FDP in der Krise Lindner läutet die Rösler-Dämmerung ein

Mit dem Abgang von Generalsekretär Lindner hat für die FDP der Überlebenskampf begonnen. Ungewiss ist, ob sich Parteichef Rösler im Amt halten kann. Schon wird sein Rücktritt gefordert.
Update: 14.12.2011 - 18:53 Uhr 49 Kommentare
Bundeswirtschaftsminister und FDP-Chef Philipp Rösler im Bundestag. Quelle: dpa

Bundeswirtschaftsminister und FDP-Chef Philipp Rösler im Bundestag.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEin wenig hilflos wirkt Philipp Rösler, als er am frühen Nachmittag vor die Presse tritt und zum Rücktritt seines Generalsekretärs Christian Lindner Stellung nimmt. Er bedauert, was letztlich nicht mehr aufzuhalten war, auch wenn Rösler Lindners Arbeit als hervorragend preist. Lindner habe große Verdienste, erklärte der FDP-Chef der Berliner Parteizentrale. Dass Rösler Lorbeeren an seinen einstigen Lautsprecher verteilt, überrascht nicht. Die ganze Wahrheit über seinen Abgang wird man von ihm ohnehin nicht erfahren. Ein offene Geheimnis ist allerdings, dass das Verhältnis der beiden seit längerem als angespannt gilt.

„Jetzt werden wir (...) nach vorn schauen“, versucht Rösler die ersten Wogen zu glätten. Die FDP werde geschlossen in das Jahr 2012 gehen, sagte Rösler. Er werde „ziemlich schnell“ eine Personalentscheidung treffen. Er deutete an, dass dies am Freitag der Fall sein könnte. Das Parteipräsidium kommt dann zu Beratungen über das Ergebnis des Mitgliederentscheids zum geplanten dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM zusammen.

Mehrere Medien spekulieren bereits darüber, dass der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Patrick Döring Nachfolger werden könnte. Lindner hatte am Vormittag seinen Rücktritt ohne nähere Erläuterung bekanntgegeben. „Es gibt den Moment, in dem man seinen Platz frei machen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen“, sagte der 32-Jährige. Er war wie Rösler im Zusammenhang mit dem Mitgliederentscheid zum ESM stark in die Kritik geraten. Beide hatten den Entscheid bereits am Wochenende - vor Ablauf der Frist - für gescheitert erklärt.

Dass Rösler noch bis Freitag wartet mit der Bekanntgabe des Lindner-Nachfolgers könnte zum Bumerang für ihn werden. Denn schon jetzt bringen sich parteiinterne Kritiker gegen ihn in Stellung.

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum forderte den Rücktritt der gesamten FDP-Führungsspitze. Es gehe jetzt auch um Parteichef Rösler und die gesamte Führung der FDP, sagte Baum am Mittwoch in mehreren Fernsehinterviews. „Die Partei ist in einer Lebensgefahr wie nie zuvor. Das verlangt radikale Entscheidungen“, sagte der frühere FDP-Spitzenpolitiker dem Sender Phoenix.

Lindners Rücktritt und Röslers zögerliches Handeln bei der Präsentation eines Nachfolgers sind symptomatisch für die Lage der Liberalen. Trotz ihrer Verjüngung an der Spitze verlor die „neue“ FDP schnell an Dynamik. Mit dem Dreigestirn Phillip Rösler, Christian Lindner und Daniel Bahr sollte die Ära Guido Westerwelle vergessen gemacht werden – mit neuem Elan und politischen Projekten, die nicht nur als Versprechen dahin vegetieren, sondern auch tatsächlich umgesetzt werden. Doch die Hoffnungsträger haben nicht „geliefert“, um ein Wort von Rösler zu nehmen. Dass Lindner nun als Generalsekretär hinschmeißt, ist folgerichtig. Er scheiterte auch, weil er sich parteiintern verhoben hat.

Putsch-Gerüchte machen die Runde
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49 Kommentare zu "FDP in der Krise: Lindner läutet die Rösler-Dämmerung ein"

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  • Eine kleine Weile noch können die Parteien das Volk mit sich ziehen. Doch dann wird es Zeit, sich eine anderes Volk zu wählen.

  • Die vereinigten Staaten von Europa werden kommen. Sie sind die Krönung der Römischen Verträge. Egal welche Parteien oder Länder das torpedieren wollen, Europa ist bereits geeinigt. Es ist bereits schon jetzt die stärkste Wirtschaftszone der Welt. Weder den USA noch den Chinesen passt das in den Kram. Die USA sind praktisch pleite, und die Chinesen werden jammern, weil sie ihre wichtigste Resource(Wasser) vergiftet haben.Wer es immer noch nicht glauben will, Europa ist auf dem Weg zur neuen Supermacht. Es geht also weder um den Euro noch um Schulden. Hier geht es um mehr.

