Flaschen, Böller, Steine Polizei behielt Kölner Demo im Griff

Die Geschehnisse vor dem Kölner Hauptbahnhof hatten für viel Zündstoff gesorgt. Doch trotz gelegentlicher Randale bleibt das große Chaos, wie bei der Hogesa-Demo im Oktober 2014, aus. Die Polizei bleibt Herr der Lage.
Mit 1700 Beamten behielt die Polizei diesmal die Kontrolle über das Gebiet vor dem Kölner Hauptbahnhof. Quelle: dpa
Demonstrationen nach Übergriffen in Köln

Mit 1700 Beamten behielt die Polizei diesmal die Kontrolle über das Gebiet vor dem Kölner Hauptbahnhof.

(Foto: dpa)

KölnDiesmal gab die Polizei das Heft nicht aus der Hand: Schon am Samstagmorgen brachten sich die Sicherheitskräfte in Hundertschaften um den Breslauer Platz am Kölner Hauptbahnhof rechtzeitig in Stellung. Nicht noch einmal in Machtlosigkeit erstarren wie bei der legendären Hogesa-Randale von Hooligans und Rechtsradikalen vor mehr als einem Jahr und schon gar nicht wie jüngst in jener Silvesternacht, als Frauen massiv durch einen Mob von Männern sexuell bedrängt und bestohlen wurden - und Sicherheitskräfte ohnmächtig zuschauten.

„Wir wollen uns unbeschwert bewegen bei Tag und bei Nacht“, heißt es auf einem Plakat von Frauen, die sich um Punkt 12 zunächst auf der Domplatte versammeln. „Sexuelle Gewalt wird zu schwach geahndet“, schimpft eine 50-Jährige, die aus Düsseldorf nach Köln gekommen ist. Kurzfristig hatten Frauenaktivistinnen um die Gruppe Femen zu einem sogenannten Flash Mob am Dom aufgerufen. Und immer wieder ist zu hören: „Nein heißt nein, das ist unser Gesetz!“

Dass nun auch Asylsuchende für die Übergriffe in der Silvesternacht als Täter infrage kommen, hat den Rechtsradikalen bei ihrem Auftritt in Köln Munition geliefert, ihre ausländer- und islamfeindlichen Parolen auf die Straße zu tragen. Auf dem Breslauer Platz hinter dem Hauptbahnhof herrscht von Anfang an eine angespannte Stimmung, die ein Polizeisprecher später als „aufgeheizt und aggressiv“ beschreibt. „Abschieben“ wird gerufen und der Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) und der neuen Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) gefordert.

Die Polizei bleibt Herr der Lage, außer kleinerem Gerangel ist zunächst alles ruhig. Als die zum Teil vermummten und schwarz gekleideten Anhänger um Pegida und der Partei Pro NRW, die zu der Kundgebung aufgerufen hatten, auf dem Kölner Bahnhof ankommen, ertönen Nazi-Raus-Rufe. Nach dem Motto „nur nichts dem Zufall überlassen“ hält die Polizei die Gruppen auf Abstand: Ein Meer von weißen Helmen trennt Demonstranten und das Bündnis von verschiedenen Kölner Gruppen, die zu einer Gegendemonstration aufgerufen hatten.

Linke und Rechte treffen aufeinander
Demonstrationen in Köln
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Eine aufgeheizte Stimmung hat die Demonstrationen am Samstag in der Kölner Innenstadt begleitet. Hintergrund der Proteste von Rechtsextremisten und einem Gegenbündnis waren massive Übergriffe eines Mobs auf Frauen in der NRW-Metropole am Silvesterabend. Über die Teilnehmerzahlen auf beiden Seiten lagen unterschiedliche Angaben vor.

Bis zum Nachmittag friedlich
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Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die beiden Lager auf dem Breslauer Platz hinter dem Hauptbahnhof zu trennen. Informationen über größere Auseinandersetzungen gab es bis zum Nachmittag zunächst nicht.

Rechte Demonstranten
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Unweit des Hauptbahnhofs, wo sich der Vorfall vor mehr als einer Woche abgespielt hatte, gingen laut Polizei mehr als 1300 Menschen gegen Rassismus und Sexismus auf die Straße. Ihnen gegenüber standen der Polizei zufolge mehrere hundert Rechtsextremisten, darunter auch eine Reihe gewaltbereiter Hooligans.

Angespannte Lage
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„Die Stimmung ist sehr aufgeheizt“, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Auch ein Sprecher der Kölner Polizei sprach von einer „aggressiven Grundstimmung“. Der Polizei zufolge kamen noch immer Demonstranten auf beiden Seiten dazu. Anmelder der rechten Demonstration war die islamfeindliche Pegida-Bewegung NRW – sie sprach von 3000 Teilnehmern auf ihrer Seite.

Waffen gefunden
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Die Landespolizei war nach Angaben eines Sprechers mit rund 1700 Beamten, hauptsächlich aus Hundertschaften, im Einsatz. Hinzu kamen mehrere hundert Kräfte der Bundespolizei. Auch Wasserwerfer standen bereit. Bei Zugangskontrollen seien bei einzelnen Teilnehmern der rechtsextremen Demonstration Nothammer oder Pyrotechnik gefunden worden, sagte der Sprecher.

Gegendemonstranten
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Die Pegida-Demonstration wurde unter anderem von der rechtsextremen Partei Pro Köln unterstützt. Zur Gegendemonstration hatten verschiedene Gruppierungen unter dem Motto „Nein zu rassistischer Hetze! Nein zu sexueller Gewalt!“ aufgerufen. Zunächst hatten sich mehrere hundert Teilnehmer – vor allem Frauen – zu einem Flashmob vor dem Dom getroffen, ehe sie zum Breslauer Platz zogen.

Großauflauf
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Bei den sexuellen Übergriffen in der Neujahrsnacht hatten aus einer Menge heraus kleinere Gruppen Frauen umzingelt, bedrängt und bestohlen. Der Polizei liegen bislang mehr als 170 Strafanzeigen vor.

Doch dann fliegen plötzlich Flaschen, Böller und Steine seitens der rechten Demonstranten, unter denen viele Hooligans sind. Passanten und Polizeikräfte werden getroffen. Wasserwerfer und Tränengas kommen zum Einsatz. Die rechtsradikalen Demonstranten werden durch das massive Polizeiaufgebot – 1700 Beamte sind an dem Tag um den Kölner Bahnhof zusammengezogen – zurückgedrängt. Die Polizei löst die Veranstaltung kurzerhand auf. Obwohl viele Demonstranten abziehen und mit Zügen wieder ihren Heimweg antreten, halten einzelne Scharmützel bis in die Abendstunden an.

  • dpa
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