Finanzmarktregulierung Steinbrücks Plan für die Banken

Trennbanken statt Universalbanken, ein entschleunigter Handel und mehr Regulierung: Das sind die Kernpunkte des Steinbrück-Papiers. Vorschläge, die bei der Deutschen Bank und Brokern auf Gegenwind stoßen dürften.
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Vor allem der Deutschen Bank wird der SPD-Vorstoß nicht passen. Quelle: dpa

Vor allem der Deutschen Bank wird der SPD-Vorstoß nicht passen.

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Frankfurt, BerlinAuf 25 Seiten hat der Sozialdemokrat Peer Steinbrück aufgeschrieben, wie er sich die "Bändigung der Finanzmärkte" vorstellt. Wir stellen die wichtigsten vier Punkte vor - und was sie für die Finanzbranche bedeuten.

1. Trennbanken statt Universalbanken

Steinbrück wünscht sich eine neue Deutsche Bank. Sie soll nach seinen Vorstellungen künftig ein Holding-Dach bekommen, unter dem in rechtlich selbstständigen Tochtergesellschaften das klassische Kredit- und Einlagengeschäft vom Investment-Banking getrennt wird. Die Idee dahinter: Sollte die Investmentbank straucheln, könnte sie unabhängig vom traditionellen Bankgeschäft - das einen Bezug zur Realwirtschaft hat - abgewickelt werden. Das Kreditgeschäft und auch die Einlagen der Sparer wäre somit geschützt.

Diese „Abschirmung“ wäre weniger rigoros als eine Zerschlagung, die EDV und die Infrastruktur der Bank könnten so weiterhin von beiden Töchtern genutzt werden. Die abgeschirmte Geschäftsbank bekäme eine staatliche Garantie, das Investment-Banking nicht. Die Kapitalkosten für die Geschäftsbank wären somit niedriger, die Investmentbanker müssten dagegen beim Handel an den Kapitalmärkten zurückstecken.

Die Steinbrück-Ideen lehnen sich stark an die Vorschläge der britischen Bankenkommission und der OECD an. Bei der Übertragung auf Deutschland will sich die SPD offenbar auf die systemrelevanten Institute konzentrieren - neben der Deutschen Bank zählt auch die Commerzbank dazu.

Die Deutsche Bank lehnt ein „Trennbankensystem“ vehement ab, weil sie in der Finanzkrise als Universalbank ohne Staatshilfe ausgekommen ist. Dagegen musste der Steuerzahler für Spezialinstitute wie die Hypo Real Estate und die Landesbanken mit Milliarden einspringen. „Wir stehen zum Prinzip der Universalbank, weil es der Realwirtschaft am besten dient“, sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen jüngst. Die Analysten der Credit Suisse gehen davon aus, das jegliche Form von „Abschirmung“ einen negativen Einfluss auf den Konzerngewinn haben dürfte - die ehrgeizigen Ziele für 2015 gerieten dann zunehmend außer Reichweite.

2. Das Ende des Hochfrequenzhandels
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8 Kommentare zu "Finanzmarktregulierung: Steinbrücks Plan für die Banken"

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  • .... ich denke, die Haltefristen für Aktien und Derivate sollten deutlich verlängert werden, das verringert meiner Meinung nach deutlich die Unsicherheiten für Kleinanleger, die heute der Willkür rein spekulativer Rechenprogramme ausgeliefert sind. In diesem Zusammenhang muss ich immer an die einarmigen Banditen in unseren Kneipen denken, auch hochelektronisch aber ohne jede reale Gewinnchance....

  • @ohei
    Du schreibst,neben vielem Anderen...: "der Bankensektor braucht mehr Regulierung von außen". Hast du schon einmal erlebt, das staatliche Eingriffe in die Wirtschaft, noch dazu von Sozis, einmal langfristig betrachtet, etwas Gutes gebracht haben? ohmei!!

  • whisky - Sie verkennen, daß der pauschale Steuersatz der Kapitalertragsteuer 2008/2009 mit 27% zuzüglich der Einschränkung der Freibeträge und des WK-Abzugs sowie der Erfassung von Wertänderungen im Privatvermögen der höchste weltweit ist und weder Kapitalimporte sowie Kapitaltransfers anreizt bzw. verhindert. Der durfte also im Raum eines freien Kapitalverkehrs gar nicht höher sein. Der "kapitalistische Clou" dabei war u.a. nur, daß inaktive festverzinsliche Anlagen ab einem persönlichen Steuersatz von 25% gegenüber der vorher geltenden Regelung begünstigt worden sind, was denen entgangen sein muß, denn die Förderung großer festverzinslicher Vermögen macht volkswirtschaftlich überhaupt keinen Sinn.

  • Man sollte Steinbrück schon eine ganze Menge Bankenerfahrung zutrauen: Hat er doch die erste Finanzkrise - was heisst hier die erste? - 2006 als Verwaltungsrat der KfW mit seinem Adlatus, dem jetzigen treuen Diener Draghis und seinerzeitigen Staatssekretär im Finanzministerium und Oberaufseher der Bafin, Asmussen, mit US-amerikanischen subprime-Papieren (Hypothekendarlehensmarkt mit überwiegenden Kreditnehmern geringer Bonität) als Geldschöpfung neuer Art zu Lasten des deutschen Steuerzahlers wirkungsvoll inszeniert. Die Sache wurde damals von der Presse in Anlehnung an die Geldschöpfungsszene im Faust als "Steinbrücks Lustgarten" kolportiert. Das HB titelte: Der "einflußreiche Finanzbeamte mit SPD-Parteibuch" sei "eine Schlüsselfigur in der IKB-Krise"(wie rücksichtsvoll formuliert?), der Steuerzahler zahlt aber auch noch lange für die außer KfW und IKB auch beteiligten Landesbanken. Aber was soll´s, die beiden sind ja lernfähig: Heute bekämpft Asmussen mit Draghi wieder den deutschen Steuerzahler und Steinbrück schickt sich an, auf Empfehlung des Putin-Adepten Schröder wieder Regierungsverantwortung - was die auch immer darunter verstehen mögen - zu übernehmen und dem Steuerzahler der "Erlösungsschuß" zu verpassen. Und wenn ich mich im deutschen Steuerzahler nicht täusche: der wählt die beiden auch noch, getreu dem Brecht-Motto: Die dümmsten Kälber suchen sich ihren Metzger selber.

  • Vollkommen uninteressant was ein Herr Peer Steinbrück plant. Das Letzte was Deutschland braucht ist ein Laberkopp wie Peer Steinbrück, der nur seinen eigenen Vorteil sucht. Im von ihm angestrebten Sozialismus gibt es den aber nur noch für Inhaber gehobener politischer Ämter.

  • Alle Argumente des Artikels gegen die Trennung der Geschäftssparten überzeugen mich, die Trennung für sinnvoll zu halten...

  • Der Slogan der DEUTSCHEN BANK "Leistung aus Leidenschaft" dient doch nur dem SELBSTZWECK "sich zu Lasten der Kunden die Taschen zu füllen". Alle Bestrebungen, diesem ein Ende zu setzen sind lobenswert !!!

  • Steinbrück weiß, daß viele seiner Forderungen in einer Großen Koalition nicht durchsetzbar sind. Sonst würde er diese Forderungen nicht stellen.
    Denn er ist, wie man an der Quellensteuer (=Spitzensteuersatz 25%) gesehen hat, ein Freund der Vermögenden.

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