalkulationen und Berechnungen sei bei Stuttgart 21 vielmehr die „sorgfältigste Vorbereitung“ gelaufen, die es je bei einem komplexen Großprojekt gegeben hat.

So gelte für Stuttgart beispielsweise, dass vorhandene unterirdische Nahverkehre in dem Gestein bereits realisiert worden seien, das angeblich so gefährlich ist. In zehn Jahren Planungsverfahren habe die Deutsche Bahn zudem „vollumfänglich“ im Planfeststellungsverfahren alle Bedenken und Einwände der beteiligten Gemeinden, der Wirtschaft und der Bürger ausräumen können, so dass auch ein Planfeststellungsbeschluss rechtskräftig vorliege. Die Berechnungen zu Kostensteigerungen „irgendwelcher sogenannter Experten“ entbehrten daher jeglicher Grundlage. „Da das größte wirtschaftliche Risiko ohnehin die Region trägt und derzeit nun wirklich niemand weiß, wie die Vermarktung der freigeräumte Flächen in der Innenstadt wirtschaftlich ausgestaltet wird, erübrigen sich weitere Spekulationen“, betonte Döring.

Bahnchef Rüdiger Grube schließt eine weitere Kostensteigerung beim umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm nicht aus. „Bei Infrastrukturprojekten kann man nie sagen, was am Ende auf Heller und Pfennig herauskommt“, sagte Grube der „Wirtschaftswoche“. Als Beispiel für steigende Kosten nannte der Manager höhere Sicherheitsanforderungen etwa beim Tunnelbau. Vor zehn Jahren sei bei Tunneln alle 1000 Meter ein Sicherheitsausgang erforderlich gewesen, heute alle 500 Meter. FDP-Verkehrsexperte Döring sagte dazu: "Nach meiner Kenntnis wird die Wirtschaftlichkeitsberechnung für Wendlingen-Ulm derzeit angepasst. Das werden wir uns dann genau anschauen."

Grube betonte jedoch, dass die derzeitige Größenordnung der Kosten bei beiden Projekten stimme und seriös durchgerechnet sei: „Ich war es, der als neuer Bahnchef realistische Zahlen auf den Tisch gelegt hat.“ Laut Deutsche Bahn kostet der Bahnhof rund 4,1 Milliarden Euro und die Neubaustrecke rund 2,9 Milliarden Euro.

Gegen das umstrittene Bahnprojekt gibt es massive Proteste in der Bevölkerung. Am Freitagabend gingen nach Veranstalterangaben in Stuttgart mehr als 69 000 Menschen auf die Straße - ein neuer Rekord. Die Polizei sprach von 35 000 Teilnehmern. In einem „Stuttgarter Appell“ forderten bisher mehr als 54 000 Menschen einen Baustopp und eine Bürgerbefragung zu dem Milliardenvorhaben. Die Bundes-Grünen und die oppositionelle SPD spricht sich für eine Volksabstimmung über das Bahnprojekt aus.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

24 Kommentare zu "FDP: „Gestreute Zweifel an Stuttgart 21 kaum noch zu ertragen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • an die jenigen maschmi`s Ötzis , dödlie`s ,
    Nochmal eine Antwort zu falschen Zahlen.
    Die Zahlen sind in der Größenordnung eher untertrieben.
    Nun denn, das die bahn nicht alleine für die Kosten aufkommen muß ist klar. Aber das diese Summen einen Mehrwert Mehrertrag oder Mehrumsatz bei den Geldgebern, mindestens in der genannten Größe generieren müssen ist ebenso Klar. bei der sehr optimistischen großzügigen Umsatzrendite von 10% muß das eben auch für die anderen Geldquellen betrachtet werden.
    Wer erzielt denn 10% Umsatzrendite.
    Wer das nicht sieht oder sehen will ist doch eigentlich ein sehr dummer oder eventuell sehr einfältiger Mensch der sich über so simple Wirtschaftliche Zusammenhänge keine Gedanken macht. Eventuell wegen fehlenden intellekts.
    Auch übersetzt fehlender geistiger Kapazität.
    Aber was nicht da ist, kann ja vielleicht durch ewiges wiederholen von Phrasen ausgeglichen werden.
    Deshalb
    Stoppt den Wahnsinn
    Die genannten Summen sind

  • @maschmi
    "Mein Problem ist, dass die Demonstranten behaupten, dass die Politik unsere Demokratie missbraucht und mit Füßen tritt."

