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Finanzen, Digitales, Energie Verbraucherschützer registrieren Hunderttausende Beschwerden und Anfragen

Verbraucherschützer haben erstmals alle Zahlen und Fakten zu Problemen aus dem gesamten Bundesgebiet zentral erfasst. Was sind die Ergebnisse des „Verbraucherspiegels“?
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Der digitale Bereich ragt bei den Marktwächtern mit 33.926 Beschwerden von Januar bis Juni 2018 heraus. Quelle: dpa
Mann mit Mobiltelefon und Laptop

Der digitale Bereich ragt bei den Marktwächtern mit 33.926 Beschwerden von Januar bis Juni 2018 heraus.

(Foto: dpa)

BerlinFür Klaus Müller ist die Sache klar: „Wir stärken Verbraucherrechte in Deutschland auch durch unsere Marktbeobachtung“, sagt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV). Was Müller meint, baut auf etwas auf, was im März 2015 erstmals an den Start ging – den sogenannten Marktwächtern.

Die Plattformen nehmen aktuell die Themen Finanzen, Digitales und Energie in den Blick. Sie dienen als Frühwarnsystem, dem die 16 Verbraucherzentralen der Länder besondere Fälle und Entwicklungen melden können. Grundlage sind alle Anfragen und Beschwerden von Verbrauchern – zusammengetragen in einer zentralen Datenbank.

„Mit unserem Verbraucherspiegel geben wir erstmalig umfassend Einblick in diesen Bereich“, sagte Müller im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Dafür veröffentlichen wir ausgewählte Daten aus unserer Beschwerdestatistik und Informationen aus dem Frühwarnnetzwerk.“

Danach sind in den bundesweit 16 Verbraucherzentralen im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 307.000 Anfragen und Beschwerden von Verbrauchern eingegangen. Darunter haben die Verbraucherschützer mithilfe der „Marktwächter“ mehr als 6.000 auffällige Meldungen identifiziert.

Das sind im Schnitt 230 besonders auffällige Meldungen pro Woche, wie aus einer Beschwerdebilanz im „Verbraucherspiegel“ des VZBV hervorgeht, die dem Handelsblatt vorliegt. Dabei geht es etwa um Fälle mit hohem Schaden für Verbraucher, fragwürdige Anbieter sowie um neue Maschen und Tricks von Unternehmen.

Die detaillierten Informationen aus den auffälligen Meldungen im Frühwarnnetzwerk hätten seit Start der ersten Marktwächterprojekte „geholfen, Verbraucherrechte in Deutschland zu stärken“, sagte VZBV-Chef Müller dem Handelsblatt. So hätten die „Marktwächter“ in den vergangenen dreieinhalb Jahren 50 explizite Verbraucherwarnungen vor unseriösen Anbietern und dubiosen Maschen ausgesprochen – davon fünf in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. In 134 Fällen – davon 31 im ersten Halbjahr 2018 - wurden laut Müller Rechtsverstöße festgestellt und die betroffenen Unternehmen abgemahnt.

Die Verbraucherschützer wollen die hohe Anzahl an Beschwerden nicht überbewerten: Die Quantität sage noch nichts über die Qualität aus, betonen sie. So werden den Marktwächtern über die rund 200 Beratungsstellen der Verbraucherzentralen in den Ländern oft Fälle gemeldet, die gehäuft vorkommen. Liegen bestimmte Beschwerden mehrfach vor, werden die Frühwarnnetzwerke aktiv.

Bei den von den „Marktwächtern“ näher beobachteten Themenfeldern ragt der digitale Bereich mit von Januar bis Juni 2018 eingegangenen 33.926 Beschwerden heraus, gefolgt vom Finanz-„Marktwächter“ mit 18.681 und dem Energie-„Marktwächter“ mit 6.791 Meldungen.

Im Energiebereich sind intransparente Preisänderungsmitteilungen immer wieder Grund für Verbraucherbeschwerden. Diese Mitteilungen sind wie Werbung oder allgemeine Informationsschreiben aufbereitet und führen Preisänderungen nur versteckt auf. Auch zu untergeschobenen Energielieferverträgen laufen häufig Beschwerden auf.

Im Finanzbereich erreichten den Finanz-Marktwächter wie im Vorjahr Hinweise auf Kündigungen älterer und damit gutverzinster Sparverträge. Auch die Insolvenz von mehreren Gesellschaften des Container-Vermieters P&R beschäftigte die Verbraucherschützer. Laut VZBV suchten geschädigte Anleger vermehrt die Verbraucherzentralen auf und wünschten Beratung zu ihren Containeranlagen.

Für Ärger sorgen weiterhin auch Kreditkartenvermittler, die für Schufa-freie Kredite warben, stattdessen aber überteuerte Prepaid-Kreditkarten, Clubmitgliedschaften oder Finanzsanierungsverträge verkauften. Bei Nichtzahlung seien hohe Inkassokosten in Rechnung gestellt worden.

Der Marktwächter „Digitale Welt“ registrierte auch im ersten Halbjahr 2018 vermehrt Beschwerden zu Online-Ticket-Börsen und dabei in erster Linie zu Viagogo. Das Portal hatte für die Fußball-WM widerrechtlich Tickets verkauft. Auch der Einsatz digitaler Sprachassistenten war ein Thema von Verbraucherbeschwerden – vor allem die Sorge, so der VZBV, „ungewollt abgehört“ zu werden. Hintergrund ist, dass etwa Amazon durch Software-Updates seinen Sprachassistenten Alexa auf Geräten installiert hat, die, wie der „Fire TV Stick“, ursprünglich ohne den Assistenten geliefert wurden.

Direkte Durchgriffsrechte haben die Marktwächter aber nicht. Bei Hinweisen auf systematische Fehlentwicklungen werden deshalb die zuständigen Aufsichtsbehörden, wie beispielsweise die Finanzmarktaufsicht (Bafin) oder die Bundesnetzagentur eingeschaltet.

Für die Bundesregierung ist das Konzept der Marktwächter inzwischen aus dem Verbraucheralltag nicht mehr wegzudenken. Aus dem anfänglich mit ungewisser Zukunft gestarteten Projekt ist eine Dauerinstitution geworden – staatlich gefördert. Zuletzt wurde das Frühwarnnetzwerk mit etwa zehn Millionen Euro gefördert. Weitere zwei Millionen Euro wurden jetzt für die Überführung des Marktwächters Energie in den Vollbetrieb bewilligt.

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1 Kommentar zu "Finanzen, Digitales, Energie: Verbraucherschützer registrieren Hunderttausende Beschwerden und Anfragen"

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  • Mich wundert, daß der Inkasso-Betrug nicht erwähnt wird. Laut einer "Betrifft"-Sendung von 3 SAT sind über die Hälfte solcher, meist unter "wüsten" Drohungen übersandten Abmahnungen falsch, und für en weiteres Sechstel war die Begründung zweifelhaft.

    Das ist vor allem wohl für ältere Leute ein Ärgernis (ich bin 84); wahrscheinlich weil die Unternehmen annehmen, sie könnten sich nicht wehren. Ich kann es und habe schon einige Strafanzeigen gestellt. Aber das kostet Zeit, die ich lieber sinnvoller nutzen würde, gerade in meinem Alter ...

    Dr. Peter Schnupp