Flüchtlinge in Deutschland Erneut fremdenfeindliche Angriffe auf Asylbewerber

Die Serie von Anschlägen auf Unterkünfte für Asylbewerber geht weiter: In Sachsen flogen Steine auf ein zur Notunterkunft umgebautes Hotel. In Brandenburg entging eine Familie nur knapp einem Brandanschlag.
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Am Freitag kam es in Dresden zu gewalttätigen Ausschreitungen bei einer NPD-Demonstration gegen Asylbewerber. Quelle: dpa
Protest in Dresden

Am Freitag kam es in Dresden zu gewalttätigen Ausschreitungen bei einer NPD-Demonstration gegen Asylbewerber.

(Foto: dpa)

Brandenburg/DresdenDie Serie fremdenfeindlicher Angriffe auf Asylbewerber reißt nicht ab. In Brandenburg/Havel entging eine Flüchtlingsfamilie nur knapp einem nächtlichen Brandanschlag auf ihre Wohnung. In Dresden flogen am Sonntagabend aus einer Gruppe von 30 Menschen heraus Steine auf ein Asylbewerberheim. Bereits am Freitag wurden vier syrische Asylbewerber bei einem Angriff in der thüringischen Stadt Greiz verletzt.

In Brandenburg an der Havel zündeten Unbekannte in der Nacht zum Sonntag vor der Wohnungstür der Flüchtlingsfamilie eine mit Brandbeschleuniger getränkte Zeitung ab, wie die Polizei mitteilte. Die 24-jährige Mutter von zwei Töchtern im Alter von zwei und fünf Jahren bemerkte den Brandgeruch und weckte ihren 27-Jährigen Mann, der das Feuer löschte. Nach ersten Ermittlungen gelangten die Täter durch den offenen Hauseingang ins Gebäude. Sie entkamen unerkannt.

Bachmann organisiert Anti-Asyl-Protest vor seiner Haustür
Pegida-Chef Lutz Bachmann
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„Auf die Straße, Leute! Wehrt Euch!“: Lutz Bachmann stachelte mit einem Facebook-Aufruf wütende Proteste gegen eine Flüchtlingsunterkunft in seinem Heimatort Freital an. Seit Montag gibt es in dem sächsischen Städtchen Proteste und Gegendemonstrationen. Die Polizei ist mit einem massiven Aufgebt vor Ort. Bachmann selbst nennt die Erstaufnahmestelle bei Facebook ein „Glücksritter-Heim“.

Fremdenfeindlicher Aufkleber in Freital
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„Asyl-Wahn Stoppen - Nein zum Heim - Wutbürger“ klebt an einem Laternenmast in unmittelbarer Nähe des Leonardo-Hotels in Freital. Zur Erstaufnahme von Flüchtlingen nutzt Sachsen vorübergehend ein Hotel in Freital bei Dresden. Die Demonstranten nutzen die selben Vorurteile, das selbe Vokabular, das montags bei den Pegida-Kundgebungen in Dresden zu hören ist, zu denen allwöchentlich noch immer zwischen ein- und zweitausend Menschen strömen.

Asylunterkunft in Freitaler Hotel
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Das Streitobjekt: Das Leonardo-Hotel in Freital. Seit Wochen gibt es gegen die Unterbringung der Asylbewerber Proteste in der nur 20 Autominuten vom Zentrum Dresdens entfernten Stadt. Doch seit die Landesdirektion am Montag angekündigt hat, neben den rund 100 bereits vom Landkreis untergebrachten Flüchtlingen noch Platz für bis zu 280 weitere Erstaufnahmen zu schaffen, schlagen die Wellen hoch.

Protest gegen Flüchtlinge in Freital
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In der sächsischen Kleinstadt Freital hat die Polizei mit einem Großaufgebot demonstrierende Befürworter und Gegner eines Asylbewerberheims auseinandergehalten. 200 Unterstützer des Asylbewerberheims hätten sich in der Nacht zum Mittwoch rund um das Gebäude, ein ehemaliges Hotel, postiert, sagte der Polizeiführer vom Dienst in Dresden.