    Nun, dieses Problem wird spätestens bei der nächsten Wahl gelöst werden.
    Daß manche Politiker demokratische Strukturen mißbraucht haben, habe ich in der Vergangenheit desöfteren erleben dürfen, so daß dieser Verdacht nicht ganz aus der Luft gegriffen ist.
    Schon bei dem Verdacht, daß die Mehrheit anders denken könnte, sollte ein Politiker eigentlich diesem Verdacht engagiert nachgehen und sich entsprechend dem bürgerwillen verhalten, statt sich auf sein Mandat zu berufen.
    Und ein Kanzler, der seine persönliche Meinung höher als unsere Gesetze einstuft, ist wahrlich kein Vorbild für unsere politische "Kultur". (um mal nur eines von vielen beispielen anzusprechen)

  • Sie finden Kinderschuhe wenn Sie in der City sind, doch um die City zu gelangen kostet es mit einer 2 Zonen Karte 4,70, Tarif: 4- fach Mehrfahrtenkarte 9,40 Euro.
    Und die Preise für diese Schuhe sind alles andere als günstig, sie legen locker 50 - 90 Euro hin für Schuhe die passen und nicht nach Altautoreifen oder sonstiger Chemikalien riechen.

    Doch duirch Stuttgart21 soll Geld eingefahren werden. Richtig, für einige Wenige wird Geld eingefahren.
    Passierte jedoch ein Unfall oder das Projekt klappt nicht, bereits Ramsauer kippte notwändige Sicherheitsmaßnahmen, weil er kann es garnicht berurteilen, ...
    Dann zahlt wieder der bürger und im vorkalkulierbaren Projet steht vielleicht Stuttgart mit einem unterirdischem bahnhof da, doch ob der Anschluss und die schwierige Tunnelgrabung des Folgeprojektes funktioniert, die das Projekt erst wirtschaftlich machen, steht in den Sternen.
    Zudem ist es, wie in vielen dieser immobilienprojekten erkennbar, es muss das Grundwasser gesenkt werden.
    Zum Vergleich: in marrakesch sank der Grundwasserspiegel, auch durch die bewässerung von Golfplätzen, von 9 m auf weit über 60 m unter der Erde. Was das für die Menschen und die Umwelt dort bedeutet in der Wüste können Sie sich vielleicht vorstellen?

  • Am 13.5.2003 berichtete das Handelsblatt über den geplanten Verkauf des Motorenbauers MTU. Der dafür zuständige Vorstand bei Daimler war ein gewisser Herr Rüdiger Grube. MTU wurde schließlich verkauft. Circa 5 Jahre später erwarb Daimler wieder 25% bei MTU für ungefähr den gleichen betrag, den sie damals für den Verkauf von 100% der Anteile bekommen hatten. Warum ist das von Relevanz für S21?
    Rüdiger Grube, inzwischen Vorstand der bahn, dürfte mit diesem Deal unter beweis gestellt haben, dass er mit seinem Gespür für strategische Entscheidungen und Planungsrechnungen nicht immer ganz richtig liegt, warum also jetzt bei S21?

  • @herbert:
    "Diese 400Mio müssen zusätzlich erwirtschaftet werden um dieses Projekt abzuzahlen. Also nehmen wir mal an die bundesbahn erwirtschaftet eine Rendite von sage und schreibe 10%, dann müssten also für die 400Mio zu verdienen 4 illiarden mehr Umsatz gemacht werden , hier habe ich noch gar nicht die Steuern eingerechnet.
    Diese wenigen Zahlen zeigen doch eigentlich die Absurdität dieses Projektes."
    --> Warum soll die "bundesbahn" die Kosten in Summe tragen? Die Kosten für S21 teilen sich bahn, EU, bund, Land und Stadt. Die bahn muss also keine 4 Mrd Euro erwirtschaften, um S21 zu finanzieren. Das geschieht zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Steuergeldern. Übrigens: aus diesem Grund werden Steuern erhoben. Der Staat, in all seinen Ausprägungen, hat genau diese Aufgabe: für infrastruktur zu sorgen. Deshalb müssen keine Steuern erhöht werden!
    Die angegebenen Zahlen sind schlicht und ergreifend falsch.

