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Finanzkriminalität Wie Software künftig bei der Geldwäsche-Bekämpfung helfen soll

Im Kampf gegen Geldwäsche soll die zuständige Behörde mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet werden. Doch das eigentliche Problem wird die Software nicht lösen.
24.11.2020 - 13:03 Uhr Kommentieren
Die Zahl der eingegangenen Verdachtsmeldungen hat sich zwischen 2015 und 2019 mehr als verdreifacht. Quelle: dpa
Financial Intelligence Unit

Die Zahl der eingegangenen Verdachtsmeldungen hat sich zwischen 2015 und 2019 mehr als verdreifacht.

(Foto: dpa)

Berlin Die Financial Intelligence Unit (FIU) ist so etwas wie das Nadelöhr der deutschen Geldwäschebekämpfung. Als Zentralstelle verdächtiger Finanztransaktionen überprüft sie Meldungen, die vonseiten der Banken bei ihr eingehen, und informiert dann gegebenenfalls die staatlichen Ermittlungsbehörden.

Seit dem Start der FIU 2017 waren allerdings immer wieder Berichte über fehlendes Personal und unbearbeitete Fälle öffentlich geworden – im Juli ermittelte sogar die Staatsanwaltschaft Osnabrück gegen ihre eigene Schwesterbehörde wegen Strafvereitlung.

Um die Abläufe zu verbessern, soll die FIU jetzt mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet werden. Die Zahl der eingegangenen Meldungen hat sich zwischen 2015 und 2019 mehr als verdreifacht, und somit ist auch der Personalbedarf gestiegen. Doch das geeignet Personal zu finden ist nicht so einfach.

Zunächst hieß es, dass 475 Stellen bei der FIU benötigt würden, davon sind bisher 403 besetzt. Wegen einiger Gesetzesverschärfungen und der weiter steigenden Meldungsflut meldete das Bundesfinanzministerium dem Bundesrechnungshof nun jedoch, dass bis Anfang 2024 weitere 105 Stellen benötigt würden.

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    Michael Findeisen, ehemaliger Referatsleiter im Bereich Geldwäsche beim Bundesfinanzministerium und Mitglied des Vereins „Mafia Nein Danke“, gibt zu bedenken: „Es braucht Ökonomen, die vom Bankbetrieb etwas verstehen, aber in Deutschland bekommen Sie die nicht, weil der Bund nicht bereit ist, solchen Leuten mehr zu bezahlen.“

    Die FIU selbst hingegen sieht kein Problem und spricht gegenüber dem Handelsblatt von einer „erfolgreichen Rekrutierung“.

    Der Bedarf nach mehr Arbeitskraft soll nun jedenfalls auch von anderer Seite angegangen werden. Steffen Müller, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Finanzausschusses sagt: „Der Schrei nach mehr Personal wird das Problem nicht lösen, es braucht den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.“

    Eine entsprechende Software mit Namen FIU-Analytics wird derzeit entwickelt. Sie solle Meldungen mit einem sogenannten „Risikoschwerpunkt“ herausfiltern, und zwar „schneller, als es Menschen möglich ist“, erhofft sich das Finanzministerium.

    Die Software ist mit einer Künstlichen Intelligenz ausgestattet, der die Datenspezialisten der FIU zunächst bei der richtigen Auswahl helfen sollen. Das BMF spricht von „kontrolliertem Lernen“. Wann die Software einsatzbereit sein wird, steht noch nicht fest.

    Nicht ausreichend Zugriff

    Doch die FIU ist laut Bundesrechnungshof noch mit einem viel grundlegenderen Problem konfrontiert, das auch Künstliche Intelligenz nicht lösen wird. So haben Mitarbeiter laut dem Bericht des Bundesrechnungshofs nicht ausreichend Zugriff auf relevante Polizei- und Steuerdaten der Behörden des Bundes und der Länder, „um Verdachtsmeldungen zutreffend einzuordnen“. 

    Von Januar bis April erhielt die FIU bei Datenanfragen aus dem polizeilichen Informationsverbund INPOL nur in 66 Prozent der Fälle überhaupt eine Rückmeldung. Einzelersuche von Steuerdaten geschahen nur in ausgewählten Einzelfällen und dauerten in der Regel bis zu vier Wochen.

    Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass „die FIU ihre Analysetätigkeit und Filterfunktion auf der Grundlage unvollständiger Daten ausübt“.

    Linken-Politiker Fabio De Masi weist aber auch darauf hin, dass polizeiliche Ermittlungen datenrechtlich geschützt sein müssen. Er fordert daher, Kriminalisten schon früher in Fälle miteinzubeziehen, um die FIU zu unterstützen und Daten bereitstellen zu können.

    Der momentane Ablauf und die Probleme bei der FIU haben auch Auswirkungen auf die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden.

    Die von der FIU übermittelten Berichte seien wiederholt als unzureichend kritisiert worden, heißt es in den Ausführungen des Bundesrechnungshofs. „Dies hat zur Folge, dass die Strafverfolgungsbehörden in vielen Fällen erneut recherchieren müssen und somit nicht wesentlich entlastet werden“, beschreibt der Bericht weiter. 

    Die FIU selbst hingegen erklärt, sie könne ihren gesetzlichen Auftrag „mit den zur Verfügung stehenden Datenzugriffsrechten in vollem Umfang erfüllen“, und verweist auf neue Zugriffsmöglichkeiten für mehrere behördliche Register.

    Schließlich heißt es aus dem Nadelöhr der deutschen Geldwäschebekämpfung aber auch: „Es werden laufend weitere Maßnahmen geprüft, um die operative Analyse der FIU noch effektiver auszugestalten.“

    Mehr: Banken hadern mit neuer Geldwäsche-Richtlinie.

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