Financial Intelligence Unit Christof Schulte wird oberster Geldwäsche-Bekämpfer – und soll das Chaos ordnen

Im Chaos kommt der neue Chef: Christof Schulte soll die umstrittene Zentralstelle zur Geldwäsche-Bekämpfung leiten – und hat eine kaum lösbare Aufgabe vor sich.
Update: 11.07.2018 - 14:15 Uhr Kommentieren

BerlinIn der griechischen Mythologie steht Sisyphos für eine nicht enden wollende Strafe. Immer und immer wieder muss Sisyphos einen Stein den Berg hinaufrollen. Kurz vor dem Gipfel entgleitet ihm der Brocken. Vielleicht wird sich Christof Schulte einmal an diese Sage erinnern. Sein neuer Job jedenfalls könnte eine Endlosschleife sein.

Schulte ist nach Informationen des Handelsblatts von Bundesfinanzminister Olaf Scholz auserkoren worden, ab August die umstrittene Zentrale zur Geldwäschebekämpfung zu leiten. Schultes Vorgänger Andreas Bardong musste gehen, weil die Financial Intelligence Unit (FIU) im Chaos versank. In einem gefährlichen Chaos.

Tatsächlich liegen dort nicht nur über 20.000 Verdachtsmeldungen zu dubiosen Geldtransfers auf Halde. Die Landeskriminalämter beklagen auch eine gefährliche Schwachstelle in der Terrorbekämpfung. So wurden in der Vergangenheit offenbar mehrfach Meldungen über Hinweise auf Terrorfinanzierung mit mehreren Monaten Verspätung an Kriminalbeamte und Staatsanwälte weitergeleitet. Sorgen bereiten den Ermittlern zudem 12.000 Fälle, die von der FIU selbstständig aussortiert wurden. Experten bezweifeln, ob die FIU-Mitarbeiter genügend Expertise für solche Entscheidungen haben.

Schulte wird nun die Aufgabe zukommen, das Unmögliche möglich zu machen. Denn die Behörde ist mit 101 Stammbeschäftigen bei 6000 Verdachtsmeldungen pro Monat drastisch unterbesetzt. Eine Aufstockung des Personal ist in Sicht, aber noch abschließend beschlossen. Immerhin kennt sich Schulte mit diesem Thema aus.

Die Abteilung zur Bekämpfung von Geldwäsche bekommt einen neuen Chef. Quelle: dpa
Zoll

Die Abteilung zur Bekämpfung von Geldwäsche bekommt einen neuen Chef.

(Foto: dpa)

Er kommt aus der Direktion I der Generalzolldirektion, die vor allem die Personalbereiche der Zollverwaltung steuert. Außerdem ist sie zuständig maritime Zollangelegenheiten.

Schwieriger dürfte es für Schulte aber werden, das wohl größere Problem der FIU zu lösen. Der Behörde fehlt der Zugriff auf wichtige kriminalistische Datenbanken. Deshalb glauben auch Kritiker wie etwa Frank Buckenhofer von der Gewerkschaft der Polizei, dass die FIU so, wie sie derzeit arbeitet, eigentlich nie funktionieren kann.

Und dann muss Schulte auch noch mit der Politik klarkommen. Sein Job steht derzeit auch im Fokus einer Debatte um eine intensiver Geldwäschebekämpfung. Grüne, Linke und Teile der kritisieren, dass bislang wenig dagegen unternommen wird, dass Milliarden Schwarzgeld über Immobilienkäufe in Deutschland gewaschen wird – und das die Wohnungspreise weiter treibt. Den Stein, den Schulte künftig rollen muss, ist jedenfalls äußerst glitschig.

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