Gegendemonstranten in Freital
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Ihnen hätten 80 Gegner gegenübergestanden, aus deren Reihen vereinzelt Eier auf die Befürworter geworfen worden seien. Unter ihnen sollen bekannte Mitglieder der gewaltbereiten Neonazi-Szene gewesen sein. Feuerwerkskörper wurden gezündet. Etwa 60 Polizisten seien im Einsatz gewesen, um gewaltsame Zusammenstöße zwischen den beiden Gruppen zu verhindern.

Demonstranten heißen Flüchtlinge Willkommen
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Es habe allerdings heftige verbale Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten gegeben, die teils „unter der Gürtellinie“ gewesen seien, sagte der Polizeibeamte. Gegen 00.30 Uhr hätten sich die Versammlungen aufgelöst, 30 Befürworter des Heims seien aber zunächst vor Ort geblieben. Am frühen Morgen waren es den Angaben zufolge noch drei.

Polizisten schützen Flüchtlinge in Freital
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Die Polizei ist derzeit nach eigenen Angaben rund um die Uhr vor Ort, um Zwischenfälle zu verhindern. Für Mittwoch und Donnerstag wurden weitere Versammlungen rund um das Wohnheim angemeldet. In das Übergangswohnheim waren den Angaben zufolge am Montag rund 130 Asylbewerber eingezogen und am Dienstag etwa 130 weitere.

Im Dresdener Stadtteil Stetzsch gingen in dem Flüchtlingsheim, einem umgebauten ehemaliges Hotel, nach Steinwürfen sechs Scheiben zu Bruch. Die Beamten trafen nach dem mutmaßlich fremdenfeindlich motivierten Vorfall an einer Tankstelle nahe dem Tatort auf 27 Personen und stellten deren Identität fest.

Am Freitagabend waren in Greitz in Thüringen vier syrische Asylbewerber bei einem Angriff verletzt worden. Die Flüchtlinge sprachen laut Polizei eine Gruppe junger Männer an, die daraufhin unerwartet auf die Syrer einschlugen und sie traten. Die Ermittler schließen ein ausländerfeindliches Motiv nicht aus. Die drei Täter im Alter von 18, 23 und 26 Jahren konnten festgenommen werden.

Ebenfalls am Freitag hatte es in Dresden gewalttätige Ausschreitungen bei einer NPD-Demonstration gegen Asylbewerber gegeben.

  • dpa
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3 Kommentare zu "Flüchtlinge in Deutschland: Erneut fremdenfeindliche Angriffe auf Asylbewerber"

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  • Frau Steer, sie finden es also völlig in Ordnung auf Asylunterkünfte Steine zu schmeißen?! Mir fehlen die Worte. Und genauso fehlen mir die Worte, dass das Handelsblatt solche Kommentare ungeprüft veröffentlicht.

  • Es ist kein deutsches Problem, schauen wir auf unsere Nachbarländer !
    Eine Überforderung einer Bevölkerung hat immer mit negativen Auswüchsen zu tun, nur die Politik und das global gesehen, hat jämmerlich seit mehr als 30 Jahren versagt, in vielen Bereiche !!!

    Das Thema in Deutschland : Flüchtlinge schneller in ARBEIT bringen, salopp formuliert !
    Ein Vorschlag des BDA Arbeitgeberverband : Keine 8 Arbeitsstunden pro Tag gesetzlich begrenzen, nur noch die Wochenarbeitszeit, salopp formuliert !

    Ich sehe irgendwie einen Zusammenhang in diesen miesen Vorschlägen !?
    Und in ALT-AMERIKA wurde deswegen ein Bürgerkrieg geführt, um diese Schweinerei zu beenden !



  • So etwas darf nicht sein, ich bin entsetzt.
    Auf leere Asyunterkünfte Steine schmeißen, geht ja noch, ist zwar nicht schön, aber es wird keiner gefährdet.
    Aber so etwas was da jetzt passiert ist, geht gar nicht.
    Aber warum spricht die Politik auch nur noch von Flüchtlingen, wohlwissend, dass 95& keine sind.
    Wann reageirt unsere Politik endlich mal ordentlich?

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