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FDP-Politiker Thomas Sattelberger „Junge Leute wollen smarte Sachen machen“: Handwerk soll attraktiver werden

Zu wenig Digitalisierung, zu wenig Fachkräfte: FDP-Politiker Sattelberger will die Ausbildung im Handwerk aufwerten – auch mit dualen Angeboten.
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Der FDP-Politiker macht Vorschläge, wie das Handwerk die technologische Wende meistern kann. Quelle: dpa
Thomas Sattelberger

Der FDP-Politiker macht Vorschläge, wie das Handwerk die technologische Wende meistern kann.

(Foto: dpa)

Um die Digitalisierung kommt auch das traditionsreiche Handwerk nicht herum. Thomas Sattelberger, FDP-Politiker und früherer Top-Manager, will genau das nun vorantreiben. In der letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause will der 70-Jährige im Bundestag eine neue Innovationsinitiative für das Handwerk vorstellen. Darin macht er Vorschläge, wie das Handwerk die technologische Wende meistern kann.

Innovation funktioniere im Handwerk anders als in anderen Wirtschaftszweigen. „Menschen sind der Innovationsmotor in diesen kleinen Betrieben – vor allem Absolventen der Berufsausbildung, aber auch schon Auszubildende“, sagte Sattelberger im Interview mit dem Handelsblatt. Aus diesem Grund stehen die Fachkräfte auch im Zentrum seiner Offensive.

Sattelberger fordert, dass neue Ausbildungsberufe geschaffen, Talente und innovative Projekte stärker gefördert sowie akademische und berufliche Bildung vernetzt werden. Handwerker sollen in digitalen Kompetenzzentren neue Technologien ausprobieren und so ihre Berührungsängste verlieren. Sattelbergers Pläne sind groß – und teuer. Um seine Vorstellungen zu finanzieren, will er einen „sauberen Kassensturz“.

Lesen Sie hier das komplette Interview

Sie fordern eine Innovationsoffensive für das Handwerk. Warum?
Vor anderthalb Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich mal einen Antrag dazu stellen würde. Ich hatte früher meist die Innovationsüberflieger im Blick. Bis mir bewusst geworden ist, dass das Handwerk mit einer Million Betrieben, 5,5 Millionen Beschäftigten und gut 600 Milliarden Euro Umsatz ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor ist.

Offenbar einer, bei dem es noch viel zu tun gibt.
Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen. Das sind zum Beispiel der Fachkräftemangel oder die Digitalisierung. Diesen Problemen muss man sich von beiden Seiten nähern. Menschen sind der Innovationsmotor in diesen kleinen Betrieben – vor allem Absolventen der Berufsausbildung, aber auch schon Auszubildende. Und Innovation macht das Handwerk wiederum attraktiv für diese Talente.

Sie zielen auf die Kombination von beruflicher und akademischer Ausbildung, um einen Wechsel zwischen den Richtungen zu ermöglichen. Haben Sie einen konkreten Vorschlag?
Viele junge Menschen sind wegen mangelnden Praxisbezugs unzufrieden mit ihrer Studienwahl und brechen nach den ersten Semestern ab. Leistungsstarke Azubis hingegen möchten anspruchsvollere Theorie. Da sollten wir aus der Not eine Tugend machen und ein ganz neues Bildungsprodukt schaffen. Was mir vorschwebt: drei Semester Bachelor-Studium, ein Jahr Betriebspraxis und zusätzlich vier, fünf Weiterbildungsmodule. Das wäre ein ganz eigener dualer Abschluss.

Die Bundesregierung tut doch schon etwas: Bildungsministerin Anja Karliczek will mit dem Meistertitel mit einem „Bachelor professional“ zu internationaler Anerkennung verhelfen.
Das ist laue Titelkosmetik. Wer kennt schon international den Unterschied zwischen einem Bachelor einer „University of Applied Sciences“ und einem Bachelor der Universität Siegen?

Was ist die Alternative?
Es wäre viel klüger, das Handwerk entwickelte eigene Expertenlaufbahnen wie etwa Smart-Home-Designer, 3D-Druck-Spezialisten oder Drohnentechniker. Abschlüsse, die der neuen digitalen Welt gerecht werden, und sich nicht an irgendwelchen akademischen Abschlüssen hochziehen.

Das Handwerk ist traditionell. Warum sollte es sich überhaupt um Digitalisierung kümmern?
Wenn ein Dachdeckermeister eine Drohne einsetzt, um Schäden am Dach zu diagnostizieren, ist das ungefährlicher, präziser, schneller und wahrscheinlich sogar betriebswirtschaftlich günstiger. Technologieeinsatz kann also entweder die Gewinne des Handwerksbetriebs erhöhen oder Kundenpreise senken. Zudem hilft neue Technologie, Kundenwünsche individueller umzusetzen. Und außerdem: Junge Leute wollen smarte Sachen machen.

Ihre Vorschläge mögen dem Handwerk gut tun, der Staatskasse aber wohl nicht.
Zugegeben: Zwei meiner Themen gehen wirklich ins Geld, zum einen der Ausbau der Stipendiaten-Programme für die berufliche Bildung. Ich schätze, Talente im akademischen Bereich werden fünfmal mehr gefördert. Zum anderen brauchen wir für die berufliche Bildung Exzellenzwettbewerbe. Wettbewerb heißt, man streckt sich an die Decke. Man versucht höher zu springen. Man versucht Profil reinzukriegen.

Wie teuer wird es denn und woher soll das Geld kommen?
Über den Daumen zwischen 1,8 und 2,2 Milliarden Euro. Bei einem Thema wie diesem muss man einen sauberen Kassensturz machen. Es gibt sicherlich ein paar 100 Millionen Euro im Kohlepakt, die man zielgerichteter einsetzen kann. Das gilt ebenso für die Rente mit 63.

Das Konkurrenzverhältnis von Handwerk ist eine andere Herausforderung. Viele Handwerker wandern in die Industrie ab. Was halten sie davon?
Jetzt werde ich sehr hart: Häufig ist die Arbeit, die in Konzernen besser bezahlt wird, sogar anspruchsloser. Das ist Vergeudung menschlichen Talents. Große Konzerne sollen lieber selbst in Bildung investieren, statt sich an den Arbeitskräften aus Mittelstand und Handwerk zu bedienen. Talentklau nenne ich das.

Herr Sattelberger, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Der Einfluss des Staates auf den digitalen Wandel ist begrenzt. Doch er muss ihn nutzen, um Arbeitnehmer zu schützen. Die Anreize des Marktes reichen nicht aus.

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