  • Die vereinigten Staaten von Europa werden kommen. Sie sind die Krönung der Römischen Verträge. Egal welche Parteien oder Länder das torpedieren wollen, Europa ist bereits geeinigt. Es ist bereits schon jetzt die stärkste Wirtschaftszone der Welt. Weder den USA noch den Chinesen passt das in den Kram. Die USA sind praktisch pleite, und die Chinesen werden jammern, weil sie ihre wichtigste Resource(Wasser) vergiftet haben.Wer es immer noch nicht glauben will, Europa ist auf dem Weg zur neuen Supermacht. Es geht also weder um den Euro noch um Schulden. Hier geht es um mehr.

  • Wir brauchen eine liberale Partei, die ordnungspolitische Werte offensiv vertritt, eine Partei, die für die Binnen-marktperspekte für Europa (ähnlich wie die Briten) eintritt als Alternative zu den Vereinigten Staaten von Europa. Nur mit diesem Personal, mit dieser Aufstellung, ist nicht die FDP die benötigte Partei!

  • Wir brauchen eine liberale Partei, die ordnungspolitische Werte offensiv vertritt, eine Partei, die für die Binnen-marktperspekte für Europa (ähnlich wie die Briten) eintritt als Alternative zu den Vereinigten Staaten von Europa. Nur mit diesem Personal, mit dieser Aufstellung, ist nicht die FDP die benötigte Partei!

  • Es ist ein Trauerspiel: Die politischen Eliten bestimmen, ohne das Volk zu fragen, daß die EU eine Transfer-Union sein wird. Die FDP diskutiert das als einzige Partei in D (!) mit ihren Mitgliedern und - wird dafür mehrheitlich von der Konkurrenz, den Medien, etc. abgestraft, ohne, daß über den Inhalt der Diskussion innerhalb der FDP überhaupt berichtet wird. Da stellt sich doch beim gemeinen Publikum der Eindruck ein, den unsere staatstreuen Medien erwecken wollen, dass die Entscheidung PRO Transferunion irreversi-bel gelaufen ist. Wir brauchen eine Partei, die ordnungs-politische Werte vertritt und die - ähnlich wie die Bri-ten - die Binnenmarktperspektive für Europa vertritt (und nicht wie alle anderen Parteien das Ziel der Vereinigten Staaten von Europa). Es ist angesichts des Personals allerdings zu bezweifeln, daß diese benötigte Partei die FDP ist.

  • Es ist ein Trauerspiel: Die politischen Eliten bestimmen, ohne das Volk zu fragen, daß die EU eine Transfer-Union sein wird. Die FDP diskutiert das als einzige Partei in D (!) mit ihren Mitgliedern und - wird dafür mehrheitlich von der Konkurrenz, den Medien, etc. abgestraft, ohne, daß über den Inhalt der Diskussion innerhalb der FDP überhaupt berichtet wird. Da stellt sich doch beim gemeinen Publikum der Eindruck ein, den unsere staatstreuen Medien erwecken wollen, dass die Entscheidung PRO Transferunion irreversi-bel gelaufen ist. Wir brauchen eine Partei, die ordnungs-politische Werte vertritt und die - ähnlich wie die Bri-ten - die Binnenmarktperspektive für Europa vertritt (und nicht wie alle anderen Parteien das Ziel der Vereinigten Staaten von Europa). Es ist angesichts des Personals allerdings zu bezweifeln, daß diese benötigte Partei die FDP ist.

  • Es ist ein Trauerspiel: Die politischen Eliten bestimmen, ohne das Volk zu fragen, daß die EU eine Transfer-Union sein wird. Die FDP diskutiert das als einzige Partei in D (!) mit ihren Mitgliedern und - wird dafür mehrheitlich von der Konkurrenz, den Medien, etc. abgestraft, ohne, daß über den Inhalt der Diskussion innerhalb der FDP überhaupt berichtet wird. Da stellt sich doch beim gemeinen Publikum der Eindruck ein, den unsere staatstreuen Medien erwecken wollen, dass die Entscheidung PRO Transferunion irreversi-bel gelaufen ist. Wir brauchen eine Partei, die ordnungs-politische Werte vertritt und die - ähnlich wie die Bri-ten - die Binnenmarktperspektive für Europa vertritt (und nicht wie alle anderen Parteien das Ziel der Vereinigten Staaten von Europa). Es ist angesichts des Personals allerdings zu bezweifeln, daß diese benötigte Partei die FDP ist.

  • "Herr Henkel bitte ..."

    Henkel unser, der du sitzt in deiner Villa ...

    Ehrlich, das grenzt ja schon fast an Satanismus ...

    Mal ehrlich, bis jetzt verdient der sein Geld, indem er unterbelichtete Dinge, die überall (Irland, Island, Ungarn) krachend gescheitert sind - und wird nun zum Propheten ausgerufen.

    Pisa, ick hör dir trappsen ...

  • Naja, auch wenn der Name etwas müffelt, es gibt da noch einen Herrn Lambsdorf, der gelegentlich durchaus intelligente Dinge sagt.

    Lindner ist zurückgetreten, damit Rösler den Shitstorm ungefiltert abbekommt, danach die kleine Rochade, Schnarri ins Aussenministerium, Brüderle wieder Wirtschaftsminister (von Wirtschaften, sprich Kneipen, versteht er etwas) und Lindner wird Fraktionsvorsitzender.

    Das Problem ist die Jugend der Herrschaften ...

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