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Finanztechnologie-Firmen Deutschland hinkt bei Fintechs hinterher – Kritik an der Bundesregierung

Nur rund zehn Prozent der europäischen Fintechs kamen 2018 aus Deutschland. Der Start-up-Verband sieht die Bundesregierung in der Verantwortung.
Update: 28.02.2019 - 03:57 Uhr Kommentieren
Fintechs finden in Deutschland deutlich schlechtere Bedingungen vor als im Ausland. Quelle: mauritius images
Finanztechnologie-Firmen

Fintechs finden in Deutschland deutlich schlechtere Bedingungen vor als im Ausland.

(Foto: mauritius images)

FrankfurtDeutschland hat Nachholbedarf bei Firmengründungen, insbesondere bei Finanz-Start-ups. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Von 991 Finanztechnologie-Firmen (Fintechs) innerhalb der EU kamen demnach 2018 nur 90 aus Deutschland. Großbritannien kam auf 454 Firmen, Spanien auf 100, Frankreich auf 64.

In den USA waren laut der Studie des Europaparlaments, auf die sich die Bundesregierung bezieht, 1491 Fintechs registriert. Andere Studien nennen abweichende Zahlen, im Vergleich schneidet Deutschland ebenfalls schlechter ab.

Einer der Gründe könnte der mangelnde Zugang zu Wagniskapital sein. Investoren trauen deutschen Start-ups offenbar kaum zu, zum nächsten „Paypal“ zu werden. So haben heimische Fintechs laut der Regierung in den ersten drei Quartalen 2018 rund 630 Millionen Euro eingenommen.

Ihre britischen Wettbewerber kamen dagegen allein im ersten Halbjahr auf 13,6 Milliarden Euro, US-Fintechs auf 12,5 Milliarden Euro. 2018 gab es in Deutschland nur noch ein Drittel so viele Neugründungen wie 2015.
Der Autor der Anfrage, der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler, hält das für besorgniserregend.

Die Große Koalition trage eine Mitschuld an der mauen Bilanz: „Die Bundesregierung ist seit anderthalb Jahren hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt, aber verpasst es, die nötigen Rahmenbedingungen für Zukunftstechnologien zu schaffen“, sagt der Parlamentarier.

„Wer Fintechs eine Heimat bieten will, muss die Regulierung vereinfachen. Ein Berliner Start-up braucht ein anderes Aufsichtsregime als eine große Privatbank.“

„Regulierungs-Sandkästen“ fehlen

Union und SPD hatten sich eigentlich darauf geeinigt, Start-ups zu fördern und Bürokratie abzubauen. „Der Koalitionsvertrag sieht vor, Deutschlands Rolle als einer der führenden Digitalisierungs- und Fintech-Standorte zu stärken“, referiert denn auch die aktuelle Antwort. So sollten „alle Gesetze auf ihre Digitaltauglichkeit geprüft und E-Government-fähig gemacht werden“.

Was das genau bedeutet, bleibt jedoch offen, Gesetzesentwürfe werden nicht angekündigt.

„Uns fehlt langsam jedes Verständnis für das Handeln der Bundesregierung“, kritisiert Florian Nöll, der Vorsitzende des Start-up-Bundesverbands. „Der Koalitionsvertrag zählte noch über 30 Einzelpunkte auf, um Start-ups zu fördern. Doch bei keinem sehen wir Fortschritte.“ Um Gründer mit Wagniskapital zu versorgen, schlägt sein Verband die Auflage eines staatlichen Dachfonds nach dem Vorbild Dänemarks vor.

Dieser könnte von Versicherern und Pensionskassen gefüllt werden, die so mit verringertem Risiko in Start-ups und Fintechs investieren könnten. Auch bei der Regulierung müsse es endlich Fortschritte geben, etwa im Blockchain-Bereich. Union und SPD hatten eigentlich die rasche Erarbeitung einer deutschen Blockchain-Strategie angekündigt, die entsprechende Konsultation wurde jedoch erst vergangene Woche begonnen.

„Die Bundesregierung darf hier nicht weiter bremsen“, sagt Schäffler. Stattdessen müsse sie über eine regulatorische „Sandbox“ nachdenken – also über Ausnahmeregeln, die Fintechs für eine bestimmte Zeit oder Unternehmensgröße von Auflagen befreien. In der EU gibt es sie bereits in Großbritannien, Holland, Dänemark, Polen und Litauen. Erst Mitte Februar hatte eine Studie der Beratung KPMG Beobachter aufgeschreckt.

Demnach erreichten die globalen Investitionen in Fintechs 2018 mit 112 Milliarden Dollar einen Rekordwert – und zogen in einem Jahr um mehr als das Doppelte an. In Deutschland schrumpfte das Volumen jedoch.

Mehr: Warum ein schwächer regulierter Experimentierraum den hiesigen Finanzplatz fördern würde, erklärt unser Gastautor Wolf-Georg Ringe in seinem Kommentar.

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