    @norbert:
    Stimmt, wir sind wohl beide nicht in der Lage, die technische Umsetzbarkeit zu beurteilen. Mein Problem ist, dass die Demonstranten behaupten, dass die Politik unsere Demokratie missbraucht und mit Füßen tritt. Dabei tun die genau das, was sie sollen: beschlüsse in unserem Namen fällen und diese umzusetzen. Keine Ahnung, wie viele Leute tatsächlich gegen S21 sind. ich persönlich kennen nur wenige. Dass es viele gibt, ist offensichtlich. Wobei ich mich frage, ob diese ganzen Demonstranten gegen S21 sind, oder ob es nicht eine Vielzahl von Menschen gibt, die einfach nur "dagegen" sind, wogegen auch immer. Dieser Eindruck verstärkt sich bei mir zusehens.

    @Mariana Mayer
    Die 282 bäume müssen weg, weil sie "im Weg stehen". Es gibt aber eine klare Vorgabe, dass hinterher weit mehr bäume gepflanzt werden als gefällt werdne müssen. Das mag unserer Generation nicht viel bringen, unseren Kinder aber schon. Übrigens finde ich in der Stadt immer etwas für meinen Sohn, kann aber verstehen, dass man eine Aversion gegen bestimmte Läden haben kann - geht mir genauso. Das hat aber meiner Meinung nach nichts mit S21 zu tun.

  • Gerade die FDP muss auf geltende beschlüsse verweisen. Welche Partei hat denn vor der bundestagswahl auf eigenen beschluss ein 400-Punkte-Sparprogramm durch die Lande getragen und nach der Wahl eben dieses Programm blitzartig verschwinden lassen? Das ist diese F.D.P..
    Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.
    Hasta la Vista Westerwelle.

  • Die zittern doch wie Lämmerschwänze, wenn sie bloß an die Fünfprozenthürde denken... Das gibt ein Fest Herr Döring! ;oD

  • Die Haltung von Herrn Döring zeugt von Arroganz und Überheblichkeit! Er wäre gut beraten, auf den politischen Willen der "Mehrheit" der Stuttgarter bürger Rücksicht zu nehmen. Die FDP wird bei der nächsten Wahl sonst die 5%-Hürde nicht mehr schaffen, Herr Döring "sägt" am eigenen Ast.

  • Das wesentliche Gutachten, dass den bau aufgrund zu großer Risiken eigentlich verbietet wurden mit welchem Recht auch immer dem "mündigen bürger" vorenthalten.
    Und ausgerechnet die sogenannte liberale Partei wundert sich nun, daß sich der bürger wehrt. Offensichtlich passen bürger die sich an der Politik aktiv beteiligen wollen nicht ins Konzept der Partei der besserverdienenden. Denn da spielen nur die interessen der Reichen und Mächtigen eine Rolle.

  • Wozu soll oberirdisch Fläche erwirtschaftet werden?

    Damit dort wie in ganz EU diese Einkaufszentren errichtet werden, die niemand braucht und die anschließend halbleer stehen, weil keiner die miete zahlen kann?
    Dafür lohnt es sich nicht 300 alte wertvolle bäume zu fällen. Der Park ist so wie er ist sehr wirkungsvoll. Stuttgart21 egal, doch warum sollen die bäume gefällt werden? Wegen sinnloser immobilien die neimand braucht?

    Wenn jemand ein nettes Einkaufsviertel sehen möchte fährt lieber nach Freiburg mit vielen auch alteingessenen alten kleinen Geschäften. Die NewMedia branche mit Telefonläden, Klamotten die niemandem passen, Parfümläden, und billig discountern , ich war nie ein Fan davon und diese meist sinnlosen Artikel brauche ich auch nicht um zu überleben.

    ich renne in Stuttgart umher um ein paar Kinderschuhe zu ergattern, oder sonstwelche Artikel die benötigt werden, doch es gibt keine vernünftigen Läden für Kinderbekleidung. Dafür fährt man in der ganzen Stadt umher und sucht Geschäfte.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%